Der VVS ist von der Idee des Citymanagers nicht überzeugt. Foto: Lichtgut

Die Stuttgarter City-Initiative hätte gerne am Samstag in Stuttgart einen Nulltarif im ÖPNV. Das könnte auch dem Handel helfen. Die Spitzen im Verkehrsverbund VVS der Region aber sind zurückhaltend. Sie finden, die Millionen wären falsch eingesetzt.

Stuttgart - Der Vorstoß von Stuttgarts City-Manager Sven Hahn, dass man am Samstag, dem wichtigsten Handelstag der Woche, den öffentlichen Nahverkehr in die Stadt kostenfrei machen sollte, ist bei den Verantwortlichen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) mit Skepsis aufgenommen worden. „Das wäre sehr teuer“, sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bei der VVS-Bilanzpressekonferenz. Und da etwa 80 Prozent der VVS-Kunden Dauerkarten nutzten, wäre diesen nur schwer zu vermitteln, warum sie nicht in den Genuss von Vergünstigungen kommen würden.

Der Geschäftsführer der City-Initiative Stuttgart (CIS) hatte den Vorschlag im Zusammenhang mit einer Umfrage zum Einkaufen in der Stadt gemacht. Dabei waren die Werte beim Thema Mobilität und Erreichbarkeit schlecht ausgefallen. Hahn verwies darauf, dass in Städten wie Ulm, Heilbronn, Augsburg und Tübingen der Nulltarif am Samstag ein Erfolgsmodell sei. Am Beispiel Tübingens erklärte OB Kuhn, sein Amts- und Parteikollege Boris Palmer habe „halt ein paar Busse“. Aber die Situation dort sei mit der komplexen Lage in der Region und in Stuttgart nicht vergleichbar. Der VVS-Geschäftsführer Horst Stammler schätzt die jährlichen Kosten für einen Nulltarif am Samstag in Stuttgart durch Einnahmeausfälle auf 15 bis 20 Millionen Euro.

Kuhn hat auch mit Bezug auf die immer wieder erhobene Forderung nach einem allgemeinen 365-Euro-Jahresticket im VVS-Gebiet deutlich gemacht: „Das können wir uns derzeit nicht leisten.“ Die Kosten dafür werden auf 110 bis 140 Millionen Euro im Jahr geschätzt. Das sei eine „gigantische Zahl“, betonte Kuhn. Entscheidend für die Weiterentwicklung des ÖPNV in der Region sei, „dass wir viel Geld in die Infrastruktur investieren“, sagte Kuhn in seiner Funktion als VVS-Aufsichtsratsvorsitzender.

VVS setzt auf bessere Infrastruktur

Hier weiß er sich mit der VVS-Geschäftsführung einig. Man habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Wachstumsraten bei den Fahrgästen von ein auf zwei Prozent gesteigert und im vergangenen Jahr ein Plus von 2,8 Prozent erreicht, sagte Horst Stammler. Bei den von der Tarifreform betroffenen Tickets lag das Plus sogar bei 3,2 Prozent. Die Drei-Prozent-Marke ist für Stammler auch die Messlatte für die kommenden Jahre. „Das ist ambitioniert, aber die müssen wir erreichen, wenn wir einen Beitrag zur Verkehrswende leisten wollen.“

BUND: Zunahme ist enttäuschend

Der VVS hatte am Freitag einen neuen Fahrgastrekord gemeldet. Aufgrund der Tarifreform vom Frühjahr 2019 sind die Fahrten im Verbundgebiet von 384 Millionen auf 394,5 Millionen gestiegen.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zur Rekordbilanz. Der Regionalverband Stuttgart des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) freut sich zwar über die rund 394 Millionen Fahrten im Jahr 2019. Er hält den Zuwachs nach der Tarifreform von 3,2 Prozent „jedoch für bescheiden und eher enttäuschend“, so der Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Bei Fahrpreissenkungen für Pendler von bis zu 30 Prozent und Zuschusskosten seitens der öffentlichen Hand von knapp 32 Millionen Euro „sollte schon ein zweistelliger Zuwachs herauskommen“, so Pfeifer, der Mitglied im VVS-Fahrgastbeirat ist.

Restriktionen fürs Auto nötig

Man dürfe nicht nur den ÖPNV verbessern, sondern müsse mit Tempolimits, Pförtnerampeln und Parkraumrestriktionen zugleich den Autoverkehr erschweren, fordert er. Nur so sei die Verkehrswende zu schaffen. Außerdem regt der BUND-Regionalgeschäftsführer an, dass die Tarife außerhalb der Hauptverkehrszeiten gesenkt werden, wenn es beispielsweise in S-Bahnen „noch jede Menge Luft für weitere Fahrgäste gibt.“

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