Foto: Piechowski

Das Aufbäumen der Belegschaft war vergebens. Der Daimler-Vorstand hat sich gegen Sindelfingen als Produktionsstandort der C-Klasse entschieden, weil er sich an den wirtschaftlichen Zwängen orientiert.

Das Aufbäumen der Belegschaft war vergebens. Der Daimler-Vorstand hat sich gegen Sindelfingen als Produktionsstandort der C-Klasse entschieden, weil er sich an den wirtschaftlichen Zwängen orientiert. Die Argumente wiegen schwer. Der Kostenvorteil, den die US-Produktion bringt, ist enorm hoch. Externe Experten behaupten: 400 Millionen Euro pro Jahr. Eine solche Summe wäre in Sindelfingen kaum einzusparen gewesen. Hinzu kommt, dass die C-Klasse im hart umkämpften Mittelklassesegment bestehen muss. Dieser Wettbewerb wird über den Preis und die Kosten entschieden. Viel Spielraum bleibt da nicht.

Glauben Sie, dass die Arbeitsplätze in Sindelfingen sicher sind?

Es lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass sich die Märkte stark verändern werden. In einigen Jahren werden Deutschland und Westeuropa nicht mehr an der Spitze der Absatzliste stehen. China, Indien und die USA werden davonziehen. Wer als Autohersteller dort nicht produziert, wird im weltweiten Wettbewerb verlieren. Auch dies spricht für die Entscheidung des Vorstands.

Und doch: Mit dem Verlagerungsbeschluss schwächt das Management das Herz seines Konzerns - und mit Sindelfingen den Motor einer großen Region. Noch betont der Vorstand, es werden keine Arbeitsplätze bei Daimler verloren gehen. Doch wie er dies bewerkstelligen will, lässt sich nicht nachvollziehen. 100 Autos des Roadsters SL können nicht 660 C-Klasse-Limousinen ersetzen, die in Sindelfingen täglich vom Band laufen. Außerdem erwähnt der Vorstand mit keinem Wort die negativen Auswirkungen auf die Zulieferer in der Region. Nur die großen sind flexibel genug, um sich auf die Veränderung einzustellen. Bei kleinen und mittelständischen Betrieben wird es zum Stellenabbau kommen - mit negativen Folgen für die gesamte Region.

Dass die Mitarbeiter extrem verärgert sind, macht die spontane Arbeitsniederlegung deutlich. Über viele Jahre haben sie Zugeständnis um Zugeständnis gemacht und damit manchen Managementfehler ausgebügelt. Sie mussten für fehlgeschlagene Strategien büßen, wie die des Technologiekonzerns oder des Auto-Weltkonzerns inklusive der gescheiterten Ehe mit Chrysler. Sie haben es auch auszubaden, dass Daimler durch überzogene Sparmaßnahmen technologisch nicht mehr das Maß der Dinge ist. Nun sollen sie wieder bluten. Das haben sie nicht verdient. Der Vorstand muss mehr bieten als ein paar lose Versprechungen.

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