Für das Leonberger Personal soll es „spürbar anders“ werden. Nähe und Ansprache sind im werdenden Klinikbetrieb ein echtes Alleinstellungsmerkmal, meint Thomas K. Slotwinski.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses Leonberg erhielten jüngst Weihnachtskarten der besonderen Art: Die Grüße zum Fest waren überschrieben mit Sätzen wie „Weil Anerkennung das schönste Geschenk ist“ oder „Weil Lob kein Geheimnis bleiben sollte“. Dazu gab es ein Anschreiben, in der der Belegschaft für ihre „wertvolle Arbeit“ gedankt und versichert wurde, dass „jeder einzelne von Ihnen sehr wichtig“ ist.
Verbunden waren die Dankesworte mit der Ankündigung, dass das neue Jahr „spürbar anders“ werden solle, was nicht bedeute, „alles komplett neu“ zu machen. Vielmehr sollten in einem „sich wandelnden Arbeitsalltag Informationen schneller geteilt und das sichtbar gemacht werden, was unser Team besonders ausmacht“. In einem monatlichen Newsletter werden die Mitarbeiter künftig „kompakt über wichtige Entwicklungen, aktuelle Projekte, neue Abläufe und Themen aus allen Bereichen unseres Krankenhauses“ informiert.
Das Krankenhaus Herrenberg ist ein mahnendes Beispiel
Mit dieser Initiative reagiert der Krankenhaus-Direktor Michael Beier auf eine ungute Gemengelage, die sich im vergangenen Jahr zugespitzt hat. Die Zukunftsängste sind größer geworden. Die Zusicherung, die Klinik behalte ihren Status als Haus der Grund-und Regelversorgung, hat angesichts immer neuer Kostendiskussionen, vor allem verursacht durch das Beinahe-Milliarden-Projekt Flugfeldklinik, an Überzeugungskraft verloren. Der Niedergang des Krankenhauses in Herrenberg ist ein mahnendes Beispiel.
Die freiwilligen wie unfreiwilligen Abgänge profilierter Chefärzte tun ihr Übriges. Sie erhöhen vor allem die Befürchtung, dass die betroffenen Abteilungen sukzessive heruntergefahren werden. Die hebammengeführte Geburtshilfe, um nur ein Beispiel zu nennen, könnte ein Aushängeschild für Leonberg sein. Doch der Plan, dass die komplette Gynäkologie in wenigen Jahren von der Flugfeldklinik geschluckt wird, schreckt schon jetzt werdende Mütter ab.
Dass in dieser fragilen Situation nicht nur die Patienten, sondern gerade das Personal verunsichert ist, liegt auf der Hand. Michael Beier, der vor einem Jahr seinen Einsatzort als Chefarzt in der Zentralen Notaufnahme weitgehend mit dem Schreibtisch des Krankenhausdirektors getauscht hat, versucht seither, die Stimmung im Haus aufzuhellen.
Der Kritik, dass die Kombination Arzt und Zahlenmensch nicht passe, begegnet er mit dem Hinweis, das gerade er die Kosten fachlich sehr viel besser beurteilen könne. Das überzeugt nicht jeden, gleichwohl muss man dem Akutmediziner bescheinigen, dass er neue Wege beschreitet, um Strukturen positiv zu verändern. Die weihnachtliche Wertschätzungsaktion gehört dazu.
Wenn in Leonberg die Vorzüge eines kleines Hauses – Zuwendung, Nähe, persönliche Ansprache – zum Tragen kommen sollen, wird entscheidend sein, dass Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte auch die Zeit dafür haben. Das wiederum geht nur, wenn ausreichend Personal vorhanden ist.
Die Geriatrie ist ein wichtiger Baustein im Krankenhaus-Angebot
Natürlich kommt es vor allem auf das medizinische Angebot an. Die Geriatrie, die der überaus engagiert wirkende Chefarzt Mimoun Azizi aufbauen will, ist ein wichtiger Baustein. Doch ein Krankenhaus besteht aus mehr: In die Innere Klinik, bis vor wenigen Monaten ein Aushängeschild, kehrt zum 1. März Wolfgang Heinz als Chef zurück. Er kennt sich aus und versteht sich nicht als Übergangslösung. Wenn es so kommt, wäre dies ein weiterer Schritt zur Stabilisierung. Genau wie eine Gynäkologie und Geburtshilfe mit persönlicher Ansprache.
In der „Spürbar anders“-Initiative des Krankenhaus-Direktors ist viel von Gemeinsamkeit und „unserem Krankenhaus“ die Rede. Genau mit diesen Eigenschaften kann Leonberg auch bei den Patienten punkten.