Für ihre Bewerbung bei Lego hat sich Leah Bowman selbst als Lego-Figur gestaltet. Foto: Screenshot/StN

Eine graue Mappe mit Standard-Anschreiben, Lebenslauf und Foto? Langweilig! Warum nicht mal eine Torte als Bewerbung verschicken oder sich auf einer Plakatwand präsentieren? Mit der passenden kreativen Idee können sich Bewerber von anderen abheben.

Berlin - Als Bewerber muss man heute aus der Masse herausstechen: Auf begehrte Stellen bewerben sich oft Dutzende von Kandidaten. Mit einer 08/15-Bewerbung kommt man da nicht weit. Immer mehr Jobsuchende wählen daher eine Guerillataktik und versuchen, mit unkonventionellen Mitteln in die Offensive zu gehen. Die Bezeichnung Guerilla-Bewerbungen leitet sich vom Begriff Guerilla-Marketing ab. Er wird dem Amerikaner Jay C. Levinson zugeschrieben und bezeichnet ungewöhnliche Formen der Werbung. Die Idee war vor allem für kleinere Firmen gedacht, die mit wenig Kosten viel Aufmerksamkeit für ihre Produkte erreichen wollen.

Solche Guerilla-Bewerbungen sind allerdings eine hohe Kunst – bestenfalls beweisen Kandidaten damit, dass sie kreativ sind und offen für neue Ideen. Alles Punkte, die heute in vielen Berufen gefordert werden. Und sie zeigen, dass sie sich Mühe gegeben haben, erklärt der Karrierecoach Bernd Slaghuis aus Köln: „Eine solche Bewerbung hat oft einen Wow-Effekt beim Personaler.“ Auffallen um jeden Preise sei aber die falsche Devise. Denn zwischen genial und genial daneben ist es nur ein schmaler Grat. Schlimmstenfalls wirke eine offensiv gestaltete Bewerbungsmappe einfach nur peinlich.

Der Entertainer Stefan Raab zum Beispiel soll seinen Bewerbungen ein Glas Honig und einen Pinsel beigelegt haben – so könne sich der Arbeitgeber den Honig selbst um den Bart schmieren. Klingt lustig, kann in der Praxis aber leicht schiefgehen: So dürfte der Personaler einfach nur total genervt sein, wenn er statt einer ordentlichen Bewerbung ein völlig verklebtes Paket erhält, weil das Glas auf dem Postweg aufgegangen ist.

Einfach nur anders zu sein ist kein Einstellungsgrund

Auch eine Bewerbung im Blumenstrauß hört sich erst einmal nach einer netten Idee an – wer bekommt nicht gerne Blumen? Dumm nur, wenn der Personaler ein paar Tage im Urlaub war und bei der Rückkehr einen vertrockneten Strauß vorfindet. Und wer beim Wunscharbeitgeber ohne Termin aufläuft, um etwa eine künstlerische Performance hinzulegen, wird in der Regel am Empfang abgefangen und wieder hinauskomplimentiert.

Einfach nur anders als die anderen zu sein ist außerdem kein Einstellungsgrund. Am Ende komme es auf die Substanz an, erklärt Slaghuis. Es müsse einen inhaltlichen Bezug zum Unternehmen geben. „Ansonsten zuckt der Personaler nur mit den Schultern“, ergänzt Bewerbungscoach Jürgen Hesse aus Berlin. Bei einer Bewerbung an Ferrero könne man die Unterlagen beispielsweise in ein Nutella-Glas stecken – das erzeuge Aufmerksamkeit. Noch besser: Eine ausgefallene Torte als Bewerbung für eine Lehrstelle in einer Konditorei vorbeibringen. Oder als technischer Zeichner mit einem Architekturmodell bewerben. Damit habe der Chef gleich die erste Arbeitsprobe in der Hand, sagt Slaghuis. Ist der Lebenslauf hingegen einfach nur auf Klopapier geschrieben oder liegt in einem Pizzakarton, ohne dass erkennbar wäre, was daran der Gag sein soll, wird die Kreativbewerbungen schnell aussortiert, warnt Slaghuis.

Personaler haben keine Zeit für Spielchen

Dass es sich um eine auf das Unternehmen zugeschnittene Bewerbung handelt, muss für Personaler sofort erkennbar sein. Denn die haben keine Zeit für Spielchen: 40 Prozent nehmen sich nach einer Umfrage im Auftrag der Firma Kienbaum für die erste Durchsicht der Unterlagen maximal fünf Minuten Zeit. Knapp jeder Zweite (47 Prozent) opfert sechs bis 15 Minuten seiner Zeit. Immerhin jeder Sechste (16 Prozent) findet dabei ein kreatives Design der Bewerbung wichtig oder sehr wichtig. Im Herbst 2016 hat die Firma Kienbaum 297 Personaler zu dem Thema befragt.

Zu aufdringlich dürfen Bewerber darüber hinaus auch nicht wirken – Twitter-Stalker etwa nerven Personaler schnell. Und platte Sprüche sind nie witzig, auch nicht als Bewerbung: Wer einen Silvesterkracher verschickt mit dem Spruch „Nehmen Sie mich, ich bin der Knaller!“, ist weit über das Ziel hinausgeschossen. Personaler in der Kreativbranche sind zudem womöglich schon übersättigt von Möchtegern-Kreativideen. Soll heißen: Ein Personaler in der Kreativwirtschaft könnte schnell gereizt reagieren und sich einer anderen Bewerbung zuwenden, wenn er ein Bewerberfoto erst zusammenpuzzeln soll. Ein Bewerber sollte daher gut abwägen, welche Art von Bewerbung die richtige für ihn selbst ist und für das Unternehmen, bei dem er sich bewirbt.

Gut aussehen im Netz: Worauf Bewerber achten sollten

Gut aussehen im Netz: Worauf Bewerber achten sollten

Wie viel Privates ist noch professionell? Für Arbeitnehmer lohnt gelegentlich ein Blick in den virtuellen Spiegel, um herauszufinden, wie das, was man im Netz tut, auf andere wirkt. Einen gekünstelten Auftritt muss deshalb aber keiner hinlegen, sagt die Kommunikations- und Strategieberaterin Kerstin Hoffmann. Privates wie Hobbys oder eigene Interessen seien okay.

Welche Fettnäpfchen meiden? Geschmacklose Witze und politische Hetze können je nach Job und Position Folgen haben. Wer im Netz gerne kontrovers diskutiert, sollte daher deutlich machen, dass er damit nicht für seinen Arbeitgeber spricht. Einen Satz wie „Das ist meine persönliche Meinung“ im Twitter-Profil hält Rechtsanwalt Michael Terhaag deshalb für eine gute Idee. Im besten Fall hat der Arbeitgeber Social-Media-Guidelines mit Verhaltensregeln für das Netz – oder wenigstens einen Ansprechpartner für Fragen und Probleme.

Welche Plattformen sind wichtig? Das hängt von der eigenen Person und der Branche ab. Wer viel schreibt, nutzt ein Blog. Fotos landen bei Instagram, Videos bei Youtube, kurze Erklärungen bei Twitter. Wer keine Lust auf soziale Netzwerke hat, kann eine Webseite oder virtuelle Visitenkarte ins Netz stellen – etwa mit Diensten wie Jimdo oder Squarespace. Ein Profil bei Berufsnetzwerken wie Xing und Linkedin kann sich lohnen – obwohl das Erstellen oft viel Arbeit kostet: „Von vielen Jobs erfährt man nicht über Stellenanzeigen, sondern über Kontakte“, so Hoffmann.

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