Die bis zu 12,80 Meter hohen Gestelle für die Lärmschutzwand sind bereits deutlich erkennbar. Bis zur Mitte des Jahres soll der Bau abgeschlossen sein. Foto: ale/Alexander Müller

Im Lindenschulviertel kracht’s – immer noch. Nach eine Sammelklage von Anwohnern soll nun eine 400 Meter lange Lärmschutzwand am Tanklager Stuttgart den Lärm für das Wohngebiet minimieren. Die zehn Millionen Euro teure Maßnahme soll im Sommer abgeschlossen sein.

Untertürkheim - Im Lindenschulviertel kracht’s – sprichwörtlich. Und das immer noch. Bereits vor nunmehr zehn Jahren bestätigte ein Gutachten die Klagen von Anwohnern über zu viel Lärm im Wohngebiet. Im Mittelpunkt des Protestes steht das Tanklager Stuttgart (TLS). Nun soll eine riesige Baumaßnahme für Abhilfe schaffen. Für zehn Millionen Euro wird eine rund 400 Meter lange und bis zu 12,80 Meter hohe Lärmschutzwand gebaut. Zudem wurden die Bahngleise zur Anlieferung verlegt und eine neue Einhausung wurde errichtet. Bis Mitte dieses Jahres soll der Bau abgeschlossen sein.

 

Gutachten bestätigt zu hohe Lärmwerte

Besonders betroffen vom Lärm des Tanklagers im Ölhafen ist das 2005 erstellte Wohngebiet auf dem ehemaligen Prinzing-Areal. Nur wenige Meter vom TLS entfernt, besteht es aus dem Studentenwohnheim mit 500 Plätzen sowie vier Mehrfamilienhäusern mit 55 Wohnungen. Auch in der Türkenstraße und der Straße In der Au ist die Belastung hoch. Bereits bei der Aufstellung des Bebauungsplans habe die Stadt Fehler gemacht, so die Anwohner. Es folgte eine Sammelklage beim Regierungspräsidium Stuttgart, das als untere Emissionsschutzbehörde verantwortlich ist. Tatsächlich bestätigten mehrere Gutachten, dass die nächtliche Belastung mit einem Wert von 49 Dezibel deutlich zu hoch ist. In dem von der Stadt laut Bebauungsplan als Mischgebiet ausgewiesenen Prinzing-Areal gelten Richtwerte von 60 Dezibel tagsüber und 45 Dezibel in der Nacht. Für das reine Wohngebiet im Lindenschulviertel sogar lediglich 50 Dezibel am Tag und 40 Dezibel nachts. Durch Verbesserungen an der Abfüllanlage konnte das drängendste Problem bereits behoben werden: ein dauerhafter Pfeifton. Diese sogenannte Tonität drang selbst durch Wände und hatte vor nunmehr zehn Jahren das Fass zum Überlaufen gebracht. Allerdings ist es damit noch nicht erledigt. Denn nach langen, zähen Verhandlungen hatte das Regierungspräsidium als zuständige Überwachungsbehörde in Absprache mit der Stadt und dem Tanklager-Betreiber im Mai 2019 den Bau einer Lärmschutzwand veranlasst. Seitdem laufen die Arbeiten, „wir sind voll im Zeitplan“, zeigt sich TLS-Geschäftsführer Peter Meyer zufrieden. Das neue Stahlgerüst, an dem die Lärmschutzelemente angebracht werden, steht bereits. Anstatt wie bisher lediglich 80 Meter ist dieses nunmehr rund 400 Meter lang. Und im vorderen Bereich in Richtung der Straße Am Ölhafen, entlang des Verwaltungsgebäudes, ist es bis zu 12,80 Meter hoch, im weiteren Lauf sinkt das Niveau auf 6,50 Meter, wenn die angrenzende Wohnbebauung endet. Die Konstruktion ist mit dicken Trägern ausgestattet, um auch starken Windgeschwindigkeiten trotzen zu können.

Bauwerk ist bis zu 12.80 Meter hoch

Als Voraussetzung wurden die Kesselwagen-Einlieferung und ein Schienengleis verlagert. Das zweite neue Gleis soll im März in Betrieb gehen, sodass die komplette Anlieferung wieder über die Schiene erfolgen kann. Im Zuge des Umbaus wurde ein Teil der Ware bislang auch per Schiff gebracht und per Lastwagen wieder abtransportiert. Negative Auswirkungen musste das TLS durch das fehlende zweite Gleis für das Geschäftsaufkommen nicht hinnehmen. „Vielmehr hat Corona für rund 20 Prozent weniger Umsatz gesorgt“, erklärt Meyer. Bis zum Sommer soll auch die neue Halle für die Kesselwagen fertiggestellt sein. In diesem Bereich werden sich die Schallschutzelemente auf einer Länge von 20 Metern sogar überlappen, um für noch geringere Lärmwerte zu sorgen. Insofern ist Meyer überzeugt, „dass wir die im Genehmigungsverfahren vom Regierungspräsidium festgelegten Richtwerte einhalten und die Lärmbelastung unter den für das Wohngebiet vorgeschriebenen Zahlen liegt“.

Anwohner sind weiterhin skeptisch

Ob die neue Lärmschutzwand auch wirklich den gewünschten Erfolg bringt oder wie von manchen Anwohnern befürchtet, den Gleislärm per Schallreflexionen genau ins Wohngebiet leitet, bleibt allerdings erst einmal abzuwarten.