Die Leonberger Gemeinderäte sind besorgt um ihr Krankenhaus, Vorwürfe werden laut. Und wie sehen abseits davon die Prognosen für einen neuen Kinderarzt in Leonberg aus?
Allen Beteuerungen zum Trotz: In der Leonberger Kommunalpolitik herrscht ein gerüttelt Maß an Misstrauen, was die Aussagen des Landrats zum Krankenhaus betrifft. „Wir lassen uns nicht mit wohlklingenden Absichtserklärungen aus Böblingen abspeisen. Wir wollen Taten sehen“, erklärte jetzt Oliver Zander im Gemeinderat. „Die CDU hat wiederholt deutlich gemacht, dass in Leonberg zu wenig passiert. Es wird zu wenig, beziehungsweise gar nicht investiert.“
Der Chef der Christdemokraten hat in den vergangenen Monaten häufig massive Befürchtungen geäußert, das traditionsreiche Leonberger Krankenhaus würde vom Klinikverbund bewusst heruntergewirtschaftet. Im Raum steht sein Vorschlag, dass die Stadt das Gebäude für den symbolischen Betrag von einem Euro übernimmt, um auch in Zukunft Handlungsoptionen zu haben. Denn was nach der Fertigstellung der Flugfeldklinik in Böblingen komme, wisse niemand.
Das Krankenhaus in Leonberg steht ebenso im Fokus wie Rettungshubschrauber Christoph 41
Nicht allein ums Krankenhaus, sondern auch um den unmittelbar angrenzenden Standort für den Rettungshubschrauber Christoph 41 geht es Axel Röckle. Denn der soll trotz Kosten von mehr als 30 Millionen Euro auf Beschluss der grün-schwarzen Landesregierung nach Tübingen verlegt werden.
Der Chef der Leonberger Freien Wähler will die Standortdebatte nach der Landtagswahl im März 2026 mit den anderen Ratsfraktion neu aufrollen, kündigte er bei den sogenannten kommunalpolitischen Erklärungen im Gemeinderat an. Die „Lippenbekenntnisse des Landrats helfen nicht weiter“, kommentierte Röckle die von Roland Bernhard mündlich gegebene Standortgarantie.
Kontrovers diskutiert wird auch die Möglichkeit, in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), also eine Art besonders gut ausgestattetes Ärztehaus, und einen Gesundheitscampus mit Medizineinrichtungen einzurichten. Ottmar Pfitzenmaier sieht hierin keine Konkurrenz zum Krankenhaus. „Es geht auch nicht darum, in der Innenstadt bereits niedergelassene Ärzte umzusiedeln“, erklärte der SPD-Fraktionschef. „Ziel ist, zusätzliche dringend notwendige Fachärzte zu gewinnen.“
Ähnlich sieht es Horst Nebenführ: „Ein in der Nähe angesiedeltes Zentrum niedergelassener Ärzte würde aber die Gesundheitsversorgung verbessern und in Kooperation mit dem Krankenhaus letzteres stärken“, sagte der FDP-Fraktionschef. Mit privaten Investoren für Gebäude und Inventar könnten die Kosten deutlich geringer gehalten werden. Insgesamt, so sagte der Liberale, könnten Kommunen viel Geld sparen, würden sie bei Bauprojekten mit privaten Investoren gemeinsame Sache machen.
„Ein Gesundheitscampus kann viel für die ambulante Versorgung tun“, meinte AfD-Sprecher Thomas Hartung. „Aber eines ist klar: Er ersetzt kein Krankenhaus. Unsere Priorität ist der Erhalt der Klinik – samt Rettungshubschrauber.“ Die Grünen haben sich in ihrer kommunalpolitischen Erklärung zum Krankenhaus nicht geäußert.
Reicht ein Kinderarzt in Leonberg aus?
Bei der Suche nach Fachärzten genießt jene nach einem Kinderarzt einen besonders hohen Stellenwert. Wenn Ende des Jahres in Leonberg ein Kinderarzt altersbedingt aufhört, gibt es in der 50 000-Einwohner-Stadt nur noch eine einzige Praxis. Müssen sich die Stadt im Allgemeinen und der designierte Oberbürgermeister Tobias Degode im Besonderen stärker ins Zeug legen, um einen zusätzlichen Fachmediziner für die kleinen Patienten anzuwerben?
Annette Gaber-Paul von der SALZ-Fraktion warnt vor allzu großem Optimismus: „Tatsächlich entscheidet nicht die Stadt über die Ansiedelung von Ärzten in einem definierten Gebiet, sondern die Kassenärztliche Vereinigung“, informierte die hauptberufliche Ärztin ihre Kollegen. „Und das definierte Gebiet ist nicht diese unsere Stadt, sondern der gesamte Landkreis.“
Nach vorgegeben Kriterien berechne die Kassenärztliche Vereinigung, ob im Kreisgebiet ausreichend Hausärzte, Gastroenterologen, Kardiologen, Neurologen oder eben auch Kinderärzte vorhanden sind. „Nach den aktuellen Zahlen darf sich im Kreis noch genau ein Kinderarzt niederlassen, denn der Versorgungsgrad beträgt 106 Prozent. Ab 111 Prozent wird ein Gebiet für weitere Niederlassungen gesperrt“, erläuterte Gaber-Paul. Es könnte also gut sein, dass Leonberg leer ausginge. Dennoch wollen sich die Medizinerin wie auch die Ratsmitglieder nicht entmutigen lassen.