Die Fußball-EM gibt es nicht kostenlos. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Wie viel zahlen die zehn deutschen Ausrichterstädte für die Fußball-EM? Eine Datenrecherche zeigt, dass das Event Stuttgart vergleichsweise teuer kommt. Besonders ein Kostenpunkt fällt auf.

Stuttgart hat als Ausrichterstadt der Fußball-EM die zweithöchsten Kosten bundesweit hinter Berlin – beim Gesamtbudget sowie pro Kopf. Bis zu 63 Euro „kostet“ die EM jeden der 610 459 Stuttgarter. Das Budget beträgt 38,4 Millionen Euro und wird als Zuschuss an die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart gezahlt.

 

Dieser Kostenrahmen ist seit Herbst 2022 bekannt, nun hat das Recherchenetzwerk Correctiv Lokal bei allen zehn deutschen Ausrichterstädten die Kosten für die EM abgefragt. Das Ergebnis: Deutlich günstiger pro Einwohner gibt es das EM-Erlebnis in den ähnlich großen Städten wie Dortmund (42 Euro), Düsseldorf (33 Euro) oder Leipzig (25 Euro).

So viel kostet die EM

Am größten ist der Topf in Berlin. Die 83,7 Millionen Euro enthalten allerdings auch rund 30 Millionen für den Stadionumbau. Auch in Frankfurt fließt ein kleinerer Teil des Budgets ins Stadion. In Stuttgart sind die 38,4 Millionen Euro rein für die Ausrichtung des Events vorgesehen. Leipzig, Köln und Gelsenkirchen rechnen für die Ausrichtung aktuell mit 15 bis 19 Millionen Euro und damit der Hälfte des Stuttgarter Budgets – obwohl in Köln ebenso wie in Stuttgart fünf EM-Spiele angesetzt sind, in den beiden anderen Städten vier Spiele. Insgesamt rechnen die Städte ohne Stadionumbau mit Kosten von 265 Millionen Euro.

Woher kommen die vergleichsweise hohen Kosten in Stuttgart? „Nur Stuttgart hat vier Fan Zones eingerichtet“, sagt der Stadtsprecher Harald Knitter – am Schloss-, Markt-, Karls- und Schillerplatz, wo unter anderem Essensstände aufgebaut sind. Zudem gebe es ein Rahmenprogramm mit Konzerten an den spielfreien Tagen. Zudem lässt das Popbüro Nachwuchskünstler auftreten. Reicht das als Begründung für die hohen Eventkosten?

Ein Blick in den 38,4-Millionen-Euro-Topf: Darin stecken acht Teilleistungen, von Projektmanagement und Promotion bis Sicherheit und Nachhaltigkeit. Es sei so kalkuliert worden, sagt der Stadtsprecher Harald Knitter, „dass die Kosten damit abgedeckt werden können. Eine Erhöhung des Veranstaltungsbudgets ist seither nicht erfolgt.“

Kosten sind gestiegen

„Correctiv“ hat über Kostensteigerungen in anderen Austragungsstädten von zusammen 66 Millionen Euro berichtet. In Köln beispielsweise kostet die EM wegen eines zusätzlichen Public Viewings bis zu viereinhalb Millionen Euro mehr als geplant. Stuttgart hat bisher nichts nachschießen müssen. Man bewege sich mit Blick auf die bislang angefallenen Kosten „im Rahmen des vom Gemeinderat beschlossenen Etats“, sagt Harald Knitter.

Die Kosten für die einzelnen Teile des Projekts erscheinen im Vergleich zu anderen Städten dennoch stellenweise hoch. In Berlin sind beispielsweise für das Projektmanagement 2,8 Millionen Euro angesetzt, in Dortmund 2,9 Millionen – in Stuttgart 8,5 Millionen. Hamburg plant für die erweiterte Fan-Zone mit einer Kapazität von 40 000 Besuchern und „dezentem Unterhaltungsprogramm“ rund 4,9 Millionen Euro ein. In Stuttgart sind einschließlich „Host City Events“ 6,8 Millionen Euro vorgesehen.

Fanzone günstiger als anderswo

Dieser Posten kommt Stuttgart immerhin günstiger als Berlin oder Frankfurt, wo für die (allerdings deutlich größeren) Fanbereiche 25,6 respektive 14 Millionen Euro veranschlagt sind. Dortmund rechnet mittlerweile mit 8,8 Millionen Euro für die Fan-Zone, wo an den spielfreien Tagen unter anderem Die Fantastischen Vier und Clueso konzertieren. In Stuttgart tritt am Freitag als Hauptact Pietro Lombardi auf die Bühne.

Trotz der hohen Ausgaben lohne sich die EM für die Austragungsstätten, hat der Hamburger Professor für Wirtschaftspolitik, Wolfgang Maennig, gegenüber „Correctiv“ gesagt. Die Städte profitierten „vom Erlebnisnutzen der lokalen Bevölkerung und von der internationalen Aufmerksamkeit“. Zweistellige Millionenbeträge an Ausgaben seien damit durchaus zu rechtfertigen. „Allein die mediale Reichweite der TV-Ausstrahlungen“ sei für Tourismus und Wirtschaft positiv, glaubt der Stadtsprecher Knitter.

Was bleibt hängen?

Könnte es das in Stuttgart aber nicht ähnlich günstig geben wie – laut aktueller Planung – in den meisten anderen Ausrichterstädten? Verdient Stuttgart an der EM? Ein Vergleich der Kosten in den Austragungsstädten sei schwierig, sagt Harald Knitter, die Stuttgarter Kalkulation sei „in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung“ erstellt worden. Nach Turnierende werde es „natürlich entsprechende Prüfprozesse“ geben, ob in.Stuttgart mit den Mitteln sparsam umgegangen sei.

Auch über die Höhe der Einnahmen zu sprechen wäre „spekulativ“, so Knitter. Selbst im Nachhinein könne man den EM-Effekt etwa über höhere Steuereinnahmen nicht vollständig messen. Doch auch dafür gibt es aus dem Jahr 2022 eine Schätzung: Damals rechnete man für Stuttgart mit 500 000 Euro netto.

Hintergrund zu den Daten

Kooperation
Diese Recherche ist Teil einer Kooperation mit FragDenStaat und CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalredaktionen umsetzt. CORRECTIV.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Medienhaus CORRECTIV. Für mehr Recherchen und Kontext: correctiv.org/newsletter