Bei etwa einem Viertel aller Frauen mit Brustkrebs treten vermehrt Brustkrebsfälle in der Familie auf. Bei der US-Schauspielerin Angelina Jolie konnte mittels eines Tests ein genetisch bedingtes Erkrankungsrisiko festgestellt werden. Foto: picture alliance/dpa

Vor allem bei Dickdarmkrebs, Brustkrebs und Eierstockkrebs spielt die erbliche Veranlagung eine Rolle, sagt der Stuttgarter Humangenetiker Hans-Jürgen Pander. Was Sie über Gentests wissen sollten.

Stuttgart - Krebs entsteht nicht nur zufällig. Experten wie Hans-Jürgen Pander, Ärztlicher Leiter des Instituts für Klinische Genetik am Klinikum Stuttgart, gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Krebserkrankungen erblich bedingt sind. Krankheitsauslöser sind in diesen Fällen Mutationen, also veränderte Gene. Diese befinden sich gegebenenfalls auch in den Ei- und Samenzellen und können somit weitervererbt werden. Gentests können diese aufspüren. Der Humangenetiker erklärt im Interview, wie sicher diese Tests sind und was man darüber wissen muss.

Gibt es Krebsarten, die besonders familiär bedingt sein können?

Ja, insbesondere bei Krebserkrankungen im Kindesalter, bei Brust- und Eierstockkrebs, bei bestimmten Formen von Schilddrüsenkrebs sowie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber auch bei Prostatakrebs und bei Darmkrebs spielt die Vererbung eine nicht geringe Rolle.

Eignen sich diese Tests als Früherkennung?

Nein. Das Ergebnis benennt das Risiko, dass im Laufe des Lebens eine bestimmte Krebserkrankung auftreten kann. Dieses erblich bedingte Risiko beträgt nie hundert Prozent. Selbst wer das aggressive Brustkrebsgen BRCA1 in sich trägt, hat eine statistische Wahrscheinlichkeit von maximal 80 Prozent, tatsächlich im Laufe des Lebens ein Mammakarzinom zu entwickeln, und kein Arzt kann sagen, wann es dann auftritt.

Wie sicher sind die Tests?

Grundsätzlich sind die Gentests sehr präzise. Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, testen wir normalerweise eine der Betroffenen auf die jeweils typischen Krebsgene. Das Problem ist aber, dass dabei auch unklare Befunde auftreten können, etwa der Nachweis einer in ihrer Bedeutung unklaren Mutation oder kein Mutationsnachweis. Ich kann in einem solchen Fall einem Patienten nicht sagen, dass die Krebserkrankung nicht erblich ist. So besteht die Möglichkeit, dass wir das der Erkrankung zu Grunde liegende Gen mit der darin vorliegenden Mutation nicht untersucht haben, weil es bislang noch nicht im Zusammenhang mit einer solchen Krebserkrankung oder überhaupt noch nicht bekannt ist.

Es werden bei diesen Tests also nicht sämtliche Gene des Menschen untersucht?

Nein. Es werden nur die Gene in Augenschein genommen, von denen bekannt ist, dass dort eine Mutation vorkommen kann, die prinzipiell die aufgetretene Krebserkrankung auslöst. Man kennt heute mehr als hundert solcher Krebs-Gene – und es werden noch weitere entdeckt.

Eignen sich diese Tests als Massenscreening?

Das ist ein Streitthema unter Fachleuten. Die Befürworter sagen, dass die Krebsvorsorge für die Mutationsträger gezielter werden kann. Und im Falle einer Erkrankung könnte das Wissen um eine erbliche Veranlagung die Wahl der Therapie beeinflussen. Die Gegner argumentieren, dass es problematisch sei, jeden ungezielt zu untersuchen, etwa weil man zu viele unklare Befunde erhalten würde, die keine medizinischen Konsequenzen hätten, aber für Verunsicherung sorgen könnten.

Für wen sind dann solche Tests sinnvoll?

Sie sind eine Option für diejenigen, bei denen Angehörige ungewöhnlich jung an Krebs erkrankt sind. Oder aber wenn in der Verwandtschaft eine Häufung von bestimmten Krebsformen aufgetreten ist, sowie von mehreren Krebserkrankungen Betroffene. Bei einer fachärztlich genetischen Beratung lässt sich klären, ob eine Diagnostik möglich ist, welche Ergebnisse sich dabei zeigen können, und ob der Test dem Patienten etwas bringt.

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