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Kinder sind nicht ausreichend vor gefährlichen Chemikalien in Spielzeug geschützt.

Stuttgart - Kinder sind nicht ausreichend vor gefährlichen Chemikalien in Spielzeug geschützt. Davon geht das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aus. Im Fokus stehen sogenannte PAKs. Der Grenzwert für Autoreifen liegt dabei um den Faktor 1000 niedriger als der von der EU festgelegte Wert für Spielzeug.

Die Abkürzung PAK steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie werden häufig bei der Produktion von Spielzeug eingesetzt. Dahinter verbirgt sich ein Gemisch verschiedener Substanzen, die als krebserregend gelten. Die Chemikalien werden als Weichmacher in Gummi oder zum Färben von Kunststoffen verwendet. PAKs gehören zu den sogenannten CMR-Stoffen (cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch). Das bedeutet, es sind Substanzen die erwiesenermaßen krebserregend sind. Darüber hinaus schädigen sie das Erbgut und können sich negativ auf die Fortpflanzung auswirken.

Was können Eltern tun, wenn sie für ihre Kinder Spielzeug als Weihnachtsgeschenk kaufen wollen? Vor allem die Augen offen halten, rät BfR-Sprecherin Ariane Grindt. Das Problem: "Teuer bedeutet nicht automatisch, dass keine Gifte drin sind." Das Herkunftsland ist ebenfalls kein sicherer Hinweis. 85 Prozent des in Deutschland verkauften Spielzeugs wird in China gefertigt. "Da lässt sich kein Pauschalurteil fällen", sagt sie. "Dort produzieren auch namhafte Hersteller mit hohen Produktionsstandards." Das einzig verlässlich Anzeichen für ungefährliche Produkte liefere das sogenannte GS-Siegel, erläutert BfR-Sprecher Jürgen Kundke. Das Zeichen wird von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) vergeben. Sie arbeitet bei der Vergabe mit exakt den Werten, wie von den Experten gefordert.

Regeln zum Schutz der Kinder soll in diesem Zusammenhang die neue EU-Spielzeug-Richtlinie bieten. Das BfR kritisiert diese aber scharf. "Die Vorschriften sind nicht geeignet, um Kinder ausreichend zu schützen". Ein Junge oder ein Mädchen im Alter von sechs Jahren hat in seinem Leben schon mehr als 15.000 Stunden gespielt. Das macht deutlich, warum Grenzwerte für Puppen oder Plastikfiguren so niedrig sein müssten wie möglich.

Im Moment lässt sich statistisch zwar noch kein direkter Zusammenhang zwischen den stetig steigenden Krebserkrankungen bei Kindern und der Verwendung von PAKs in Spielzeug nachweisen. Die gesundheitsschädliche Wirkung der Substanzen steht jedoch außer Frage. "Diese Stoffe müssen aus Spielzeug komplett verschwinden", sagt BfR-Sprecher Kundke. Laut EU-Richtlinie sind sie aber immer noch erlaubt. "Zudem ist der europäische Grenzwert auch noch viel zu hoch", kritisiert er.

Zum Vergleich: Bei Autoreifen ist ein Wert von gerade einmal 0,1 mg/kg BaP erlaubt. BaP ist eine der unter dem Namen PAK zusammengefassten Substanzen und kommt auch in Zigarettenrauch vor. Bei Spielzeug sind es dagegen 100 mg/kg. "Der EU-Grenzwert muss reduziert werden", fordert Kundke. "Ein starker Raucher nimmt pro Tag weniger BaP auf als ein Kind beim spielen", sagt seine Kollegin.

Das Gift im Spielzeug wäre einfach zu vermeiden. "PAK-arme Öle als Weichmacher einzusetzen wäre kein Problem", heißt es beim BfR. Das macht die Produktion allerdings etwas teurer. Die Berliner Experten fordern bei Spielzeug die gleichen Grenzwerte wie bei Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. "Sie müssen dann auch altersunabhängig gelten", sagt Ariane Grindt. Gerade kleine Kinder nehmen ihr Spielzeug gern in den Mund. Aber deswegen nur scharfe Obergrenzen für Kinder unter drei Jahren einzuführen sei falsch. "Ein Zweijähriger nimmt auch schnell mal die Actionfigur seines älteren Bruders in den Mund."

http://www.bfr.bund.de

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