Die Debatte um die vermeintliche Äußerung des Polizeipräsidenten Franz Lutz zeigt wieder einmal. Die Polizei ist viel zu oft ein Spielball der Politik. Das ist verheerend, meint der stellvertretende Lokalchef Kai Müller.
Stuttgart - Nein, der Polizeipräsident Franz Lutz hat das Wort „Stammbaum“ – in welcher Form auch immer – in der Gemeinderatssitzung nicht gesagt. Wohl aber hat er gesagt, dass der Migrationshintergrund weiterer Tatverdächtiger überprüft wird. Bei einigen Stadträten hat dies die Alarmglocken klingeln lassen, und diese haben sofort die Chance genutzt, die Polizei in ein schlechtes Licht zu rücken.
Alle müssen an einem Strang ziehen
Einmal mehr hat man den Eindruck, dass die Polizei nur noch ein Spielball der Politik ist. Was soll falsch daran sein, dass Umfeld der Täter besser auszuleuchten? Vielleicht auch zu wissen, was sie zu diesen idiotischen Taten gebracht hat? Natürlich muss das für alle Jugendlichen gelten, die an diesen unsäglichen Krawallen beteiligt waren. Wie so oft geht es bei dem Stammbaum-Kleinkrieg nur darum, das eigene Süppchen zu kochen und die eigene Online-Blase zu bestärken. Wieder einmal wird übereinander geredet statt miteinander. Und einige Stadträte haben offenbar zudem noch Probleme mit dem Zuhören.
Bei der Aufarbeitung der Krawallnacht gilt es, an einem Strang zu ziehen. Auch wenn dann Erkenntnisse herauskommen, die manch einem wehtun.
kai.mueller@stzn.de