Der Krankenstand im Kreis Böblingen liegt unter Bundesniveau. Doch einzelne Berufsgruppen geben Anlass zur Sorge.
Der Krankenstand im Landkreis Böblingen stagniert. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der AOK Stuttgart-Böblingen hervor, der jetzt vorliegt. Demnach waren AOK-versicherte Beschäftigte im Kreis im vergangenen Jahr durchschnittlich an 5,5 Prozent der Kalendertage krankgeschrieben – exakt derselbe Wert wie im Vorjahr. Damit liegt der Landkreis weiterhin unter dem Landesdurchschnitt von 6,0 Prozent und deutlich unter dem bundesweiten Krankenstand von 6,5 Prozent. In der Region ist das ein vergleichsweise guter Wert, auch wenn die Zahl der Krankmeldungen im Vergleich zu 2023 leicht zulegte.
Die Daten basieren auf den anonymisierten Krankmeldungen aller AOK-Mitglieder mit Arbeitsort im Landkreis Böblingen. Kurzzeit-Erkrankungen ohne Krankschreibung sind darin allerdings nicht enthalten – ihre Dunkelziffer bleibt offen. Im Detail stehen im Bericht 217,3 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Versicherte, ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Fehltage je Mitglied stieg leicht auf 20,3 Tage – das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Prozent. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung liegt bei 9,3 Tagen.
Auffällig: Die höchste Krankheitsquote wurde in der Branche Verkehr und Transport mit 6,7 Prozent gemessen. Hier dürften Schichtdienste, Zeitdruck und körperliche Belastungen eine Rolle spielen. Deutlich niedriger fällt der Krankenstand hingegen in der Land- und Forstwirtschaft aus; dort lag er bei nur 3,8 Prozent. Die mit Abstand meisten Fehltage verzeichnete die Berufsgruppe der Kran- und Hebearbeiter mit über 36 Fehltagen im Jahr 2024. Erstaunlich weit oben auch die im Bereich Polsterei und Fahrzeuginnenausstattung Beschäftigten auf Platz drei mit 31,3 Fehltagen.
Gesundheitsbereich am wenigsten gesund
Auch im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel und im öffentlichen Dienst lagen die Fehlzeiten teils deutlich über dem Kreisdurchschnitt. Entsprechend empfiehlt die Kasse gezielte Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung – etwa durch ergonomische Verbesserungen am Arbeitsplatz oder Stressabbau. Mit Blick auf die Diagnosen sind Atemwegserkrankungen weiterhin Spitzenreiter: Sie machten 30,5 Prozent aller Krankschreibungen aus. Das dürfte nicht zuletzt auf die starke Grippe- und Erkältungssaison zurückzuführen sein.
Betrachtet man hingegen die Fehltage, führen Erkrankungen des Bewegungsapparats mit einem Anteil von 18,9 Prozent – gefolgt von Atemwegserkrankungen (17,2 Prozent) und psychischen Erkrankungen (11,9 Prozent). Insbesondere Langzeiterkrankungen spielen dabei eine große Rolle: Sie machen zwar nur 2,7 Prozent der Fälle aus, verursachen jedoch rund ein Drittel aller Fehltage. Das zeige, wie stark chronisch Kranke die Bilanz beeinflussen, so die AOK.
Zu dem Jahresbericht sagt der Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen, Sven Busch: „Der Bericht zeigt, dass die Gesundheit der Beschäftigten für viele Unternehmen ein entscheidender Faktor bleibt.“ Für die Krankenkasse mit dem mit Abstand höchsten Marktanteil von über 40 Prozent bilde der Bericht die Grundlage aller Angebote an Firmen. Busch: „Wir betreuen derzeit 370 Betriebe, die Hälfte davon sogar intensiv mit an die 1000 Einzelmaßnahmen.“ Im Jahr 2024 hätte die Kasse 150 Einzelberichte erstellt mit konkreten Vorschlägen zur betrieblichen Gesundheitsförderung.
Der Bericht zeigt auch: Der Krankenstand steigt mit dem Alter. Besonders deutlich ist der Sprung bei Beschäftigten ab 50. In der Altersgruppe 60 bis 64 liegt der Krankenstand bei Männern bei 8,8 Prozent – bei Frauen bei 8,3 Prozent. Jüngere Altersgruppen unter 30 liegen stabil unter fünf Prozent. Im Vergleich zu anderen baden-württembergischen Landkreisen befindet sich Böblingen mit seinen 5,5 Prozent im Mittelfeld. Deutlich höhere Krankenstände verzeichnen etwa der Enzkreis, Mannheim oder der Neckar-Odenwald-Kreis – teils mit Werten über 6,5 Prozent.