Die Schere zwischen Qualifikation der Bewerber und den Anforderungen der Unternehmen öffnet sich weiter. Foto: dpa

Die Arbeitslosigkeit zwischen Weissach und Herrenberg hat ein absolutes Tief erreicht. Mit einer Arbeitslosenquote von nunmehr 3,2 Prozent steht der Automobilkreis Ende Oktober ziemlich gut da.

Kreis Böblingen/Enzkreis - Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt greift und der Landkreis Böblingen behauptet seine führende Rolle in der Region. Mit diesen beiden Aussagen lässt sich die Statistik der Arbeitsagentur für den Monat Oktober auf einen Nenner bringen. Die Zahl der Menschen ohne Job ging demnach binnen Monatsfrist noch einmal um 308 Frauen und Männer auf nunmehr 6547 zurück. Damit reduzierte sich auch die Arbeitslosenquote zwischen Weissach und Herrenberg um einen Zehntelpunkt auf 3,2 Prozent. Bei einer Quote von 3 Prozent gehen Experten von Vollbeschäftigung aus.

Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat schneidet der Oktober gut ab, teilt Petra Cravaack, die Leiterin der Arbeitsagentur Stuttgart/Böblingen, mit: Derzeit seien 210 Menschen weniger als vor einem Jahr auf Arbeitssuche. Bereits im Juni hatte die Arbeitslosenquote im Landkreis Böblingen auf dem sehr niedrigen Wert von 3,2 Prozent gelegen. „Noch weiter wird die Arbeitslosenzahl in diesem Jahr nicht mehr sinken. Die Wintermonate führen immer zu einem Anstieg bei der Arbeitslosigkeit“, wagt die Agenturchefin einen Prognose. Die Schere zwischen Qualifikationen und Anforderungsprofilen der Unternehmen öffne sich noch weiter. Die Jobvermittlungsbehörde setzt darauf, die Menschen rechtzeitig zu qualifizieren. „Auch die Unruhen in der Automobilbranche werden Auswirkungen auf unsere Region haben.“ Wie immer seien Einsparungen und Investitionsstaus zuerst bei den Zulieferern zu spüren, sieht Cravaack auch rund um Böblingen einen indirekten Druck durch den VW-Abgas-Skandal.

Kleiner Dämpfer auf dem Stellenmarkt

Auf dem Stellenmarkt im Landkreis war dem Arbeitsmarktbericht zufolge erstmals in diesem Jahr ein kleiner Dämpfer zu spüren: 152 Stellen weniger als im September wurden neu gemeldet. Handel und Gastronomie zeigten sich ebenso zurückhaltend wie das verarbeitende Gewerbe. Der größte Rückgang war allerdings bei den Stellenmeldungen aus den Zeitarbeitsunternehmen zu verzeichnen. Rund 120 Angebote weniger kamen aus diesem auch im Kreis Böblingen starken Wirtschaftszweig.

Im Gegenzug meldeten die öffentlichen Verwaltungen einen höheren Personalbedarf, ebenso die Wirtschaftszweige Gesundheit und Soziales sowie Lehre und Erziehung. Das ist wohl eine direkte Auswirkung des Flüchtlingsproblems, dem die Kommunen mit ihrer Belegschaft kaum Herr werden. Der Bestand an freien Stellen veränderte sich nur gering, Ende Oktober standen den Bewerbern 2045 freie Stellen zur Verfügung.

Enzkreis hat nur 2,7 Prozent Arbeitslose

Im Enzkreis reduzierte sich die Arbeitslosenquote im Monatsvergleich um zwei Zehntelpunkte auf 2,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 2,8 Prozent gelegen. Damit belegt der Enzkreis gemeinsam mit Rottweil und Waldshut Platz sechs in Baden-Württemberg. Insgesamt waren Ende Oktober dort 2921 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Oktober wurden 294 Stellenangebote gemeldet. Das waren 30 oder 11,4 Prozent mehr als im Vormonat und 57 oder 16,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Derzeit hat die Arbeitsagentur 1030 offene Stellenangebote im Bestand, ungefähr genauso viele wie vor einem Jahr.

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