Hier ist das Kesselkollektiv am Werk: Benefiz-Fest im Hof des ehemaligen Waisenhauses. Foto:  

Lange haben sie darauf hingearbeitet, jetzt ist es soweit: Die Mitglieder des ehemaligen Kollektivs 44 aus der Bolz-Villa haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. Am Samstag bespielten die Freidenker den Hof des ehemaligen Waisenhauses.

Stuttgart - Erst seit wenigen Tagen sind sie ein eingetragener Verein namens Kesselkollektiv. Am Samstag stellten sie bereits ein größeres Benefizfestival auf die Beine, das „Benefeel 2.0“, und verwandelten dafür einen Teil des Innenhofs des ehemaligen Waisenhauses an der Planie in eine Kreativ-Oase. Die Rede ist von der Gruppe junger Leute, die vor vier Jahren unter dem Namen Kollektiv 44 übergangsweise die mittlerweile abgebrochene Villa des von den Nazis ermordeten ersten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz auf dem Killesberg bewohnten. Auf die Fassade hatten sie ein haushohes Konterfei des Widerstandskämpfers gesprayt und damit für Stadtgespräche gesorgt.

Seitdem ist viel Wasser den überdeckelten Nesenbach hinunter geflossen, die jungen Leute um Peter Brisizki, Florian Widmann, Raphael Layer und Florian Häuslein jedoch sind sich ihrem kreativen Way of Life und Stuttgart treu geblieben. Mit der lange vorbereiteten Vereinsgründung haben die Mittzwanziger jetzt eine Organisationsform gefunden, die es ihnen ermöglicht, weiter ins Stadtleben hineinzuwirken. Die Idee zu „Benefeel 2.0“ haben sie 2018 an selber Stelle schon mal getestet – mit gutem Erfolg. Für die Flüchtlingsarbeit einer Nichtregierungsorganisation kamen ein paar Tausend Euro zusammen.

Die Vereinsmitglieder wollen „Spaß am Leben haben“

Diesmal war alles eine Nummer schöner, größer, bunter. Auf dem Pflaster waren Orientteppiche ausgerollt und Kissen ausgelegt, in den Bäumen hingen Schirme – eine große Chillzone mit Bar und Bühne, auf der sich junge Musiker des Kulturbüros Sorglos präsentierten. Wer wollte, konnte sich mit einer Sänfte über den Hof tragen oder sich in eine der riesigen K’uyuy-Hängematten fallen lassen, die von gehandicapten Menschen in Nicaragua angefertigt werden.

Vom Kesselkollektiv angesprochen fühlen durften sich Junge, Junggebliebene und Familien, die das Motto des neuen Vereins teilen, nämlich „Spaß am Leben zu haben“, wie der Vorsitzende und gelernte Erzieher Florian Widmann sagt. Am Abend verlagerte sich das Geschehen ins Weltcafé, mit dem das Kesselkollektiv zusammenarbeitet. Dort heizte ein „elektronischer Orientexpress“ den Besuchern bis in die frühen Sonntagmorgenstunden ein. Zum „Spaß am Leben“ gehört für die jungen Freidenker auch, „den Sommer für einen guten Zweck zelebrieren“. Der Erlös der Benefiz-Veranstaltung fließt an das Kulturprojekt Unjani, das sich in Südafrika um Ghetto-Bewohner kümmert.

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