Krankenhaus-Fibel Krankenhaus ist, wenn man trotzdem lacht

Von Frank Stratmann 

 Foto: fotolia.de
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Macht lachen gesund? Matthias Prehm ist Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie und Botschafter der Stiftung „Humor Hilft Heilen“ von Dr. Eckart von Hirschhausen. Er führt seine eigene Seminarakademie namens „Humorpille“. Für die Sana Kliniken Region Stuttgart hat das Karl-Olga-Krankenhaus mit ihm über Humor im Krankenhaus gesprochen.

Humor im Krankenhaus?

Vielen Dank Herr Prehm, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns über Humor im Krankenhaus zu sprechen. Als Botschafter einer Stiftung sind Sie überzeugt, dass Humor heilt. Gerade im Krankenhaus hat man aber meistens kleinen Grund zu lachen. Warum also Humor im Krankenhaus? Ist das wirklich der richtige Ort dafür?

Matthias Prehm: Wir kennen alle Sprichwörter wie „Lachen ist die beste Medizin“ oder „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Daher ist es gerade im Krankenhaus wichtig, sich den Sinn für Humor zu bewahren. Sei es als Patient oder als Personal. Jeder Mensch hat einen Sinn für Humor, er hat sich nur manchmal unter einer Flut von Hektik, Verantwortung, Stress und Überbelastung versteckt. Humor und Lachen bringt uns ein Stück Normalität in den Alltag zurück.

„Humor kann dazu beitragen, dass man sich als Patient verstanden und gut aufgehoben fühlt“

Sicherlich möchten Patienten, dass man sich um Ihre Diagnose kümmert, aber sie wollen nicht nur diese Diagnose sein. Ich wurde vor einem Jahr selbst operiert. Für einige war ich der Meniskus in Zimmer neun am Fenster, für viele andere war ich Matthias Prehm, Krankenpfleger, Familienvater, Patient und St. Pauli-Fan. Diese komplexe Wahrnehmung meiner Persönlichkeit empfand ich als sehr angenehm. Wo wir lachen können, fühlen wir uns wohl und gerade im Kontakt mit Patienten und Kollegen kann Humor Wunder bewirken.

Wunder ist ein großes Wort. Was leistet Humor konkret, wenn er zwischen Patient und Pflege oder zwischen Arzt und Patient passiert?

Mit Humor kann man wunderbar Situationen auflockern und entspannen. Gerade Patienten sind in der Klinik in einer ungewohnten, manchmal auch in einer existentiellen, bedrohlichen Situation. Wenn man auf einer empathischen und wertschätzenden Ebene mit Patienten kommuniziert, ist es häufig möglich, gezielt mit Humor Spannungen zu reduzieren und Emotionen zu regulieren. Humor leistet dann den wertvollen Beitrag, dass sich Patienten verstanden und gut aufgehoben fühlen. Wo auch mal gelacht wird, fühlt man sich wohl. Wenn ich mit meinem Gegenüber schon einmal gelacht habe, nehme ich ihn als sympathisch war. Humor hilft sehr, eine andere Perspektive auf die Situation aufzuzeigen. Zudem können Stresssituationen leichter bewältigt werden, wenn man sich seinen Sinn für Humor bewahren kann.

Wo liegen denn die Grenzen? Ich kann mir vorstellen, dass es gar nicht so leicht ist, immer den richtigen Ton zu treffen. Jeder Patient oder Kollege ist doch anders. Der ständige Spaßvogel dürfte es da nicht leicht haben?!

Beim gezielten Einsatz von Humor ist es sehr wichtig, ein Gespür für die Situation zu entwickeln. Durch diese achtsame, empathische Grundeinstellung ist es sehr gut möglich, zu merken, passt der humorvolle Spruch jetzt, oder nicht. Es ist zudem sehr wichtig, wie tragfähig meine Beziehung zu meinem Gesprächspartner ist. Daher sollte man erst an einer breiten Basis von Wertschätzung und Empathie arbeiten. Frank Farrelly (Begründer der provokativen Therapie) sagte mal: Wenn du jemanden magst, kannst du ihm alles sagen. Fehlt diese gemeinsame Basis, unterhält man sich nicht „auf Augenhöhe“, kann Humor genau das Gegenteil bewirken. Eva Ullmann (Gründerin vom Deutschen Institut für Humor) arbeitet mit einem bildlichen Vergleich: Humor ist wie ein Messer. Man kann damit sehr sinnvolle Dinge tun: Brot schneiden, sich sein Essen zubereiten. Wenn ich aber nicht aufpasse, kann ich auch schnell mit dem Messer jemanden verletzten. Für mich persönlich ist daher diese gemeinsame Ebene das wichtigste, damit schöner, mitnehmender Humor funktionieren kann.

Was entgegnen Sie denen, die vermuten, dass mit dem Lachen die medizinische Qualität leidet?

Die Qualität leidet in meinen Augen nur dann, wenn beim Einsatz von Humor Zeitpunkt und Dosis nicht stimmen. Angesichts einer bedrohlichen Situation (z.B. Reanimation) ist der Einsatz von Humor sicherlich nicht richtig und wird eher als zynisch und verletzend wahrgenommen. Ich glaube, dass der Einsatz von Humor die medizinische Qualität fördert, Kooperation der Patienten steigert und die vorhandenen Ressourcen (auf beiden Seiten des Bettes) mobilisiert.

„Ich glaube, dass der Einsatz von Humor die medizinische Qualität fördert“

Klingt einleuchtend. Haben Sie ein Rezept für uns? Was braucht ein Krankenhaus, damit es mehr lacht?

Matthias Prehm: Kurz und knapp: gelebte Wertschätzung auf Führungsebene. Wenn alle Mitarbeiter in einer Klinik begreifen, dass sie alle „an einem Boot ziehen“ ist schon viel gewonnen. Wenn jemand mich ein Jahr lang auf dem Flur nicht grüßt, braucht er mir bei der Visite auch keine Witze erzählen. Da denke ich: Mach doch erstmal das, was deine Mutter dir beigebracht hat! Was die Mitarbeiter nicht erfahren, könne sie auch nicht weitergeben. Meiner Meinung nach sollte eine Führungskraft ihre Kollegen hinter sich haben. Und nicht seine VK´s unter sich. Pflegepersonal sind auch keine Köpfe auf einer Station – Köpfe können rollen. Ebenso wenig sind wir Frontpersonal – ich bin doch nicht im Krieg! Ich will nicht jeden Tag kämpfen und hoffen, zu überleben. Ich möchte nur nicht mit 40 Patienten alleine gelassen werden. Dann kann ich auch wieder mit Freude und Spaß im selbstgewählten Beruf das ausstrahlen, was uns allen gut tut: humorvolle Menschen sind glücklich und glückliche Menschen sind humorvoll!

Karl-Olga-Krankenhaus: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Prehm smiley

Das Gespräch führte Frank Stratmann vom Karl-Olga-Krankenhaus. Mehr Informationen erhalten Interessierte unter humorpille.de