Platz ist vorhanden: Baut die Kliniken-GmbH eine neue Belegklinik neben dem Krankenhaus in Marbach? Foto: Kuhnle

An diesem Dienstag wird das Gutachten zur Zukunft des Marbacher Krankenhauses vorgestellt. Vorab ist bereits durchgesickert, dass der Standort zur Belegklinik für niedergelassene Ärzte werden soll. Ein Neubau gilt als wahrscheinlich.

Marbach - Die Geheimhaltungsstufe ist hoch. Egal, welchen Amtsinhaber man fragt: zur Zukunft des kleinen Krankenhauses in Marbach wollen sich weder der Landrat Rainer Haas als Aufsichtsratschef der Klinikengesellschaft noch der Marbacher Bürgermeister Jan Trost geschweige denn der Kliniken-Chef Jörg Martin äußern. Alle verweisen auf den Termin an diesem Dienstag, 22. März: Von 17 Uhr an soll das Gutachten öffentlich präsentiert werden, das den künftigen Weg für das 80-Betten-Haus weisen soll.

Gleichwohl: unserer Zeitung wurden vorab bereits einige Eckpunkte des Papiers bekannt. Der wichtigste Baustein im Zukunftskonzept ist der Umbau des defizitären Vollkrankenhauses in eine Belegklinik. Eine Handvoll niedergelassene Ärzte – die Rede ist von sieben bis zehn – könnten das Haus demnach künftig für Operationen nutzen, ihre Patienten würden danach noch stationär im Krankenhaus versorgt. Rund 40 Betten sollen dem Haus nach diesem Konzept erhalten bleiben.

Stuttgart ist eines der Vorbilder

Als eines der Vorbilder dürfte die Klinik Charlottenhaus in Stuttgart dienen. Das Haus hat 40 Betten, ist auf Geburtshilfe und plastische Chirurgie spezialisiert und wird ebenfalls von niedergelassenen Ärzten genutzt. Seit 2006 gehört es zum Robert-Bosch-Krankenhaus. Eine solche Kooperation zwischen einem Klinikkonzern und Fachärzten gilt in Fachkreisen als Erfolgsmodell. Für die Klinikengesellschaft des Landkreises hätte das den Vorteil, dass der allergrößte Teil der laufenden (Personal-)Kosten für ein Vollkrankenhaus drastisch heruntergefahren werden kann.

Auch intern hat das Klinikmanagement mit Belegmodellen bereits gute Erfahrungen gemacht. So gibt es etwa drei Ludwigsburger Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, die am Klinikum Belegbetten nutzen. Zudem gibt es bereist seit mehr als 15 Jahren am Krankenhaus Marbach eine Belegklinik für Chirurgie, betrieben von drei niedergelassenen Fachärzten. Dieses Modell könnte die Basis für den Umbau des Krankenhauses sein. Das Angebot soll bei Marbacher Fachärzten auf großes Interesse gestoßen sein.

Schrumpfkur weit weniger drastisch als befürchtet

Damit könnte die Schrumpfkur des Krankenhauses wohl deutlich weniger drastisch ausfallen als viele es befürchtet hatten. Erst kürzlich hat das kleine, ebenfalls defizitäre Krankenhaus Vaihingen in seiner erheblich gestutzten Version seinen Betrieb aufgenommen. In der Tagesklinik gibt es nur noch rund ein Dutzend Betten, sie gehört zum Krankenhaus Bietigheim und schließt um 18 Uhr ihre Pforten.

Anders sind die Pläne für Marbach. Zumindest ein Anästhesist, heißt es, werde im 24-Stunden-Betrieb weiterhin zur Versorgung der Patienten benötigt. Möglicherweise wird das Haus an das Klinikum Ludwigsburg angedockt. Eine Innere Abteilung wird es dort aber künftig ebenso wenig geben wie eine Notaufnahme in der Nacht.

Wird das freie Gelände neu bebaut?

Dem Wunsch der Stadt Marbach, einen Neubau für das Krankenhaus als Option zu berücksichtigen, hat der Gutachter der Kliniken-GmbH offenbar entsprochen. So könnte die Belegklinik mit 40 Betten möglicherweise auf dem Gelände unmittelbar oberhalb der alten Klinik entstehen. Das dürfte billiger sein als eine Sanierung des maroden Gebäudes. Das Gelände wurde von der Stadt freigehalten und gehört bereits großteils der Klinikengesellschaft.

Klar scheint aber auch: der Schwerpunkt auf der Altersmedizin, der von vielen als Standortgarantie für Marbach gesehen wurde, wird nicht bleiben. Die Geriatrie wird wohl – das hatte der Landrat Rainer Haas bereits Ende 2015 angedeutet – nach Bietigheim verlagert. Dort gilt das medizinische Spektrum als größer. Ausreichend Platz ist auch vorhanden, weil eine Tiefgarage nicht mehr genutzt wird.

Bei der öffentlichen Sitzung des Aufsichtsrats, die in der Markgröninger Klinik stattfindet, wird mit vielen Zuhörern gerechnet. Der Marbacher Bürgermeister hatte die Menschen aus Marbach und Umgebung gebeten, zahlreich zu erscheinen.

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