Es klingt einfach und wird doch oft unterschätzt: Die Desinfektion der Hände senkt das Risiko einer Infektion. Foto: dpa

Mehr Sicherheit im Medizinbetrieb fordert der Patientenschützer Matthias Schrappe. Um die Klinikinfektionen zu reduzieren, brauche es zusätzliches Personal und Chefs, die sich kümmern.

Stuttgart - Angesichts von schätzungsweise 15 000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland durch Klinikinfektionen verlangt der Mitbegründer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Matthias Schrappe, eine bessere Personalausstattung der Krankenhäuser. Die Politik müsse dafür die finanziellen Weichenstellungen vornehmen. Pflegekräfte, die in Nachtdiensten 30 Patienten zu versorgen haben, könnten grundlegende Hygieneregeln unmöglich einhalten, sagte der Mediziner und Infektiologe unserer Zeitung.

Personal entscheidend für bessere Hygiene

Der frühere ärztliche Direktor und Geschäftsführer zweier Universitätskliniken sprach sich vor dem Internationalen Tag der Patientensicherheit am Montag zudem dafür aus, die Krankenhausleitungen beim Kampf gegen Infektionen stärker als bisher üblich in die Pflicht zu nehmen. Deutschland könne sich ein Beispiel an den USA nehmen. Dort ließen sich Aufsichtsräte von Kliniken regelmäßig über die Infektionszahlen berichten. Häufig würden dort auch persönlich haftende Geschäftsführer für die Patientensicherheit ernannt. Beispielhaft für deutsche Kliniken seien US-Programme zur Vermeidung von Klinikinfektionen.

Auch Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene an der Charite in Berlin, setzt beim Kampf für eine bessere Hygiene auf das Personal. „Die hohe Personalfluktuation und der Einsatz von Leasingkräften auf Stationen sind ein Problem“, sagte sie. Wer Infektionen konsequent vorbeugen wolle, müsse über Defizite im Arbeitsprozess sprechen sowie gemeinsam Lösungen finden und umsetzen. Es reiche nicht, jeden einzelnen im Team zu schulen. Die Schaffung einer „Stationskultur“ im Kampf für eine bessere Hygiene sei aber angesichts der instabilen Personalsituation, die in vielen deutschen Krankenhäusern herrsche, schwierig.

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