Der Vogelhof in Ehingen-Erbstetten. Foto:  

Der Trägerverein, der Letzte seiner Art in Württemberg, verkauft schweren Herzens seinen Vogelhof auf der Schwäbischen Alb und löst sich auf.

Kornwestheim - Vor zwei Jahren keimte zum 65-jährigen Bestehen des Kornwestheimer Schullandheims noch einmal Hoffnung auf: Würde es gelingen, die Kurve zu kriegen und mehr Gruppen für einen Aufenthalt inmitten der idyllischen Landschaft bei Ehingen verbringen? Doch 2018 gelang es nicht, schwarze Zahlen zu schreiben. Die Stadt Kornwestheim half mit einem Betriebsmittelzuschuss aus. Der wird künftig nicht mehr erforderlich sein: Der Verein um den langjährigen Vorsitzenden Erwin Holzbaur hat sich entschieden, den Vogelhof zu verkaufen. Einst hatte der Verein das Anwesen erworben, um gesundheitlich geschwächte Nachkriegs-Kinder auf dem Land aufzupäppeln und ihnen positive Gemeinschaftserlebnisse zu bescheren.

Die Mitglieder des letzten Schullandheimvereins in Württemberg geben das Anwesen nur schweren Herzens auf. Denn eigentlich sind sie davon überzeugt, dass der Vereinszweck – Kindern Schullandheimaufenthalte in guter Luft und herrlicher Natur zu ermöglichen – seinen Sinn hat. Die Schulen allerdings sind es nicht mehr. „Die Belegungen unter der Woche sind massiv zurückgegangen“, berichtet Erwin Holzbaur. Und nur mit Wochenendgästen lässt sich das Haus nicht finanzieren.

Der Wunschpreis: 750 000 Euro

So zieht der Verein nun die Reißleine und sucht nach einem Käufer für die drei Gebäude und das über 2,5 Hektar große Gelände im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Interessenten, berichtet Holzbaur, hätten sich schon gemeldet. Gespräche werden in den kommenden Wochen geführt, der Wunschpreis des Vereins beläuft sich auf 750 000 Euro. Eingebunden in die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, wird auch die Stadt Ehingen, auf deren Gemarkung der Vogelhof liegt.

Für den Verein ist der Zeitpunkt, das abgeschieden nahe der Lauter gelegene Areal zu veräußern und sich aufzulösen, günstig: Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Erwin Holzbaur ist schon 40 Jahre Vorsitzender, gerne hätte er das Amt in jüngere Hände abgeben. „Aber die Interessenten stehen nicht Schlange“, sagt er. Zudem geht der Leiter des Schullandheims bald in den Ruhestand.

„Die Aufgaben mit Anstand abwickeln“

„Wir werden die Aufgaben mit Anstand abwickeln“, verspricht Holzbaur. Das Geld, das vom Verkauf nach Abzug aller Verbindlichkeiten, die nicht sehr hoch sind, übrig bleibt, geht laut Vereinssatzung an die Stadt Kornwestheim und muss von ihr zweckgebunden für die Jugendförderung ausgegeben werden. Erwin Holzbaur versteht die Zahlung auch als ein Dankeschön an die Stadt, die dem Verein stets wohlgesonnen gewesen sei und ihn immer dann unterstützt habe, wenn Hilfe notwendig gewesen sei.

Die Belegzahlen waren in den vergangenen zehn Jahren massiv eingebrochen. Kinder und Jugendliche aus den weiterführenden Schulen nutzen den Vogelhof schon seit Jahren nicht mehr, auch die Kornwestheimer Grundschulen besuchen den Vogelhof kaum noch für Klassenfahrten. Und dabei hatte der Verein immer wieder investiert: Er modernisierte die Sanitäranlagen, baute eine Kletterwand ein und die Scheune zur Mehrzweckhalle um, zielte auch auf Vereine und Unternehmen als Gäste ab. Doch immer weniger Gruppen checkten ein. Und diejenigen, die es taten, blieben nicht mehr so lange wie früher. „Der Zeitgeist hat sich gewandelt“, sagt Erwin Holzbaur und klingt dabei ein wenig resigniert, weil ihm der Vogelhof eine Herzensangelegenheit war.

Rund 80 Schullandheime gibt es in Baden-Württemberg noch

Mehr als 80 Schullandheime listet der Landesverband Baden-Württemberg des Verbandes Deutscher Schullandheime noch auf. Fast alle sind in Trägerschaft von Landkreisen oder Kommunen. Gut ein Drittel davon liegen aber gar nicht im Ländle selbst, sondern etwa in Österreich oder Südtirol.

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