Vorsicht beim Sonnenbad in der Urlaubssaison: Vor allem Menschen mit heller Haut und roten Haaren sind besonders gefährdet, an Hautkrebs zu erkranken. Mit schwerem Kohlenstoff ist die Universitätsmedizin Essen den Metastasen des schwarzen Hautkrebses auf der Spur
Für Krebspatienten gibt es einen Satz, der ein herber Schlag ist: „Der Tumor hat bereits gestreut.“ Etwa 90 Prozent der Betroffenen sterben nicht an ihrem Tumor, sondern an den „Metastasen“ genannten Tochtergeschwülsten. Besonders schnell und damit auch besonders gefährlich ist der schwarze Hautkrebs. Wuchern seine Metastasen erst einmal in der Lunge, in der Leber oder im Gehirn, sinken die Überlebenschancen deutlich.
Die Forscher untersuchen, wie sie die Metastasen angreifen können
Um das zu ändern, versuchen Alpaslan Tasdogan und sein Team von der Universitätsmedizin Essen die streuenden Hautkrebs-Zellen zu ergründen: „Wir untersuchen die Veränderungen im Stoffwechsel, die es Tumorzellen ermöglichen, Metastasen zu bilden“, sagt der Arzt und Naturwissenschaftler. „Kennen wir die Unterschiede in den verschiedenen Stadien der Metastasierung, sind wir erst in der Lage, die Achillesferse zu identifizieren, an der wir die Metastasen angreifen und in Schach halten können“, umreißt der Forscher sein Vorhaben.
Der Anfang einer solchen Tragödie liegt oft in einem Solarium oder beim Sonnenbaden in der Natur. Dabei dringt ultraviolettes Licht tief in die Haut ein und kann unter Umständen das Erbgut der Zellen ein wenig verändern. In den meisten Fällen repariert der Organismus den Schaden schnell und problemlos. In seltenen Fällen aber verändert das ultraviolette Licht eine „B-raf“ genannte Erbinformation, nach deren Vorlage der Organismus das Protein B-Raf produziert, das eine wichtige Funktion bei der Vermehrung und Spezialisierung von Körperzellen spielt. „Bei der Mehrheit aller Fälle ist eine solche B-raf-Mutation der erste Schritt auf dem Weg zu einem schwarzen Hautkrebs,“ sagt Tasdogan.
Je häufiger man sich in der Sonne aalt oder sich im Solarium bräunen lässt, umso größer ist das Risiko, dass UV-Licht in einer der Hautzellen das Erbgut verändert. Besonders gefährlich sind die ultravioletten Strahlen für Menschen mit heller Haut, blonden oder roten Haaren. Nach einer solchen Veränderung des B-raf-Gens müssen noch weitere, meist sehr seltene Mutationen passieren, bis oft erst nach vielen Jahren eine Tumorzelle entsteht.
Häufig taucht ein meist nur Millimeter-großer dunkler Fleck auf der Haut auf, der braun bis schwarz ist, teils bläulich oder rötlich schimmert und oft eine unregelmäßige Form hat. Anfangs breitet sich der Tumor an der Oberfläche aus, wächst aber oft in die Tiefe und erreicht die Lederhaut. Dort können die Krebszellen in die Blut- und Lymphbahnen gelangen, sich so im Körper ausbreiten und Metastasen bilden.
Regelmäßige Vorsorge ist wichtig
Solange der schwarze Hautkrebs an der Oberfläche bleibt, lässt er sich gut behandeln. Ist die Geschwulst dagegen erst einmal bis in die Lederhaut vorgestoßen und verbreitet Metastasen, sinken die Heilungschancen erheblich. „Je früher ein schwarzer Hautkrebs entdeckt wird, umso besser“, sagt Tasdogan. „Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig.“ Das sehen die gesetzlichen Krankenkassen ähnlich und übernehmen bei über 35-Jährigen alle zwei Jahre eine Vorsorge.
Alpaslan Tasdogan interessiert sich vor allem für die Fälle mit schlechter Prognose. „Dabei gelangen durchschnittlich eine bis drei Millionen Tumorzellen in die Blutbahn“, erklärt der Forscher und Dermatologe. „Aber nur weniger als 0,01 Prozent dieser Zellen bilden erfolgreich eine Metastase“.
Für ein erfolgreiches Streuen müssen die Zellen also offensichtlich recht hohe Hürden überwinden. So wechselt die Tumorzelle in eine neue Umgebung: Im schwarzen Hautkrebs ist sie auf allen Seiten von anderen Zellen umgeben, mit denen sie fest verbunden ist. Um über die Blutbahn zu anderen Organen getragen zu werden, muss die Tumorzelle sich von diesen Nachbarn lösen. Später tauchen die Zellen in Lymphknoten auf. Oder sie bilden in der Lunge eine Metastase. Möglicherweise wächst eine Tochtergeschwulst in der Leber oder im Gehirn. In allen diesen Fällen aber landet die Tumorzelle in einer völlig neuen Umgebung, die sich grundlegend vom ursprünglichen schwarzen Hautkrebs unterscheidet, aus dem sie stammt. Um sich dort zu behaupten, muss die Tumorzelle ihren Stoffwechsel gut anpassen. Das aber schaffen nur die wenigsten.
Wie passt sich die Tumorzelle an die neue Umgebung an?
Wie ihnen diese Anpassung gelingt, untersucht Alpaslan Tasdogan mit einem markierten Zucker, den Biochemiker als „Glukose“ bezeichnen. „In dieser Verbindung wurden alle sechs Kohlenstoff-Atome gegen das schwerere Kohlenstoff-13 ausgetauscht“, erklärt der Forscher. Dieses Isotop C-13 ist nicht radioaktiv und ist in der Natur sehr selten. Da Glukose ein sehr guter und wichtiger Energielieferant für den Organismus ist, wird diese Verbindung rasch verwendet. Tumorzellen benötigen viel Energie, deshalb taucht das C-13 vor allem dort auf.
Und da moderne Geräte solche schwereren Isotope zuverlässig messen, können Alpaslan Tasdogan und sein Team beobachten, wie sich der Stoffwechsel in der Tumorzelle verändert und die Zelle so an die neue Umgebung anpasst.