Chefarzt Michael Beier zieht ein positives Fazit: Der Start der neuen Aufnahmestation der Zentralen Notaufnahme habe „verdammt gut“ funktioniert. Foto: Simon Granville

Seit Kurzem ist in der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Leonberg eine Aufnahmestation in Betrieb. Warum die sechs zusätzlichen Betten ein „Game-Changer“ sind, erklärt der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme Leonberg.

Für Michael Beier, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Krankenhaus Leonberg, ist die neue Aufnahmestation nicht weniger als ein „Game-Changer“. Denn die sechs Betten, die in diesem Raum stehen, sollen die Patientensteuerung und die Versorgung der Kranken wesentlich verbessern. In der Aufnahmestation werden Patienten für maximal 24 Stunden stationär betreut und umfassend überwacht, bevor sie entlassen oder auf eine andere Station verlegt werden

 

Ein solches Konzept ist für den Standort Leonberg als Krankenhaus der Basisnotfallversorgung ein Kann – kein Muss. Im Gegensatz zu höher gestuften Kliniken ist man hier nicht dazu verpflichtet, eine solche Station anzubieten. „Wir dürften ohne, wollen aber nicht ohne“, betont Beier.

Mehr Betten für die Überwachung

Denn die neue Aufnahmestation birgt viele Vorteile, die sie zu dem „Game-Changer“ macht, von dem er spricht. Einer davon: „Wir können Überwachung in einem viel größeren Umfang gewährleisten. Wir haben plus sechs Betten, die wir vorher nicht hatten.“ Die Aufnahmestation hat mehr Möglichkeiten zur Überwachung als eine normale Bettenstation. An jedem Bett gibt es einen Monitor, über den sich unter anderem Sauerstoffsättigung und Blutdruck beobachten lassen. Außerdem können Patienten mit einer speziellen Sauerstofftherapie versorgt und der Blutdruck invasiv über die Schlagader gemessen werden – eine Messmethode, die man sonst nur auf der Intensivstation nutzt.

Die Plätze werden unter anderem für Patienten genutzt, die stationär überwacht werden müssen, aber voraussichtlich schnell entlassen werden. Als Beispiel nennt Beier Menschen mit einer Gehirnerschütterung. Diese Situation lasse sich auf der Aufnahmestation besser abwickeln als auf einer normalen Bettenstation. Denn dort werden Patienten aufgenommen, die voraussichtlich ein paar Tage bleiben.

Außerdem werden dort Menschen betreut, die Überwachung brauchen und bei denen noch geklärt werden muss, wie lange sie stationär bleiben. Bei beiden Patientengruppen spart man sich so die aufwendige Verlegung auf die Bettenstation, sie bekommen aber trotzdem den stationären Komfort, so der Chefarzt.

Aufnahmestation entlastet Intensivstation und Notaufnahme

Ein weiterer großer Vorteil: Mit den zusätzlichen Plätzen können auch Intensivpatienten betreut werden, die Überwachung brauchen. Atemwegsschwellungen seien beispielsweise Fälle, die sich meist auch auf der Aufnahmestation behandeln ließen, so der Chefarzt. Das entlastet die Intensivstation – denn ihre Behandlungsplätze sind wertvoll. Zwölf Betten hat das Krankenhaus dort, nur acht kann es derzeit betreiben. Denn es mangelt wie in allen deutschen Krankenhäusern an Personal. Eigentlich ständig sind die Kapazitäten in Leonberg knapp und viele Patienten müssen in andere Häuser verlegt werden, erzählt der Chefarzt. Durch die Aufnahmestation gibt es jetzt mehr Behandlungsplätze für kritisch kranke Menschen. „Wir können auf dieser Station die Menschen, die wir bisher nicht betreuen konnten, versorgen“, schildert Beier.

Gleichzeitig schafft die neue Aufnahmestation ein wenig Entlastung in der Notaufnahme. Diese ist in Leonberg – wie überall – stark strapaziert. Die Zahl der Patienten, die ihren Weg in die ZNA finden, hat in den vergangenen Jahren laut dem Chefarzt stark zugelegt. Im Jahr 2023 benötigten 27 840 Menschen die Hilfe seines Teams, 800 mehr als noch im Vorjahr. „Wir merken mindestens einmal am Tag, dass wir sehr belastet sind.“ 13 Behandlungsplätze hat die ZNA für den wachsenden Andrang zur Verfügung und auch hier fehlt Personal. Wenn die Notaufnahme sehr voll ist, kann das Team jetzt Patienten in die Aufnahmestation verschieben, die stationär aufgenommen werden sollen, aber bei denen zum Beispiel noch ein Ultraschall dafür fehlt.

In Betrieb ist die Aufnahmestation erst seit drei Wochen. Geplant und gebaut wurde sie aber schon während der Modernisierung der ZNA, die im Zuge der Krankenhaussanierung durchgeführt wurde und 5,5 Millionen Euro kostete. Vor drei Jahren ging das moderne interdisziplinäre Erstversorgungszentrum mit neuer Krankenwagenhalle in Betrieb. Um die Aufnahmestation zu betreiben, fehlten jedoch die nötigen Fachkräfte. „Wir mussten anfangs das Personal der ZNA auffüllen“, betont Beier.

Noch kein durchgehender 24-Stunden-Betrieb

Inzwischen habe man das Team zusammen bekommen, um die Aufnahmestation zu eröffnen. Für einen täglichen Rund-um-die-Uhr-Betrieb reicht es allerdings noch nicht. Bisher können die Patienten von Montag bis Mittwoch dort betreut werden. Die Klinik hat sich bewusst für diese Variante entschieden, anstatt die Station täglich, dafür aber nicht rund um die Uhr zu betreiben. Dann müsste man jeden Tag auf einen Schlag die Betten leerbekommen und Patienten ins Haus verlegen, betont Beier. Für eine Klinik, die in der Regel voll ist, ist das laut dem Chefarzt keine Lösung. Man würde so nur für Frust bei Personal und den Kranken sorgen. „Eine gute Lösung ist dagegen, die Station so lange wie möglich am Stück aufzumachen und dann an einem Tag zu sagen, wir machen zu und übergeben jetzt die Patienten.“

Beiers Fazit für die ersten Tage der neuen Station: Es habe bisher „verdammt gut funktioniert“, auch weil das ganze Team an einem Strang ziehe. Jetzt liege der Fokus darauf, den 24-Stunden-Betrieb in Zukunft durchgehend zu gewährleisten.