Gerhard Hollenwenger zeigt, wie Fenster einbruchssicher sind. Foto: factum/Bach

Eigentlich kommt die Hochsaison für Einbrecher erst – im Winter, wenn es bereits früh dämmert, gehen sie in der Regel auf Beutezug. In den vergangenen Wochen haben sich die Einbrüche in der Region jedoch gehäuft. Von Januar bis August wurden von der Leonberger Polizei 54 Taten gezählt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es lediglich 53.

Kreis Böblingen - Eigentlich kommt die Hochsaison für Einbrecher erst – im Winter, wenn es bereits früh dämmert, gehen sie in der Regel auf Beutezug. In den vergangenen Wochen haben sich die Einbrüche in der Region jedoch gehäuft. Von Januar bis August wurden von der Leonberger Polizei 54 Taten gezählt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es lediglich 53.

Wer die Täter sind, die hinter der ­Vielzahl von Einbrüchen stecken, lässt sich nur schwer beantworten. „Die Aufklärungsquote ist bei solchen Delikten gering“, gibt Gerhard Hollenweger von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Böblingen zu. Nur in 9,5 Prozent aller Fälle werden die Täter ermittelt. „Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn die Leute in ihrer Nachbarschaft Verdächtiges beobachten, sollen sie sich bei uns melden. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.“

Wie schnell die Täter im Haus sind, zeigt eine kurze Demonstration. Es dauert nur wenige Sekunden. Mehr als ein leises Knacken ist nicht zu hören. Mit drei schnellen Handgriffen hat der Beamte ein handelsübliches Fenster aufgehebelt. Sein Werkzeug: ein Schrauberzieher aus dem Baumarkt. 80 Prozent aller Einbrecher kommen über Fenster, Balkon- oder Verandatüren. „Ein Fenster ist schneller geöffnet als eine Tür“, sagt Gerhard Hollen­weger. Dabei attackieren die Täter in der Regel den ­Rahmen, nicht das Glas. „Nur in drei ­Prozent der Fälle werden ­Scheiben zerstört“, sagt Hollenweger. Der Grund ist einfach: „Das macht Krach.“

Die Ausrüstung der Einbrecher ist simpel – Schraubenzieher, Stemmeisen, oder ein sogenannter Geißfuß, auch ­Nagelheber genannt. „Die Fenster werden aufgehebelt“, erklärt der Einbruchs­experte. Normale Bolzen, die ein geschlossenes Fenster im Rahmen halten, haben die Form eines Zylinders. „Die rutschen durch die Hebelwirkung einfach über ihre Führungsschiene hinweg“, erklärt Hollenweger. Sicherer sind sogenannte Pilzköpfe – Bolzen, die am oberen Ende breiter sind. „Die können nicht so einfach heraus­gedrückt werden.“

Entsprechende Schlösser und Rahmen können nachgerüstet werden. „Für rund 250 Euro pro Fenster können Sie die Einbruchssicherheit deutlich verbessern“, erklärt der Polizist. Türen sind teurer. „Ein Rahmen, der die Tür an mehreren Stellen verschließt, kostet zwischen 600 und 900 Euro“, sagt der Beamte, „eine neue einbruchssichere Tür beginnt bei 2500 Euro.“

Gerhard Hollenweger hat in seinem ­Beratungszimmer unzählige Schlösser, Fenster und Türen aufgebaut, an denen er demonstriert, wie die Täter vorgehen und was wirksam vor Einbrechern schützt. „Wenn es gelingt, eine Verzögerung von ­wenigen Minuten zu erzielen, haben Sie schon gewonnen“, sagt er, „kein Einbrecher macht sich bei einem Wohnhaus die Mühe, zehn Minuten an einem Fenster zu ­arbeiten.“ Ein Einbruch soll schnell gehen und keinen Lärm verursachen. Nach der Erfahrung des Kriminalhauptkommissars scheuen die Diebe die ­Konfrontation mit ihren Opfern. Deshalb versichern sich die Einbrecher vor der Tat, ob ihr Ziel tat­sächlich unbewohnt ist. „Augen­scheinlicher Wohlstand ist für die Täter meist kein Kriterium. Die meisten sind auf der Suche nach einfacher Beute“, sagt ­Hollenweger. Sieht ein Haus oder eine Wohnung verlassen aus, kommt das ­Eigenheim als Ziel in Frage.

Die Täter nutzen dabei auch kurze Abwesenheiten aus. „Es geht nicht nur um die zwei Wochen, die man in den Urlaub fährt“, sagt der Experte, „oft reichen schon ein paar Stunden, gerade wenn die Tage wieder kürzer werden.“ Der Winter ist für Einbrecher Hochsaison. „Um 17 Uhr wird es dunkel, Sie kommen aber erst um 20 Uhr nach Hause. Das sind drei Stunden, in denen ihr Heim unbeleuchtet und unbewohnt ist“, sagt Gerhard Hollenweger.

Der Kriminalist empfiehlt in solchen Fällen Zeitschaltuhren zu installieren, damit im Haus Licht brennt. „Das schreckt ab“, meint der Einbruchsexperte. Für die Urlaubszeit rät der Polizist, Absprachen mit den Nachbarn zu treffen: „Lassen Sie ihren Briefkasten leeren, die Blumen gießen und die Rollläden bewegen.“

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