Der Hilfsbedarf darf nicht nur von außen definiert werden, sondern auch vom Menschen selbst. Foto: Isabelle Müller

Der Evangelische Krankenpflegeverein hilft Pflegebedürftigen und hat die Zukunft fest im Blick.

Möhringen - Im Jahr 1990 war der Krankenpflegeverein mit insgesamt 1429 Mitgliedern nach eigenen Angaben der größte Verein Möhringens. Heute steht laut dem Vereinsvorsitzenden Ernst-Martin Lieb nur die Sportvereinigung Möhringen über ihm. Wie sich der Verein in Zukunft entwickeln soll, ist eine Frage, die Lieb tatkräftig angeht. „Unser Ziel ist es, verstärkt die jüngeren Generationen ansprechen,“ sagt der geschäftsführende Pfarrer der Kirchengemeinde Möhringen. Eine Idee hierfür sei, nicht nur die Diakoniestation Möhringen-Sonnenberg-Fasanenhof finanziell zu unterstützen, sondern auch Familien, die an der Armutsgrenze leben.

In der Mitgliederversammlung des Vereins meldet sich eine ältere Frau: „Die jungen Leute fragen immer: Was bringt es mir, in den Pflegeverein einzutreten?“ Pfarrer Lieb zögert nicht mit seiner Antwort: „Viel wichtiger als die Frage, was ich selbst davon habe, ist die Antwort, dass alle etwas davon haben.“ Die Mitglieder zahlen pro Jahr einen Beitrag von 20 Euro. „Dies ist ein wirklich geringer Aufwand für das gute Gefühl, füreinander da zu sein,“ sagt Lieb. Daneben erhalten die Mitglieder einen Nachlass auf Pflegeleistungen.

Die Diakoniestation wird unterstützt

Der Krankenpflegeverein sieht sich als Solidargemeinschaft. Jedes Jahr bezuschusst er die Diakoniestation mit rund 25 000 Euro, die sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden sowie Vermögenszinsen zusammensetzen. Dort setzen es die Mitarbeiter im sogenannten diakonischen Modul bedarfsgerecht ein. „Eine Sozialstation braucht mehr als die festgesetzten Gelder der Gesundheitskassen,“ erläutert Lieb. Die von den Gesundheitskassen zugeteilte seelsorgerische und praktische Hilfe sei oft nicht ausreichend. „Manchmal müssen die Pfleger kurzfristig handeln oder brauchen für ihre Gespräche länger als vorgeschrieben“, sagt Lieb, „das sind Kosten und Zeit, die ermöglicht werden müssen.“

Nicht jeder teilt diese Ansichten. Die Auflösung des Ökumenischen Krankenpflegevereins Fasanenhof im Jahr 2010 hatte für einigen Wirbel gesorgt. Zum Zeitpunkt seiner Auflösung hatte der Verein rund 600 Mitglieder. Etwa 200 von ihnen sind mittlerweile zum Evangelischen Krankenpflegeverein Möhringen-Fasanenhof gewechselt, der seitdem den Zusatz Fasanenhof im Namen trägt. Auch der ehemalige Vorsitzende Jürgen Spohn, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Fasanenhof, hat als heutiger stellvertretender Vorsitzender seinen Platz im Krankenpflegeverein Möhringen-Fasanenhof gefunden. Spohn sagt: „Die Eingliederung ist uns gut gelungen.“

Auch für Nicht-Kirchenmitglieder offen

Ursache für die Vereinsauflösung war, dass einer der beiden sogenannten Gewährsträger, die katholische Kirchengemeinde, gekündigt hatte. Die Kündigung begründete die Gemeinde damit, dass es seit Beginn des Jahres 2010 eine katholische Gesamtkirchengemeinde gibt, welche die möglichen Verluste der Sozialstation auffängt. Die Geschäftsgrundlage für den Verein sei daher nicht mehr gegeben. Der Hilfebedarf darf nicht von außen allein definiert werden, sondern auch vom Menschen selbst“, sagt Pfarrer Lieb. „Im Mittelpunkt der Mensch“ lautet demnach das Motto des Vereins, der auch Nicht-Kirchenmitgliedern offen steht. Etwas mehr als die Hälfte der Mitglieder des Krankenpflegevereins ist evangelisch.

Um gemeinsam noch stärker zu sein, denkt der Verein über eine Fusion mit dem Krankenpflegeverein Sonnenberg nach. Die Verhandlungen mit dem Vorsitzenden Pfarrer Johannes Bröckel haben bereits begonnen. Ein erster Entwurf der neuen Satzung soll im Herbst zur Diskussion stehen. Eine Fusion auf Stadtbezirksgröße wäre zum Juni 2013 möglich.

Neuer Name

Zudem wird über eine Namensänderung nachgedacht. „Möglicherweise ist der Name ‚Diakonieverein Möhringen-Sonnenberg-Fasanenhof‘ treffender und moderner,“ meint Lieb. Einen Favoriten gibt es allerdings noch nicht. Die Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt der Krankenpflegeverein bewusst an.

Als „zukunftsfähiges Modell“, bezeichnet Lieb den Krankenpflegeverein: „Im Moment leben die meisten Menschen für sich.“ Dem wolle der Verein wegweisend entgegenwirken: „Denn ohne ein Mit- und Füreinander hat unsere Gesellschaft keine Zukunft.“

EVANGELISCHER KRANKENPFLEGEVEREIN

Anschrift: Oberdorfstraße 12, 70567 Stuttgart

Telefonnummer: 71 15 10

Mail-Adresse: kpv@ev-kirche-moehringen.de

Homepage: www.ev-kirche-moehringen.de/kpv

Vorsitzender: Pfarrer Ernst-Martin Lieb

Gründungsjahr: 1955

Mitgliederzahl: 1284

Stuttgart aktiv

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