Alexander Gerst ist momentan auf der Internationalen Raumstation im Weltall – und war per Videoschalte beim Konzert von Kraftwerk in Stuttgart dabei. Foto: dpa

Die Düsseldorfer Band Kraftwerk hat bei den Jazz Open ein Konzert auf dem Schlossplatz in Stuttgart gegeben – mit Überraschungsgast Alexander Gerst. Der Astronaut sendete Grüße von der Internationalen Raumstation ISS aus dem All.

Stuttgart - Alles roch nach einem ganz normalen Abendverlauf. Die Düsseldorfer Band Kraftwerk spielte am Freitagabend auf dem Stuttgarter Schlossplatz all die Songs, die sie seit 15 Jahren (eine „Tour de France“-Trilogie im mittleren Teil des Konzerts) oder seit 45 (!) Jahren spielt („Autobahn“ und „Radio-Aktivität“, kurz nach Beginn des Auftritts). Ein feiner ­Nostalgietrip, das Ganze auch noch mit ­3-D-Illumination verziert, was allerdings – die Grenzen der Physik lassen sich nun mal nicht überlisten – erst bei Einbruch der Dunkelheit funktionierte.

Dann jedoch kam Alexander Gerst in das Spiel, unser Mann im All. „Spacelab“, das letzte Lied des Abends, hebt an, der Bildschirm flackert auf, „Guten Abend Kraftwerk, guten Abend Stuttgart“ spricht der live zugeschaltete Astronaut aus knapp vierhundert Kilometern Höhe.

Gerst, von dem wir bis dato gar nicht wussten, dass er auch musisches Talent hat, drückt auf einem Tabletcomputer die Töne in die ­Tasten. Das Lied läuft, und . . . cooler kann man das gar nicht machen: Das Lied eignet sich ganz hervorragend für einen interstellaren Dialog. Selbst dem ­erfahrensten Konzertbesucher stockt da der Atem, das hat jetzt wirklich noch niemand so erlebt. Aber das fügt sich, schließlich ist schon die Formulierung „ganz ­normaler Abendverlauf“ per se eine falsche für eine der prägendsten Bands, die Deutschland überhaupt zu ­bieten hat. Sie macht sich rar, sehr rar sogar, zuletzt sind Kraftwerk auf deutschem Boden vor drei Jahren in der Stuttgarter Liederhalle und wieder einige Jahre davor im ZKM in Karlsruhe aufgetreten.

Klassiker deutscher Avantgarde

Warum das alles so ist, manifestiert sich im Konzertverlauf allerdings deutlich. Da sind die Klassiker der deutschen Avant­garde, da sind „Das Model“ oder „Die ­Roboter“, die im Verlauf des Abends er­klingen, was allein schon erfüllend genug wäre. Aber woran man auch denkt, seien es Disco, Dancefloor, House oder Techno: ­Alles hat gewissermaßen seine Wurzeln bei Kraftwerk, für all das sind sie Vorbilder, all das gäbe es ohne Kraftwerk möglicher­weise nicht.

Das wäre das eine. Wenn man darüber hinaus noch erwarten darf, dass ein Konzertabend über das hinausreicht, was man von der Band schon von Tonträgern kennt: Dann haben Kraftwerk das auf wundersame Weise wieder einmal bei ihrem Auftritt bei den Jazz Open auf dem Schlossplatz perfekt und maßstabsetzend eingelöst.