„Das verrückte Labyrinth“: Der kindgerechte Irrgarten gehörte zu den Investitionen, mit denen zuletzt mehr Besucher angelockt werden sollten. Foto:  

Kornwestheim zieht sich aus dem Projekt Ravensburger Kinderwelt zurück. Wie geht es dann damit weiter?

Kornwestheim - Die Stadt zieht sich aus der Finanzierung der Kinderwelt Kornwestheim zurück, vermutlich gehen dort bald die Lichter aus. Wie Oberbürgermeisterin Ursula Keck bereits vor kurzem in ihrer Haushaltsrede mitgeteilt hat, kündigte die Stadtverwaltung die Räumlichkeiten im Wette-Center zum Juli 2023. Der Dienstleistungsvertrag mit der Spielefirma Ravensburger selbst hat eine Laufzeit bis Ende 2022.

 

Diese Zeitmarke – der Jahreswechsel 2022/23 – war ergo ohnehin ausschlaggebend für die Frage, ob es die Kinderwelt weiter als städtischen Eigenbetrieb gibt oder ob der Indoor-Spielplatz nach rund einer Dekade des Rätselns, Tobens, Bastelns und Spielens seine Pforten schließt. Die Entscheidung, den Vertrag zu kündigen, fiel in nicht-öffentlicher Sitzung des Gemeinderates. Vor allem die finanzielle Situation hat den Ausschlag dafür gegeben, die Kinderwelt nicht mehr weiterzuführen. Zwar war von Anfang an klar, dass Kornwestheim jedes Jahr 500 000 Euro an Betriebskosten zuschießen muss. In der Praxis fiel der städtische Zuschuss aber regelmäßig höher aus, oft kamen noch einmal mehrere Hunderttausend Euro aus dem Stadthaushalt oben drauf. Die Besucherzahlen entwickelten sich nicht wie erhofft, der Betrieb blieb teuer. Mit Umstrukturierungen, neuen Konzepten, Aktionen und Spielgeräten versuchten Stadt und Kinderwelt gegenzusteuern, doch der ganz große finanzielle Entlastungsschlag fiel aus, zumal dann noch die Corona-Pandemie die Situation erschwerte. Ein Beispiel für die Zahlenspiele: „Neben dem Betriebskostenzuschuss sieht der Nachtragsplan 2021 der Stadt Kornwestheim vor, Fehlbeträge aus den Jahren 2017 bis 2020 mit 554 000 Euro zusätzlich abzudecken“, heißt es aus der Kämmerei.

Fraktionen sind sich einig

Dem Vernehmen nach sind sich die Fraktionen einig gewesen, den Kinderwelt-Vertrag nicht weiterzuführen. Auch ihre stärksten Befürworter, die SPD und die Grünen, verkämpften sich am Ende nicht mehr für die Einrichtung. „Inhaltlich sehen wir das Kinderwelt-Konzept nach wie vor sehr positiv“, sagt Hans-Michael Gritz, Fraktionschef der SPD, „aber die Höhe der Zuschüsse zu begründen, die man zahlt, ist schwierig.“ Thomas Ulmer, Vorsitzender der Grünen, betont: „Wir haben das Projekt ja immer unterstützt, aber anfangs war natürlich nicht absehbar, dass es ein solcher Zuschussbetrieb wird“. Man müsse sehen, welche anderen Projekte im Kinder- und Jugendbereich man fördern könne. Ulmer betont, es gebe in Sachen Indoor-Spielplätze in der Region immer mehr Konkurrenz, eine Beobachtung, die auch Markus Kämmle von den Freien Wählern gemacht hat. Die Freien Wähler begleiteten die Kinderwelt aufgrund der Finanzen schon länger kritisch. „Es war zuviel Geld, das wir da reingebuttert haben“, so Kämmle. Er findet, man hätte vielleicht für Kornwestheimer Besucher eine andere Preisgestaltung andenken müssen, vielleicht eine günstige Jahreskarte, auch um die Akzeptanz zu verbessern. Fraktionsvorsitzender Hans Bartholomä von der CDU sagt: „Es lässt sich nicht mehr verantwortbar darstellen, dass Zuschüsse in dieser Größenordnung den Haushalt belasten“. Er betont aber, dass es seinerzeit die richtige Entscheidung gewesen sei, die Kinderwelt zu holen. Schließlich habe die Stadt so die Ansiedlung einer großer Spielhalle verhindern können – eine Gefahr, die nun aufgrund von Änderungen in der Glückspielgesetzgebung gebannt ist. Ender Engin, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion, sagt: „Es ist gut, dass die Stadt aussteigt, das aktuelle Konzept ist einfach nicht vertretbar, der Umgang mit den Steuergeldern ein No go.“ Er hofft, dass die Fläche als „Kulturfläche“ genutzt werden kann.

Gespräche laufen

Die Frage steht nun jedenfalls im Raum, was mit den Räumen im Wette-Center passiert. Die Stadt hat das nicht in der Hand. Sie beteiligt sich aber an Gesprächen, wie OB Ursula Keck sagt. „Aktuell sind der Anbieter, der Vermieter des Wette-Centers und die Stadtverwaltung in regem Austausch.“ Und: „Wünschenswert wäre, dass die Spieleeinrichtung unter privater Trägerschaft eines externen Anbieters weitergeführt werden kann“. Eine Sprecherin von Ravensburger selbst sagt: „Es wäre sicherlich bedauerlich, wenn ein derartig edukatives Konzept nicht fortgeführt werden würde.“ Unter den gegebenen Rahmenbedingungen sei eine Verbesserung der Ergebnissituation zwar nicht darstellbar. Aber: „Wir würden uns freuen, wenn sich hier doch noch eine positive Entwicklung einstellen würde, sodass dieses Konzept in ähnlicher Form fortgeführt werden könnte.“ Das Interieur sei Eigentum des Eigenbetriebs der Stadt, müsse gesamthaft betrachtet werden. Dies gelte auch für die mögliche Fortführung des Konzeptes, so die Sprecherin, die die Zusammenarbeit mit der Stadt als „konstruktiv, fair und partnerschaftlich“ beschreibt. Viele Jahre lang habe es die Kinderwelt geschafft, als Bildungseinrichtung Kindern, Eltern und Pädagogen und auch der Verwaltung vielfältige Erfahrungen und Entdeckungen zu ermöglichen, lautet das inhaltlich positive Fazit aus dem Rathaus.