Neun Kandidaten treten für das Direktmandat und 20 Parteien für Zweitstimme an. Foto: dpa

Der Stimmzettel im Wahlkreis ist lang. Neun Direktkandidaten wollen in den Bundestag. 20 Parteien buhlen um die Zweitstimmen der Wähler. Am Sonntag entscheidet sich, wer ins Parlament einzieht.

Kreis Böblingen - Fünf Aspiranten aus dem Kreis, die in den Bundestag wollen, haben wir in den vergangenen Wochen vorgestellt – die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke. Aber es gibt vier weitere Bewerber, die sich um ein Mandat bemühen: Hagen Stanek von der Piratenpartei, Hasso Kraus, der für die Freie-Wähler-Partei antritt, Peter Bäuerle will für die Marxistisch-Leninistische Partei (MLPD) ins Berliner Parlament und Bernd Geider für die NPD.

Eine Chance, den Sprung in den Bundestag zu schaffen, hat wohl keiner von ihnen. Noch nicht einmal Hagen Stanek von den Piraten, dessen Partei in Umfragen zur Wählergunst zurzeit bei vier Prozent liegt. Stanek hofft natürlich, dass es seiner Partei gelingt, die Fünf-Prozent-Hürde zu nehmen, auch wenn das ihm persönlich keinen Vorteil verschafft.

Kreis-Pirat hat keinen Platz auf der Landesliste

„Ich habe keinen Platz auf der Landesliste. Um einen Sitz im Bundestag zu ergattern, müsste unsere Partei 50 Prozent Stimmen bekommen“, sagt er. Politisch aktiv will Stanek auf jeden Fall nach der Wahl bleiben – selbst wenn es seine Partei nicht ins Parlament schaffen sollte. „Unser Ziel ist eine sachliche, transparente und unabhängige Politik. Da werden wir weiter dranbleiben – auch als außerparlamentarische Opposition, schon um den anderen Parteien auf die Finger zu schauen“, sagt Stanek.

Gute Chancen auf einen Sprung in den Bundestag rechnet sich hingegen Hasso Kraus von der Freien-Wähler-Partei aus. Und das, obwohl für seine Partei bei Umfragen momentan bundesweit nur ein Prozent der Wähler votiert. „Das interessiert mich nicht“, erklärt er. „Mich interessiert, dass andere Umfragen ergeben haben, dass sich 22 Prozent aller Wähler vorstellen könnten, uns zu wählen. Das ist ein riesiges Potenzial.“ Selbstbewusst verkündet er: „Ich rechne am 22. September mit fünf Prozent plus x.“ Das würde auch für ihn persönlich reichen, um ins Parlament einzuziehen. „Ich stehe auf Platz drei der Landesliste. Da reichen mir 5,3 Prozent im Bund.“

Für mehr direkte Demokratie wollen sich die Freien Wähler einsetzen. „Wir wollen die Direktwahl des Bundespräsidenten und Volksentscheide nach dem Schweizer Recht“, erklärt Kraus. Dann, so die Hoffnung, würden sich wieder mehr Bürger für Politik interessieren, weil sie direkt mitreden könnten. Zudem engagiere sich seine Partei dafür, keine öffentlichen Güter zu privatisieren, sagt Kraus. „Wasser, die Bahn, Straßen – das alles muss in öffentlicher Hand bleiben.“ „Unter ferner liefen“ laufen aller Wahrscheinlichkeit die beiden anderen Direktkandidaten im Kreis. Die NPD verbuchte bei der Bundestagswahl vor vier Jahren nur knapp 1,7 Prozent der Stimmen, die Marxisten-Leninisten kamen nicht einmal auf ein Prozent.

Altbekannte und neue Gruppierungen treten an

Insgesamt 20 Parteien finden die Wähler am 22. September auf ihren Stimmzetteln: Elf Parteien treten ohne einen Direktkandidaten an und werben um die Zweitstimmen der Stimmberechtigten. Altbekannte sind dabei wie die Bibeltreuen Christen PBC, die Republikaner oder die Ökologisch-Demokratische Partei/Familie und Umwelt (ÖDP), aber auch die Neustarter Alternative für Deutschland (AfD), die allerdings im Wahlkreis Böblingen ohne Direktkandidaten antreten.

Auf der Liste stehen ebenso: die Tierschutzpartei, die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (Büso), das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG), die Bürgerbewegung pro Deutschland, die Partei der Vernunft, die Rentnerpartei sowie eine Gruppierung, die sich Volksabstimmung nennt und für mehr Bürgerentscheide und direkte Demokratie eintritt.

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