Am nördlichen Stadtrand soll gebaut werden – aber mit ein wenig Verzögerung. Foto: Mateja fotografie

An dem neuen Stadtquartier im Norden Kornwestheims will die Kommunalpolitik aber festhalten.

Kornwestheim - Wenn’s nach der Fraktion Grüne/Linke gegangen wäre, dann würde auf den Feldern nördlich der Zügelstraße auch noch in den kommenden Jahren die Flora wachsen und gedeihen. Aber ganz so viel Zeit wollen die anderen Fraktionen dem Grün nicht geben: Sie stimmten am Donnerstagabend dagegen, sich mit der Entwicklung des neuen Wohngebietes allzu viel Zeit zu lassen. Mehrheitlich sprach sich der Gemeinderat für einen Kompromissvorschlag aus, den Oberbürgermeisterin Ursula Keck ins Spiel gebracht hatte: Das Wohngebiet wird angegangen – aber erst nachdem sich die Stadträte in einer Klausur darauf verständigt haben, welche Kriterien die künftigen Bauherren erfüllen müssen.

 

Die Klausurtagung kommt nicht in allen Fraktionen gut an. Stadträte aus den Reihen der CDU, der FDP und der Freien Wähler stimmten dagegen oder enthielten sich der Stimme. Sie halten sie für überflüssig. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä zeigte keinerlei Verständnis für das Vorgehen der Grünen. Die Entscheidung darüber, ob im Norden Kornwestheims gebaut wird, sei doch eigentlich schon längst gefallen – zum Beispiel durch das Ja der Stadträte zum Flächennutzungsplan, der sehr zurückhaltend neue Wohngebiete ausweise, und durch das Ja beim Kauf von Grundstücken. Fünf Millionen Euro habe die Stadt für den Erwerb der Areale ausgegeben. Wenn man jetzt nicht mit der Entwicklung des Baugebiets beginne, dann habe das Potenzial fürs Schwarzbuch, in dem der Bund der Steuerzahler Fälle öffentlicher Verschwendung aufliste, sagte Bartholomä. Der CDU-Fraktionsvorsitzende warnte davor, das Heil in einer weiteren Verdichtung der bereits bebauten Fläche zu suchen. Das führe zu einem Sinken der Lebensqualität, sagte er. Aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus sollte Wohnraum in allen Preisklassen geschaffen werden. Bartholomä erinnerte daran, dass bei Wüstenrot & Württembergische an der Gemarkungsgrenze zu Ludwigsburg und bei Idexx auf dem Wilkin-Areal viele Arbeitsplätze entstanden seien oder noch eingerichtet würden. Den Beschäftigten sollte die Möglichkeit gegeben werden, nach Kornwestheim zu ziehen. Kurze Arbeitswege seien ökologisch besser, so Bartholomä.

Markus Kämmle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, stimmte nur für den Kompromissvorschlag und damit für die Klausurtagung, weil ihm ein einheitliches Vorgehen des Gemeinderats wichtig ist. Zusätzlicher Wohnraum in den bebauten Bereichen wolle er nicht. „Die Flächen sind ausgelutscht“, sagte Kämmle. Die SPD sprach sich aus Überzeugung für den Kompromiss aus. Weil Kornwestheim so dicht besiedelt sei, sei es gut, sich noch einmal grundsätzlich Gedanken zu machen, wie viel zusätzlichen Wohnraum die Stadt vertrage, so ihr Fraktionsvorsitzender Hans-Michael Gritz.

Der Erwerb von Grundstücken, so belehrte Grünen-Sprecherin Edda Bühler in Richtung der CDU, diene nicht dazu, selbige sofort zu bebauen, sondern sich einen Vorrat anzulegen. Sie warnte erneut davor, unüberlegt die Bevölkerungszahl in die Höhe zu treiben. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, welche Konsequenzen das für die Gesamtstadt hat“, sagte sie. Die Entwicklung Kornwestheims müsse maßvoll vorangebracht werden, damit es die vorhandene Infrastruktur auch vertrage. Sie erinnerte daran, dass die Zielgröße von 34 000 Einwohnern, die sich Kornwestheim mal gesetzt habe, schon jetzt fast erreicht worden sei.

Aufgabe des Ersten Bürgermeisters Daniel Güthler ist es nun, die Architekturbüros, die vorab für den Städtebaulichen Wettbewerb angefragt und gewonnen worden sind, darüber zu informieren, dass sie die Startlöcher, in denen sie bereits stehen, wieder verlassen können. Güthler, der keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er die Sache eigentlich für entschieden hielt und gerne mit dem städtebaulichen Wettbewerb durchgestartet wäre. Am Donnerstagabend in der Sitzung des Gemeinderats mühte er sich gleichwohl Zustimmung zum Prozedere ab: „Es ist wichtiger, sich inhaltlich auseinanderzusetzen, als Zeitpläne einzuhalten.“