Die Pliensaubrücke ist Ende des 13. Jahrhunderts gebaut worden. Jetzt dringt Wasser in das Bauwerk ein. Foto: Ines Rudel

Die Stadt unternimmt einen zweiten Anlauf, um das historische Bauwerk sanieren zu lassen. Mit Spannung erwarten die Verantwortlichen die Angebote der Bauunternehmen. Ob sich die Hoffnung auf eine positive Überraschung erfüllt?

Esslingen - Uwe Heinemann ist momentan nicht zu beneiden. Nicht nur, dass der Chef des Esslinger Tiefbauamts zahlreiche Baustellen – verteilt über das gesamte Stadtgebiet – zu betreuen hat und sich mit den dabei unvermeidbaren Straßensperrungen wenig Freunde macht. Hinzu kommt, dass die Baufirmen, auf deren Mithilfe die Stadt dringend angewiesen ist, um die notwendigen Sanierungen durchführen zu können, gerade vom Boom in der Branche profitieren und ihrerseits Preise fordern, die den Finanzbürgermeistern der größeren und kleineren Städte trotz sprudelnder Steuerquellen den Schweiß auf die Stirn treiben.

Ein markantes Beispiel ist die notwendige Sanierung der Ende des 13. Jahrhunderts gebauten Rundbögen der Esslinger Pliensaubrücke, die die Bundesstraße 10 von Stuttgart nach Plochingen überspannt. Zwar ist die Brücke nicht vom Einsturz bedroht, wie manch andere Esslinger Brücke, die in den 1960er-Jahren mit Stahlbeton errichtet wurde. Dennoch ist aufgrund zahlreicher Schäden die Verkehrssicherheit gefährdet.

Die Brücke wird abgedichtet und bekommt einen neuen Belag

Wasser ist in das Bauwerk eingedrungen. Dadurch wächst die Gefahr, dass sich Steine aus den Bögen lösen und auf die Straße fallen könnten. Deshalb soll die Brücke nun abgedichtet werden und einen neuen Belag bekommen. Die Sanierung wollen die Stadtwerke Esslingen zudem nutzen, um die Gas- und Wasserversorgungsleitungen im Brückeninneren zu erneuern. Die Arbeiten müssen im kommenden Jahr abgeschlossen werden, weil ansonsten mit den sich anschließenden Sanierungsarbeiten an der Vogelsangbrücke nicht begonnen werden können.

Vor einem Jahr hätte Uwe Heinemann für diese Arbeiten noch rund 1,9 Millionen Euro veranschlagen müssen. Als die Stadt in diesem Frühjahr die Arbeiten dann aber tatsächlich ausschrieb, hatte die Preisexplosion bereits begonnen. Der günstigste der ohnehin nur zwei Bieter forderte 2,3 Millionen Euro, der andere Bewerber veranschlagte glatte drei Millionen Euro. Damit lagen die Angebote 37 und sogar 78 Prozent über der Ausschreibungssumme. Die Stadt zog daraufhin die Notbremse – und hob die Ausschreibung auf.

Es stehen dieses Mal 2,9 Millionen Euro zur Verfügung

Nun unternimmt Esslingen einen weiteren Anlauf, um die Pliensaubrücke für die kommenden Generationen sicher zu machen. Im Oktober werden die Arbeiten erneut ausgeschrieben – und dieses Mal stehen dafür maximal 2,9 Millionen Euro zur Verfügung. Die Summe überrascht: Es handelt sich immerhin um rund 600 000 Euro mehr, als der erste Bieter im Frühjahr verlangt hatte. Uwe Heinemann findet das nicht bedenklich. „Wir haben jetzt einfach einen gewissen Puffer eingeplant, damit wir nicht schon wieder mit einer Nachfinanzierung in den Gemeinderat müssen“, erklärt er sein Vorgehen. Befürchtungen, dass sich die potenziellen Bieter an der von der Stadt vorgegebenen Summe orientieren, teilt der Tiefbauamtschef nicht.

Er gehe vielmehr davon aus, dass die Stadt nicht den vollen Finanzrahmen ausschöpfen müsse, sondern „noch kräftig darunter bleiben wird“. Die Erfahrung zeige, dass Baufirmen im Herbst nicht so viele Aufträge bekämen und deshalb bei den Preisen nicht Maßloses verlangten.

Mit den nun ausgeschriebenen Arbeiten ist die Pliensaubrücke aber noch nicht vollständig saniert. Instandsetzungsarbeiten an der Natursteinfassade und an den Unterbögen sollen frühestens 2020 folgen. Wie viel Geld die Stadt dafür in die Hand nehmen wird, werden Uwe Heinemann und seine Mitarbeiter „aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen der jetzigen Maßnahme ermitteln“: So heißt es in perfektem Amtsdeutsch in einer Vorlage für den Gemeinderat.

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