Noch wagen sich die Tulpen beim Schaichhof nur zaghaft aus ihren Blütenkelchen. Doch je wärmer die Witterung, desto bunter soll die Blütenpracht leuchten. Foto: Stefanie Schlecht

Die Tulpenzeit im Kreis Böblingen hat begonnen: Auf den Selbstpflückfeldern leuchten die ersten Farben. Welche Blumen folgen und wie das System auf Vertrauen basiert.

Die ersten Farbtupfer leuchten schon von weitem: Rot, Gelb, Rosa und Violett. Zwischen den Reihen beugen sich Kunden über die zarten Pflanzen, prüfen eine Knospe und schneiden vorsichtig einen Stiel ab. Die Tulpenzeit hat begonnen – und auf den Selbstpflückfeldern darf ab sofort wieder geerntet werden.

 

„Wenn man die Farbe der Tulpen erkennt, dann ist der richtige Zeitpunkt zum Pflücken“, sagt Bernhard Weimer aus Bondorf, der einige Felder im Umkreis von bis zu 60 Kilometern bewirtschaftet. Seine Blumen wachsen in Weil in Schönbuch beim Schaichhof, in Bondorf bei der Hofschuir und in Herrenberg Richtung Tübingen. Zwar hat die kühle Witterung der vergangenen Wochen den Start der Saison minimal verzögert. Doch inzwischen sei klar: „Den Tulpen geht es gut. Sie sind pflückbereit.“

Bernhard Weimer baut neben den Blumen auch Weihnachtsbäume an. Foto: Stefanie Schlecht

Felder im Kreis Böblingen: Tulpenzwiebeln trotzen dem Winter und gedeihen prächtig

Gepflanzt wurden die Zwiebeln bereits im vergangenen Herbst. Anfang Oktober haben er und seine Helfer Tausende davon in die Erde gesetzt. „Sie brauchen den Winter, um Wurzeln zu bilden und zu wachsen“, erklärt der Landwirt. Ganz ohne Ausfälle geht es dabei nicht: Manchmal frisst eine Maus eine Zwiebel an, manchmal wächst eine Pflanze einfach nicht. „Aber im Großen und Ganzen stehen sie wunderbar da.“

Auf den Feldern von Weimer wachsen Tulpen in unterschiedlichsten Farben und Formen. Wer möchte, kann sich seinen Strauß selbst zusammenstellen – frischer geht es nicht. Bezahlt wird anschließend ganz unkompliziert: entweder wirft man den Betrag in eine Kasse am Feldrand, oder man nutzt Paypal, wenn man kein Bargeld dabei hat. Das System basiert auf Vertrauen. „Es gibt überall Schlitzohren und ehrliche Leute“, sagt Bernhard Weimer. „Wir hoffen natürlich, dass die meisten fair sind.“ Denn hinter den bunten Reihen steckt viel Arbeit – vom Pflanzen der Zwiebeln oder Samen bis zur Pflege der Felder. Und die Kosten für Anbau und Pflege müssen am Ende auch gedeckt werden.

Selbstpflücken im Kreis Böblingen: Preise seit drei Jahren stabil

Die Preise sind dabei seit drei Jahren stabil geblieben. Trotz steigender Kosten für Diesel, Dünger und Betriebsmittel habe man bislang nicht nachjustiert. „Wir sind mit dem Preis nicht nach oben gegangen“, betont der Landwirt.

Die Tulpen sind jedoch nur der Auftakt der Blumensaison. Nach ihnen folgen in etwa fünf bis sechs Wochen die Bartnelken. Sie wurden bereits im vergangenen Jahr gepflanzt. Denn sie blühen erst ab dem zweiten Jahr. Im Sommer wird es dann noch bunter: Dahlien, Iris, Gladiolen, Sonnenblumen und Zinnien verwandeln die Felder von Weimer in ein Blütenmeer.

Sonnenblumen und Zinnien: Geduld bis nach den Eisheiligen

Jede Sorte wächst dabei auf einer eigenen Fläche. Besonders empfindliche Arten brauchen Geduld. Sonnenblumen, Dahlien und Zinnien vertragen keinen Frost, deshalb werden sie erst nach den Eisheiligen ausgesät. Mit den ersten Sonnenblumen rechnet der Landwirt ab Ende Juni – und damit möglichst lange etwas blüht, sät er sie gleich sechs bis sieben Mal im Jahr aus.

Im Moment aber gilt die Aufmerksamkeit vor allem den Tulpen und den Bartnelken. Unkraut muss entfernt werden, die Pflanzen brauchen Pflege. Denn nur, wenn alles gut wächst, können die Kunden ihre Blumen frisch vom Feld ins Haus holen.

Und genau darum geht es Bernhard Weimer: „Die Leute können sich ihren Strauß so pflücken, wie sie ihn wollen“, sagt er. Es wolle nicht jeder Kunde Sonnenblumen oder Gladiolen. Viele Kunden kommen jedes Jahr wieder. Zwischen den bunten Reihen stehen, den Duft der Blumen in der Nase und am Ende einen selbstgepflückten Strauß in der Hand – für viele Menschen gehört das zum Frühling dazu. Und: „Frischer geht’s nicht, “ sagt Weimer.