Aus Angst vor dem Coronavirus greifen viele zum Desinfektionsmittel – und manche stehlen es auch. Foto: Lichtgut/Julian Rettig (Symbolbild)

Desinfektionsmittel sind in vielen Geschäften und Apotheken vergriffen. Das verführt manche Zeitgenossen offenbar dazu, sie unerlaubterweise einzustecken, wo sie der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Stuttgart - Wer dieser Tage als Besucher im Marienhospital seine Hände reinigen will, hat unter Umständen kein Desinfektionsmittel mehr aus den aufgestellten Spendern bekommen. Denn es sei ein Problem aufgrund der aktuell hohen Nachfrage nach den Mitteln wegen des Coronavirus aufgetreten, sagt die Pressesprecherin der Klinik. Die Flaschen seien reihenweise verschwunden, obwohl sie ohne Deckel in die Spender gesteckt waren. Hygieneverrückte Langfinger plünderten auf den Stationen auch die Vorräte der Schutzmasken, die fürs Personal gedacht waren. Diese werden nun weggeschlossen.

Zwei Anzeigen sind schon auf dem Weg

Im Robert-Bosch-Krankenhaus hat man ähnliche Erfahrungen gemacht und ist dazu übergegangen, nur wenig Flüssigkeit in die Spender zu füllen. Sie seien immer extrem schnell leer gewesen, sodass der Verdacht nahe lag, jemand würde sich das Mittel daraus abzapfen. Man wollte aber auf den Service nicht verzichten, schließlich sei Hygiene im Krankenhaus ein sehr wichtiges Thema. Deswegen fülle man die Spender nun lieber häufig mit wenig Desinfektionsmittel auf. Aber nicht nur das Mittel kam im RBK weg, auch Schutzkleidung und Atemmasken fehlten. Diese verschwanden aus einem abgeschlossenen Bereich. Das bringt die Klinikleitung nun als Diebstahl aus der Nacht zum Dienstag zur Anzeige. Bestellungen seien aus dem gleichen Grund nun nur noch über die Vorgesetzten möglich.

Das Stuttgarter Klinikum hat ebenfalls in einem Fall vom vergangenen Wochenende bereits Anzeige wegen Diebstahls erstattet. Die Desinfektionsmittel seien vor allem aus den öffentlich zugänglichen Toiletten verschwunden. Die Mitarbeiter seien sensibilisiert worden, sie sollen Diebstahl melden, wenn er ihnen auffalle.

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Auch der Klinikverbund Südwest mit sechs Häusern in den Landkreisen Böblingen und Calw reagiert und geht wegen ähnlicher Vorfälle zur Polizei: „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt der Pressesprecher Ingo Matheus. „Das Desinfektionsmittel fehlt dann irgendwann im Krankenhaus und wir können unter Umständen Patienten nicht behandeln.“ Man versuche, die Spender nur an gut einsehbaren Stellen zu platzieren Securityleute haben ein Auge darauf.

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