Foto: 7aktuell/Schmalz

Bestürzung über eine Unfallserie im Kreis Böblingen. Die Rettungskräfte waren am Wochenende im Dauereinsatz.

Gärtringen - Es scheint fast, als würden die drei tödlichen Unfälle, die sich in der Nacht auf Sonntag ereignet haben, eine gemeinsame Geschichte erzählen. Eine Geschichte davon, wie verhängnisvoll sich kleine Unachtsamkeiten auf das Leben vieler Menschen auswirken können, obwohl sie – so scheint es im Nachhinein – ganz leicht zu vermeiden gewesen wären.

Der erste Unfall ereignete sich gegen 23 Uhr auf dem kurzen Abschnitt der Kreisstraße 1067 zwischen Nufringen und Gärtringen, auch Gärtringer Straße genannt. Eine 60-jährige Autofahrerin, die mit ihrem Geländewagen nach Gärtringen unterwegs war, erkannte zu spät, dass dort ein Mann auf der Straße lag. Sie bremste zwar, konnte aber nicht mehr rechtzeitig anhalten. Ihr Wagen erfasst den Liegenden, der noch an der Unfallstelle starb.

Die Unfallverursacherin erlitt einen Schock

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, handelte es sich bei dem Opfer um einen demenzkranken 86-Jährigen, der in der Nähe wohnte. Er war nur mit Hausschuhen und einer leichten Jacke bekleidet. Wie die Angehörigen berichteten, muss er gegen 22.40 Uhr noch zu Hause gewesen sein. Die Polizei sucht nun Zeugen, die mitbekommen haben, wie er das Haus verlassen hat und in welchem Gemütszustand er gewesen ist. Fraglich sei auch, sagt der Polizeisprecher Uwe Vinçon, wie der Mann zu Fall gekommen sei und ob ihm andere Autofahrer ausgewichen seien.

Die 60-jährige Unfallverursacherin erlitt einen Schock. Die Staatsanwaltschaft ordnete ein Gutachten an. Dabei wird der Sachverständige auch klären müssen, inwieweit die Frau am Tod des Mannes schuld ist. Vinçon betont, dass sie lediglich so schnell hätte fahren dürfen, dass sie einem Hindernis noch jederzeit hätte ausweichen können.

Ein Unfall auf der A 81 gibt der Polizei Rätsel auf

Rätselhaft ist auch der Tod einer Autofahrerin auf der A 81 bei Herrenberg. Die 28-jährige Autofahrerin aus dem Kreis Calw ist auf dem Weg nach Süden zwischen dem Schönbuchtunnel und der Ausfahrt Herrenberg zunächst nach rechts auf den Standstreifen geraten, dann nach links gegen die Mittelleitplanke geschleudert und dort mit ihrem Wagen liegen geblieben. Zwei Autofahrer konnten dem Kleinwagen ausweichen, einem dritten gelang das nicht. Er krachte erst in den Unfallwagen und kollidierte dann mit den Vorgängern. Zwei der drei Fahrer wurden verletzt.

Ermittler erhoffen sich von Zeugenaussagen Aufschluss

Währenddessen stieg die Unfallverursacherin aus ihrem Wagen, überquerte die Mittelleitplanke und lief auf die Gegenfahrbahn. Ein 56-jähriger Autofahrer sah die Frau zu spät und erfasste sie mit seinem Sportwagen. Sie starb sofort. „Der Mann hatte absolut keine Chance“, sagt Vinçon. Im Gegensatz zu der Unfallverursacherin in Nufringen habe er nicht mit einer Fußgängerin rechnen müssen.

Nun muss die Polizei klären, ob die Frau aufgrund ihrer Verletzungen so orientierungslos war, dass sie nicht bemerkte, was sie tat. Allerdings spricht die Mühe, eine Mittelleitplanke zu überwinden, gegen dieses Szenario. Die Ermittler erhoffen sich jetzt von den Zeugenaussagen Aufschluss über den genauen Ablauf des Unfalls.

Weil die Autobahn komplett gesperrt werden musste, versorgte das Rote Kreuz die Wartenden bei Temperaturen um minus 20 Grad mit heißen Getränken. Der Polizei zufolge hielt sich der Rückstau in Grenzen, weil weitere Autofahrer eine Ausfahrt zuvor umgeleitet wurden.

Schon vor zwei Wochen kam es auf der B 464 zu einer Kollision

Der dritte und schwerste Unfall in Böblingen stellt die Polizei ebenfalls vor viele Fragen. Eine 23-jährige Autofahrerin, die mit drei jungen Männern gegen zwei Uhr nachts in der Sudetenstraße losgefahren war, beschleunigte auf dem kurzen Abschnitt des Herdwegs Richtung Panzerstraße offenbar zu stark und verlor die Kontrolle über ihren Wagen. Er raste über den Bordstein, schlitterte über den vereisten Gehweg, prallte gegen eine Gartenmauer, wurde von dieser wegkatapultiert und gegen eine Böschung geschleudert. Die Wucht des Aufpralls war so hoch, dass die Polizei einen Betonpfeiler der Mauer später 50 Meter vom Unfallort entfernt fand.

Alle vier Insassen mussten von der Feuerwehr aus dem Auto geschnitten werden. Ein 28-jähriger Mann wurde an der Unfallstelle reanimiert, starb aber später im Krankenhaus. Ein 39-jähriger Mitfahrer schwebt in Lebensgefahr. Der dritte Insasse und die Fahrerin sind schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Bei den Männern handelt es sich um Angehörige der US-Streitkräfte, die Unfallverursacherin ist deutsch-amerikanischer Staatsangehörigkeit. Die Staatsanwaltschaft ordnete auch hier eine Untersuchung an.

Erst vor zwei Wochen waren bei einer Frontalkollision auf der B 464 zwei Frauen tödlich verunglückt. Im vergangenen Jahr kamen sieben Autofahrer im Kreis zu Tode.

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