Was bedeutet das Sparprogramm für die Beschäftigten in der Zentrale und in den Werken? Der Betriebsrat fordert, dass der Vorstand bei Betriebsversammlungen die Strategie darlegt.
Bei Daimler Truck stehen unruhige Tage bevor. Nachdem die neue Konzernchefin Karin Radström der Belegschaft in der vergangenen Woche eine Sparvorgabe von einer Milliarde Euro bis 2030 verkündet hat, fordert der Gesamtbetriebsrat des Nutzfahrzeugkonzerns Details ein. „Der Vorstand muss der Belegschaft auf Betriebsversammlungen erklären, warum und wie er das umsetzen will“, fordert Michael Brecht, der Vorsitzende der Arbeitnehmervertretung.
An sechs Standorten sollen in der kommenden Woche Betriebsversammlungen stattfinden, an denen der Vorstand teilnimmt: In der Zentrale in Leinfelden-Echterdingen, beim Vertrieb in Berlin sowie in den Werken Gaggenau, Wörth, Kassel und Mannheim. Die Pläne betreffen das Geschäft in Europa, speziell die deutsche Marke Mercedes-Benz Trucks. Wie im Unternehmen zu hören ist, stehen aber auch Konzernfunktionen wie die Verwaltung, Forschung und Entwicklung und der Vertrieb im Fokus. Die Bussparte ist von dem Sparplan namens „Cost Down Europe“ ausgenommen.
Die Beschäftigungssicherung gilt bis 2030
Das Unternehmen nennt bisher keine Einzelheiten und bestätigt lediglich, dass ein Effizienzprogramm aufgelegt wurde, über das mit dem Betriebsrat verhandelt werden soll. Wie dessen Chef Brecht betont, werde die bis 2030 geltende Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, nicht in Frage gestellt. Personalabbau könnte folglich nur über Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und Abfindungsangebote bewerkstelligt werden.
Laut Brecht hat es „diese Dimension eines Sparprogramm bei Daimler Truck noch nie gegeben“, er sieht auch keinen Anlass dafür. Weder sei das Unternehmen ein Sanierungsfall, noch gebe es Überkapazitäten in den Werken. Daimler Truck leidet aber unter der Wirtschaftsschwäche. Der Absatz ging 2024 weltweit um zwölf Prozent zurück, in Europa und Asien sogar jeweils um rund 20 Prozent. Schon bei ihrem Amtsantritt hatte Karin Radström angekündigt, die Effizienz bei Mercedes-Benz Trucks, wo sie zuvor schon dreieinhalb Jahre das Sagen hatte, weiter steigern zu wollen. Ihr gehe es aber nicht nur ums Sparen, sondern auch um die Steigerung des Ertrags – beispielsweise durch den Ausbau der eigenen Verkaufs- und Servicestandorte, hieß es. Von Gesellschafterseite wird sie mit hohen Erwartungen konfrontiert. Der größte Lkw-Hersteller solle auch der profitabelste werden, sagte Aufsichtsratschef Joe Kaeser. Während manche Konkurrenten eine Umsatzrendite von 15 Prozent schaffen, peilte Daimler Truck zuletzt 8 bis 9,5 Prozent an.