Selbst die Skulptur am Haupteingang des Leonberger Krankenhauses schaut eher skeptisch. Foto: Simon Granville

Ein Insider berichtet vom offenbar unwürdigen Umgang mit unliebsamen Personal und einer „miserablen Stimmung“. Was wird aus dem Klinikstandort Leonberg?

Der Mann wird direkt am Arbeitsplatz gestellt. Sicherheitskräfte führen ihn ab, unter den Augen seiner Kollegen. Was wie eine Szene aus einem zweitklassigen Krimi klingt, soll sich so im Krankenhaus in Leonberg abgespielt haben. Doch handelt es sich nicht um einen Verbrecher, der auf frischer Tat ertappt wird, sondern um den Chefarzt der Anästhesie, dessen Wirken im OP auf diese Art und Weise offenkundig abrupt beendet wurde.

 

Informiert über die würdelose Szene hat ein intimer wie langjähriger Kenner der kommunalen Krankenhauslandschaft den Landrat Roland Bernhard bereits Ende April. Nachdem er vom Chef der Kreisverwaltung offenbar keine befriedigende Antwort bekommen hat, ist der Informant jetzt auf unsere Zeitung herangetreten.

„Der Zustand des Hauses“, so teilt der erfahrene Insider mit, „ist mittlerweile katastrophal, die Stimmung miserabel.“ Entsprechend gebe es weniger Patienten. Das Defizit würde größer. „Ich gehe davon aus, dass das Ganze Methode hat“, um das Aus der Klinik herbeizuführen. Politischen Widerstand gebe es de facto nicht: „Die Leonberger Stadtspitze versagt, die Kreisräte aus dem Altkreis schlafen.“

Erwartungen im Krankenhaus Leonberg nicht erfüllt

Tatsächlich war der geschasste Chefanästhesist erst im August 2024 mit vielen Vorschusslorbeeren in Leonberg vorgestellt worden. Dennoch habe er die Erwartungen nicht erfüllt, bestätigte der Klinikverbund Südwest auf Nachfrage unserer Zeitung Anfang April die Beendigung des kurzen Arbeitsverhältnisses, um in einem Atemzug mitzuteilen, dass es nun im nördlichsten Krankenhaus des Verbundes keinen eigene Narkose-Abteilung mit Chefarzt gibt. Stattdessen wurde die Intensivmedizin in die Notaufnahme eingegliedert.

Manager und Mediziner in einem: Direktor und Chefarzt Michael Beier. Foto: Simon Granville

Deren Chef Michael Beier hat damit nicht nur eine Doppel-, sondern eine Dreifachfunktion. Denn der 51-Jährige ist zudem der Direktor des Krankenhauses, also ein Manager, der vor allem die Zahlen im Auge hat. Baier selbst sieht darin keinen Widerspruch, da er als Mediziner mögliche Synergieansätze aus eigener Anschauung kenne.


Trennung von Darmspezialistin John in Leonberg

Jener Informant, der nicht im Verdacht der Geldverschwendung steht, sieht diese Art der beruflichen Bündelung äußerst kritisch: „Das ist eine Doppelrolle als Kontrollierender und Kontrollierter.“ Baier sei ein „treues Sprachrohr“ des als knallhart geltenden Klinikverbund-Gesamtchefs Alexander Schmidtke. Bei den Mitarbeitern senke das die „Motivation und die Identifikation mit dem Haus und der Aufgabe“, analysiert der Insider.

Barbara John mit einem vom Förderverein gestifteten Spezialgerät. Foto: Granville

Weitaus mehr Aufsehen als die schroffe Trennung vom Chef-Anästhesisten hatte kurz zuvor der Abgang von Barbara John erzeugt. In fast zehn Jahren hatte die renommierte Darmspezialistin aus dem Leonberger Krankenhaus eine Anlaufstelle für Patienten aus halb Deutschland gemacht. Dennoch war sie im Februar plötzlich verschwunden. Publik wurde die Trennung erst im April, ohne dass Gründe genannt wurden. Die Chefärztin der Inneren Klinik wurde zwar nicht abgeführt wie ihr Kollege. Gleichwohl durfte sie ihr Dienstzimmer nicht mehr betreten und musste ihre Unterlagen im Keller sichten. Jüngeres Personal, das sich anbot, ihr beim Tragen zu helfen, bekam dies offenbar untersagt.

Patienten starten Petition für Leonberg

Der Klinikverbund hatte seinerzeit erklärt, dass es trotz des Weggangs zu keinen Beeinträchtigungen komme. Zahlreiche Patienten, die sich bei unserer Zeitung gemeldet haben, berichten indes von kurzfristig abgesagten Terminen und fehlenden Ansprechpartnern. Die Patientin Jasmin Hilger hat eine Petition mit zwischenzeitlich mehr als 600 Unterschriften initiiert. Johns Position, so haben Roland Bernhard als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Geschäftsführer Alexander Schmidtke versichert, werde im Herbst wiederbesetzt.

Unruhe herrscht nach wie vor zudem in der Gynäkologie des Leonberger Krankenhauses, die spätestens dann geschlossen werden soll, wenn die neue Flugfeldklinik bei Böblingen in Betrieb geht. Dies würde auch das Ende der hebammengeführten Geburtshilfe bedeuten, die sich bei vielen Müttern in der Region großer Beliebtheit erfreut.

Die Leonberger CDU hatte erst jüngst kritisiert, dass von einer qualitativ hochwertigen Sanierung des Leonberger Krankenhauses keine Rede mehr sei. Auch ein Campus mit etlichen Einrichtungen aus der Gesundheitsbranche sei vom Tisch. Ein Standortbekenntnis, so wie es der langjährige Chef der Kreistagsfraktion Helmut Noë und der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander vom Landrat und dem Klinikverbund fordern, ist bisher ausgeblieben.