In den Räumen des Krankenhauses Bad Cannstatt hat ein Dialysezentrum eröffnet Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das Dialysezentrum der gemeinnützigen Stiftung Patientenheimversorgung eröffnet im Krankenhaus Bad Cannstatt. Immer mehr ältere Patienten sind von Nierenerkrankungen betroffen.

Stuttgart - Nierenkranke Patienten, die in das neue Dialysezentrum der gemeinnützigen Stiftung Patienten-Heimversorgung (PHV) am Krankenhaus Bad Cannstatt kommen, müssen viel Zeit mitbringen. Dreimal die Woche suchen sie das Zentrum auf, um für jeweils vier Stunden ihr Blut reinigen zu lassen. „Wenn die Patienten schon so viel Zeit bei uns verbringen müssen, wollen wir es ihnen so angenehm wie möglich machen“, sagt Zentrumsleiter Wolf-Dieter Ivenz bei der Eröffnung des Zentrums am Montag.

Die für rund eine Million Euro renovierten, hellen Räume im Krankenhaus Bad Cannstatt bieten den Patienten nun 20 Dialyseplätze auf 1000 Quadratmetern. Künftig können dort 40 Patienten pro Tag behandelt werden. Aufgrund des steigenden Bedarfs war es für die PHV nötig geworden, sich nach einem neuen Standort umzuschauen. In den bisherigen Räumen in der Waiblinger Straße in Bad Cannstatt standen den Patienten nur zwölf Plätze zur Verfügung. Fündig wurde die PHV im Krankenhaus Bad Cannstatt, wo nach dem Umzug der Frauenklinik nach Stuttgart-Mitte Räume frei wurden.

Zwar sind die kleinen, offenen Zimmer mit Blick ins Grüne für Dialysezentren eher ungewöhnlich. Doch die räumliche Anbindung an das Krankenhaus war von entscheidender Bedeutung. „Bei unseren Patienten kann es vorkommen, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig wird“, sagt Dr. Thomas Schneider, der gemeinsam mit fünf Kollegen der internistischen Gemeinschaftspraxis Stuttgart-Wolframstraße für die Dialysepatienten zuständig ist. Durch die Zusammenarbeit mit der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten des Klinikums Stuttgart sei eine optimale Versorgung und kürzere Wege für die Patienten möglich.

Das Klinikum bietet im Katharinenhospital 32 Dialyseplätze an. Die PHV hat außer dem Standort in Bad Cannstatt noch drei weitere Standorte in Stuttgart: Das Hauptzentrum in der Innenstadt mit 88 Dialyseplätzen und die Zentren in Dürrlewang (17 Plätze) und Feuerbach (zwölf Plätze). In Bad Cannstatt und in der Stadtmitte sind jeweils Ärzte vor Ort, während an den anderen Standorten Pflegekräfte nach den Patienten schauen. Die PHV versucht den Lebensumständen ihrer Patienten zu entsprechen und bietet Berufstätigen auch an, über Nacht in das Dialysezentrum zu kommen. Andere Patienten haben sogar die Möglichkeit, die Dialyse Zuhause selbst durchzuführen.

Nierenerkrankungen nehmen laut Schneider aufgrund der immer älter werdenden Gesellschaft zu. Laut Schätzungen werde die Zahl der Nierenerkrankten ab dem Jahr 2020 bundesweit steigen. Unter den Versicherten der Krankenkasse AOK liegen die Patienten, die mit einem Nierenversagen in Stuttgarts Kliniken ambulant versorgt werden, bei durchschnittlich 170 Personen im Jahr. Auf eine ambulante Behandlung sind laut der Krankenkasse in Stuttgart rund 2000 Nierenkranke pro Jahr angewiesen.

Das Durchschnittsalter dieser Patienten liegt bei 64 Jahren. Häufige Ursachen sind Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenentzündungen. „Die Zahl der rein nierenkranken Patienten geht zurück, aber wir haben häufiger den Fall von Patienten mit Begleiterkrankungen“, sagt Prof. Christoph Olbricht, Chefarzt an der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten des Klinikums Stuttgart. Wenn Komplikationen bei den Patienten mit Begleiterkrankungen auftreten, können sie von nun an direkt im Krankenhaus behandelt werden.

Mit dem im Juli geplanten Umzug des Zentrums für Altersmedizin vom Bürgerhospital in das Krankenhaus Bad Cannstatt will das Klinikum die Zusammenarbeit noch weiter verbessern.