Der Landrat Roland Bernhard (rechts) und sein Verkehrsdezernent Andreas Wiedmann sind sich einig. Foto: FACTUM-WEISE

Heute treffen sich die beiden Landräte Roland Bernhard und Helmut Riegger. Der Böblinger Kreischef will zwischen den Kritikern aus Renningen und Weil der Stadt und im Kreistag eine Brücke bauen, stellt aber klare Forderungen nach Calw.

Kreis Böblingen – - Heute treffen sich die beiden Landräte Roland Bernhard und Helmut Riegger. Der Böblinger Kreischef will zwischen den Kritikern aus Renningen und Weil der Stadt und im Kreistag eine Brücke bauen, stellt aber klare Forderungen nach Calw. Der Kreis-Verkehrsdezernent Andreas Widmann betont, er habe nur auf der Fachebene mit Calw geredet und keine politischen Zusagen gemacht.
Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Gespräch mit Helmut Riegger?
Bernhard Ich will einen Fahrplan, um die Hesse-Bahn noch gemeinsam auf den Weg zu bringen. Dazu müssen wir alle Vertreter an einen Tisch setzen und die Kommunikation verbessern. Es herrscht große Unruhe. Es wurde ein Durchbruch gefeiert, ohne dass der Kreis Böblingen mitgenommen wurde – das gehört sich nicht.
Herr Rieger sagt: Der Kreis Böblingen war immer dabei, Herr Wiedmann saß mit am Tisch. Dass Böblingen 3,9 Millionen Euro für die Bahn zahlen soll, sei längst bekannt.
Bernhard Dass Herr Wiedmann bei den Fachgesprächen dabei ist, das ist doch legitim. Aber es war von Anfang an klar: Wenn es um Geld geht, braucht es einen Kreistagsbeschluss.
Wiedmann Ich begleite das Projekt schon seit dem Jahr 2000. Es gibt eine klare Rollenverteilung: Die Fachebene ist dabei, aber dabei ging es nur um die technischen Details etwa der Bewertung zur Wirtschaftlichkeit. Ich habe immer gesagt: Wenn es neue Fakten gibt, müssen wir die im Kreistag behandeln.
Die Forderung aus Calw steht aber: 3,9 Millionen Euro müssen es sein. Wie kommt man auf diese Summe?
Wiedmann Es gab in Calw immer den Wunsch, dass der Kreis Böblingen 20 Prozent der Kosten trägt – aber ich hatte kein Mandat, darüber zu verhandeln.
Bernhard Da geht auch kein Blatt zwischen uns, damit das klar ist. Die Rollenverteilung ist klar: Der Dezernent führt die Fachgespräche, der Landrat macht mit dem Kreistag die Politik.
Gibt es überhaupt Verhandlungsspielraum? Manche im Kreistag wollen am liebsten gar kein Geld für die Hesse-Bahn geben.
Bernhard Wenn unsere Bedingungen erfüllt sind, kann man über eine angemessene Mitfinanzierung reden. Aber der Kreis Calw muss mit uns verhandeln und Gespräche führen. Dies ist noch nicht geschehen. Wir brauchen den Stresstest, ob die S 6 nicht beeinträchtigt wird, dazu muss auch die Region an den Tisch. Und müssen über Lärmschutz für die Anlieger reden.
Die Verkündung vergangene Woche durch den Minister hat Sie überrascht?
Bernhard Wir sind einen Tag vorher informiert worden. Die Überraschung ist geglückt – aber ob es am Ende dem Projekt mehr genutzt als geschadet hat, da stelle ich ein dickes Fragezeichen dahinter. Ich sehe es jetzt als meine Aufgabe, einen Bogen zu spannen, damit sich die Fronten nicht weiter verhärten. Es gibt verbindende Interessen.
Tatsächlich? Und die wären?
Bernhard Die Elektrifizierung zum Beispiel, die ich befürworte. Oder die Idee, in einer ersten Stufe nur bis Weil der Stadt zu fahren – auch wenn man das Projekt als Ganzes bis Renningen denkt. Dass es nur so wirtschaftlich ist, sollten wir nicht anzweifeln – aber eine Umsetzung in Stufen muss auf die Agenda.
Das sieht man in Calw ganz anders, und auch in der Landesregierung . . .
Bernhard Ich könnte mir eine fachliche Verknüpfung der Hesse-Bahn mit der Schönbuch-Bahn vorstellen. Etwa mit einer gemeinsamen Werkstatt in Böblingen – deswegen wären Elektrowagen für die Hesse-Bahn auch viel sinnvoller.
Wiedmann Man könnte gemeinsam die Fahrzeuge bestellen und in Böblingen warten – davon hätten beide Vorteile. Unser Antrag für die Schönbuchbahn sieht diese Synergieeffekte im Übrigen vor.
Man hört, dass die alten Dieseltriebwagen der Schönbuchbahn auf der Hesse-Bahn fahren sollen. Ist das geplant?
Wiedmann Davon wissen wir nichts. Die Dieselfahrzeuge auf der Schönbuchbahn erreichen in einigen Jahren ihr Lebensende – dann kommen nur Elektrofahrzeuge in Frage. Das gilt für alle Nebenbahnen.
Warum ist die Kommunikation mit Calw so schwierig? – Sie haben doch früher im Calwer Landratsamt gearbeitet . . .
Bernhard Ich kann das nur mit Verhandlungstaktik erklären. Wenn der Verkehrsminister ein solches Projekt auf dem Silbertablett präsentiert, liegt es vielleicht nahe, den Weg so zu beschreiten. Wir sind aber so souverän, dass wir deswegen nicht gleich das ganze Projekt in Frage stellen.
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