Simone Wörn aus Weil im Schönbuch hat eine Werkstatt eingerichtet, die der Selbsterfahrung dient: in Malen, Werken, Backen, auch mal in Erde graben. Kinder sind die Hauptpersonen.
Beim Eintreten riecht es nach Farbe und Holz. An der Wand hängen bunte Gemälde und Fotos. Auf einem Regal stehen ein paar kreative Kunstwerke aus Ton, ein Segelboot aus Holz, bunt bemalt. Es ist still, aber keine leere Stille. Hier gibt es Platz für ganz viel.
Der Begegnungsraum MazzoInn in Weil im Schönbuch ist ein Ort zum Ankommen, – und das Herzenprojekt von Simone Wörn. Hier steht nicht nur die Kunst im Mittelpunkt, sondern das, was entsteht, wenn Menschen sich begegnen. Mit Farben, Ideen und miteinander.
„Ich vermittle keine Kunsttechniken, ich bin keine Künstlerin. Bei mir bekommen die Kinder einen Impuls, diesen können sie weiter entwickeln und bekommen Hilfe bei Bedarf, oder sie haben ihre ganz eigenen Ideen.“
Simone Wörn, Sonderpädagogin
Simone Wörn hat Sonderpädagogik studiert und viele Jahre als Sonderschullehrerin gearbeitet. Kinder standen für sie schon immer im Mittelpunkt, besonders jene, die es im klassischen Bildungssystem oft schwer haben. Vor sieben Jahren fasste sie den Entschluss, ihren Beruf an den Nagel zu hängen und sich ihrer eigenen Idee zu widmen. Denn sie hatte schon immer den Traum, sich selbstständig zu machen und der Grundgedanke, wo und womit lag ihr auch nicht fern. Wörn stammt aus einer kreativen Familie – ihr Vater arbeitet gern mit Holz, ihre Mutter näht leidenschaftlich. Also: Etwas Kreatives, zum Selbstmachen, aber mit pädagogischem Hintergrund sollte es werden. Die 45-Jährige selbst besuchte dann direkt noch während ihrer Zeit als Lehrerin die Kunstabendschule. In einem Café schrieb die 45-Jährige eine Konzeption für ihre Geschäftsidee. Im Jahr 2019 begann sie schließlich mit den ersten Kunstkursen für Kinder in ihrem Garten. Sie gründete das MazzoInn, ihre Mutter Margrethe Wörn, stieg als Geschäftsführerin mit ein.
Menschen aus „unterschiedlichen Blasen“ sollen im MazzoInn zusammenkommen
„Kinder liegen mir sehr am Herzen“, beschreibt Simone Wörn ihren Ansporn. Ihr Ziel sei es, Räume zu schaffen, in denen sie sich ausprobieren dürfen, ohne Leistungsdruck, ohne Schubladen, eben nicht, wie in der Schule. Bei ihr können Kinder werken, töpfern, basteln, malen oder mit Holz arbeiten. Und auch gebacken wird regelmäßig. Im Sommer geht es oft gemeinsam nach draußen in die Natur, um zu entdecken und zu gestalten. Ein zentrales Angebot ist die Kreativwerkstatt „Flugstunden“, die ab März jeweils samstags stattfindet. Angesprochen sind dabei Kinder ab dem Vorschulalter bis zwölf Jahre. Geflogen wird hier natürlich nicht, oder vielleicht doch? Vielleicht kann man in seinen eigenen Vorstellungen abheben und etwas entdecken?
Denn es nicht nur um kreatives Arbeiten, sondern auch um Sprachförderung und Selbstvertrauen. „Ich vermittle keine Kunsttechniken, ich bin keine Künstlerin“, erklärt Simone Wörn. „Bei mir bekommen die Kinder einen Impuls, diesen können sie weiter entwickeln und bekommen Hilfe bei Bedarf, oder sie haben ihre ganz eigenen Ideen.“ Wichtig ist der Pädagogin immer der Gedanke der Begegnung: Menschen aus unterschiedlichen Welten, sozialen Blasen und Hintergründen sollen im MazzoInn zusammenkommen. „Die Kinder fühlen sich hier gesehen“, sagt Margrethe Wörn.
Der Fördergedanke steht im MazzoInn im Vordergrund
Finanziell ist ihr Herzensprojekt eine Herausforderung. Zu Beginn ihrer Tätigkeit konnte Wörn über ein vom Bund gefördertes Programm diverse Kunstworkshops an Schulen anbieten, doch das Förderprogramm gibt es in dieser Form nicht mehr. Seitdem ist die wirtschaftliche Situation schwieriger geworden. Es gebe zwar noch Förderung, aber auf vielen Kosten bleibe man dennoch sitzen. „Kooperationen, Planung, Dokumentation – alles muss selbst getragen werden“, sagt Margrethe Wörn. Um das MazzoInn weiterführen zu können, arbeitet Simone Wörn seit Herbst zusätzlich wieder in anderen Bereichen. Ihr schwebt aber vor, einen Unterstützerkreis für das MazzoInn ins Leben rufen.
Ihr größter Wunsch bleibt klar: Dass ihr Konzept trägt, in das sie so viel Herzblut gesteckt hat, und dass sich der Begegnungsraum MazzoInn langfristig selbst finanziert – sodass sie davon leben kann. Vor allem aber hofft Simone Wörn, dass noch viele Kinder und Erwachsene diesen besonderen Ort finden. „Es macht einfach sehr viel Spaß und ich bin wieder umgeben von ,meinen’ Kindern – nur eben in einem anderen Rahmen“, sagt die 45-Jährige.
Kreatives Werken für alle
Name
Der Name MazzoInn hat eine lokalhistorische Bedeutung. Das „Mazzo“ war vor vielen Hundert Jahren das pulsierende Gebiet vor den Toren von Weil im Schönbuch. Hier schlugen die Durchreisenden „Handwerker“ ihr Lager auf. Und genau dort steht das Haus, in dem der Begegnungsraum MazzoInn seine Räumlichkeiten hat.
Angebot
Der nächste Termin für die offene Werkstatt für Erwachsene ist am Dienstag, 27. Januar, ab 19.30 Uhr, in den Räumen des MazzoInn, Hauptstraße 83 in Weil im Schönbuch. Jeweils mittwochs, ab 19.30 Uhr, findet die Aktion „Farbenrausch und Feierabend“ statt. Ein Backkurs findet am vierten Märzwochende im Rahmen der „Wochen gegen Rassismus“ statt. Die „Flugstunden“ für Kinder sind jeweils Samstagvormittags und starten im März. In den Sommerferien sind zwei Ferienwochen für Kinder geplant. Weitere Infos unter www.mazzoinn.de