In der Region Stuttgart können Fahrgäste nur an wenigen Haltestationen kostenlos ins Internet. Die Allianz pro Schiene fordert mehr Anstrengungen von Bund und Ländern.
Stuttgart - An den meisten Bahnhöfen in Deutschland müssen Fahrgäste noch ohne WLAN auskommen. Bundesweit gibt es für die Kunden an nur etwas mehr als jeder zehnten Station (zwölf Prozent) der etwa 5400 Bahnhöfe und Haltepunkte einen kostenfreien drahtlosen Internetzugang, wie der Verein Allianz pro Schiene mitteilte.
Die Lage in der Region Stuttgart ist nicht viel besser. Lediglich an sechs Bahnhöfen hat es laut der Pressestelle der Bahn kostenloses WLAN: Ehningen (Kreis Böblingen), Leinfelden (Kreis Esslingen), Ludwigsburg, Plochingen (Kreis Esslingen), Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) und Stuttgart-Bad Cannstatt. Im Stuttgarter Hauptbahnhof gibt es das Angebot momentan nur im S-Bahnhalt und in der DB-Lounge. In ganz Baden-Württemberg kommen 19 weitere Bahnhöfe dazu – darunter auch die Halte in Aalen, Heilbronn, Metzingen, Pforzheim und Tübingen.
Nur 3,6 Prozent der Bahnhöfe in Baden-Württemberg abgedeckt
Nach der Erhebung von Allianz pro Schiene, die auf der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion fußt, gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern: In Hamburg, Schleswig-Holstein und Hessen sind mehr als drei Viertel der Bahnhöfe mit kostenlosem WLAN versorgt, in den meisten anderen Bundesländern liegt der Anteil unter fünf Prozent. Auch in Baden-Württemberg seien es nur 3,6 Prozent. Damit liegt der Südwesten auf dem achten Platz im Mittelfeld des Bundesländer-Rankings – immerhin noch vor Bayern (2,6 Prozent), den östlichen Bundesländern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, aber auch hinter Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Nach Angaben der Bahn gibt es bundesweit mehr als 600 Bahnhöfe mit kostenlosem WLAN, was die Auswertung der Allianz pro Schiene bestätigt. In Baden-Württemberg sind es 25 Bahnhöfe. „Die Deutsche Bahn erweitert das WLAN-Angebot an den Stationen kontinuierlich“, sagt eine Bahn-Sprecherin. Dafür seien seit dem Jahr 2017 mehr als 34 Millionen Euro investiert worden, weitere Investitionen würden folgen.
An vielen Ecken vom WLAN abgeschnitten
Die Allianz pro Schiene, die sich für eine Verbesserung des Schienenverkehrs einsetzt und der Umwelt- und Fahrgastverbände sowie Unternehmen der Branche angehören, fordert ein Bund-Länder-Programm, damit mehr Bahnhöfe rasch WLAN-Zugang anbieten. Der Geschäftsführer des Schienen-Lobbyverbands, Dirk Flege, sieht aber auch die Bundesländer in der Pflicht. „Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind riesig“, sagt er. Die Nachzügler sollten sich ein Beispiel an den Landesregierungen nehmen, die mehr dafür tun. „Die Spitzenreiter Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein zeigen, dass mit dem nötigen politischen Willen der Internetzugang sehr schnell sehr viel besser sein kann als er heute ist.“
Auch in Baden-Württemberg seien die Zugreisenden an viel zu vielen Haltepunkten vom Zugang zum WLAN abgeschnitten, moniert Flege: „Die flächendeckende Ausstattung mit kostenlosem WLAN sollte heutzutage eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein“.
Aus unserem Plus-Angebot: Bahn fährt der Digitaltechnik hinterher
Die Bahn verweist darauf, dass sie in ihrer Fahrzeugflotte verstärkt kostenloses WLAN anbiete. So gebe es den freien Zugang seit dem Jahr 2017 in den ICEs. Momentan werde die Technik auch in die rund 1000 Intercity-Wagen für rund 30 Millionen Euro eingebaut. Von Ende 2021 an soll es im kompletten Fernverkehr kostenloses WLAN geben. Allerdings gibt es darüber auch immer wieder Klagen von Zugreisen wegen abbrechender Verbiodnungen. Auch im Regionalverkehr setzt die DB Regio auf die neue Technologie: So wurde die Stuttgarter S-Bahn-Flotte als erste in Deutschland komplett mit WLAN-Zugang ausgestattet.