Taschentücher gehören in diesen Tagen zu den wichtigsten Utensilien: Überall wird derzeit gehustet und geschnieft. Foto: picture alliance/dpa Foto:  

Grippe, Corona, Erkältung oder Norovirus: Im Landkreis Göppingen sind derzeit viele Erreger in Umlauf. Schulklassen und Belegschaften sind ausgedünnt, die Arztpraxen voll.

Überall wird seit Wochen gehustet und geschnieft. Reihenweise fallen Mitarbeitende aus, auch viele Kinder liegen flach. Winterzeit ist eben Virenzeit. Vor allem rollt die Influenza-Welle durch den Landkreis, und das schon ziemlich lange: „Die Grippesaison hat dieses Jahr ungewöhnlich früh begonnen, vor allem wegen der in dieser Saison neu aufgetretenen Influenza-A-Variante“, teilt Clarissa Weber, Pressesprecherin im Göppinger Landratsamt, mit. ​

 

Hinweise, dass die Grippe heftiger verläuft als in den vergangenen Jahren, hat das zuständige Gesundheitsamt aber nicht. Durch Befragungen von erkrankten Menschen ergebe sich ein gemischtes Bild: „Manche Personen berichten von für Influenza typischen Symptomen wie Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen und Fieber. Bei einigen befragten Personen war der Verlauf so stark, dass eine Behandlung im Krankenhaus notwendig wurde. Diese schweren Verläufe haben häufig besonders junge und besonders alte Personen betroffen.“

Patienten müssen mit längeren Wartezeiten rechnen

Letzteres spürt das Alb-Fils-Klinikum deutlich: Die Notaufnahme arbeitet wegen der Infektionswelle am Anschlag, Patienten müssen mit längeren Wartezeiten rechnen. Bei den Erwachsenen handelt es sich meist um Infekte mit dem Influenza-A-Virus oder dem Norovirus, teilt Susanne Stiltz, Pressesprecherin des Klinikums, auf Anfrage mit. Eine Häufung von Infektionen mit dem Covid-Erreger sei bereits rückläufig. „Alle Infektionen treten in dieser Saison einige Wochen früher und simultan beziehungsweise dicht nacheinander auf, dies sorgt für eine sehr dynamische Infektionslage“, erklärt Stiltz. Patienten, die stationär aufgenommen werden, werden routinemäßig auf die aktuell auftretenden Erreger getestet und gegebenenfalls zum Schutz anderer Patienten in Kohorten zusammengelegt.​

Auf der Kinderstation treten ambulant wie stationär hauptsächlich Influenza-A-Infektionen auf, vereinzelt auch mit Corona-Erregern. Sofern eine stationäre Aufnahme notwendig ist, zum Beispiel bei anhaltendem Fieber oder bei Trinkverweigerung, können die Kinder meist innerhalb weniger Tage wieder entlassen werden. Andere Infekte, wie zum Beispiel RSV, spielten in der aktuellen Infektwelle keine große Rolle.

Starke Parallelzirkulation von Covid- und Influenzaviren

Marc Lux, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Göppingen, gibt einen Einblick in den hausärztlichen Bereich: Auch er berichtet von vielen Infekten der oberen Atemwege – „wie üblich nach den Feiertagen und zu dieser Jahreszeit“. Covid spiele aktuell keine große Rolle, vielmehr stellten sich Patienten mit einer Grippe beim Arzt vor. Laut Landratsamt sei aber Corona auch in diesem Winter von Bedeutung. Von den Meldezahlen habe die Erkrankungswelle im Landkreis schon früher begonnen. Seit Ende November gebe es eine starke Parallelzirkulation von Covid- und Influenzaviren in der Bevölkerung. Aktuell dominiere eher Influenza im Vergleich zu Corona.

Die Grippe-Welle hat in diesem Jahr laut Robert Koch-Institut (RKI) offiziell deutschlandweit Ende November in der Kalenderwoche (KW) 48 begonnen. „In Göppingen hatten wir den ersten Fall in der KW 39“, teilt Clarissa Weber mit. Bis zur KW 47 wurden dem Gesundheitsamt jeweils ein bis zwei Fälle pro Woche gemeldet, danach seien die Meldungen sprunghaft angestiegen, vor allem zum Beginn des Jahres. In Summe gab es bis Donnerstag voriger Woche für den Kreis 154 Meldungen für die Influenzasaison, jedoch sei nur ein Teil tatsächlich durch ein Labor bestätigt und werde auch gemeldet. „Daher spiegeln die Zahlen nur eine Tendenz wider. Die Dunkelziffer ist daher sehr hoch.“

Ein Impfung lohnt sich auch jetzt noch

Schutz
„Es lohnt sich auf jeden Fall, sich noch impfen zu lassen, da in den nächsten Wochen immer noch von einer hohen Viruszirkulation auszugehen ist“, empfiehlt das Göppinger Gesundheitsamt. Die Wirkung der Grippe-Impfung setze nach etwa 10 bis 14 Tagen ein und reduziere das Risiko des Einzelnen, schwer zu erkranken oder stationär im Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen.​

Empfehlung
In Baden-Württemberg wird die Grippe-Impfung allen Bürgerinnen und Bürgern empfohlen, nicht nur den klassischen Risikogruppen, wie oftmals angenommen wird: Nach Angaben des Sozialministeriums ist die Influenza-Impfung für alle ohne Einschränkung im Rahmen der Zulassung empfohlen und kann von allen genutzt werden, wobei die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlungen übernehmen.