Kartenausschnitt: KZ-Komplex Natzweiler 1943 -1945 Foto: LA GBZA

Vom architektonischen Größenwahn zur Sklavenarbeit vor der Haustür: In einem Hybrid-Vortrag am 12. März, 19:00 Uhr, beleuchtet der Historiker Dr. Marco Brenneisen die erschütternde Transformation des KZ-Komplexes Natzweiler. Wo einst roter Granit für monumentale NS-Bauten gebrochen wurde, entstand ein weit verzweigtes Geflecht aus Außenlagern, ein Netz des Terrors, das bis tief in den deutschen Südwesten reichte.

In der Spätphase des Zweiten Weltkriegs begannen sich die großen Konzentrationslager der Nationalsozialisten in multilokale Lagerkomplexe zu transformieren. An zahlreichen peripheren Standorten entstanden neue Außenlager, deren Insassen zumeist zur Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion herangezogen wurden.

 

Im Mai 1941 begann im Elsass im Auftrag von Albert Speer der Aufbau des Konzentrationslagers, das nach dem nahe gelegenen Dorf Natzweiler benannt wurde. Speer war wegen seiner gigantomanischen Bauprojekte an dem seltenen roten Granit in den nördlichen Vogesen interessiert. Diesen mussten die KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen abbauen. Bald darauf wurde auf Kriegsproduktion umgestellt.

Ein vergessenes Kapitel der Regionalgeschichte

Aus dem KZ entwickelte sich ein Komplex mit mehr als 50 Außenlagern im Elsass, dem Moselgebiet und östlich des Rheins. In Baden-Württemberg wurden ab Ende 1943 etwa 35 neue Lager errichtet, die der Verwaltung des KZ Natzweiler unterstanden. Als einziger im nationalsozialistischen KZ-System bestand der KZ-Komplex im letzten halben Jahr seiner Existenz ausschließlich aus Außenlagern. Mehr als zwei Drittel der rund 52.000 Häftlinge aus über 30 europäischen Nationen waren nie im Stammlager im Elsass, sondern in "KZs vor der Haustür" der deutschen Zivilbevölkerung.

Expertenblick auf die Erinnerungskultur

Nach 1945 erinnerte vielerorts kaum mehr etwas an die einstigen Schreckensorte. Dr. Marco Brenneisen, Mitarbeiter des Mannheimer MARCHIVUM und Experte für NS-Aufarbeitung, geht in seinem Vortrag auch der Frage nach, warum das Gedenken an diese „KZs vor der Haustür“ oft erst Jahrzehnte später einsetzte. Als Vorstandsmitglied des Verbunds der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler e. V. (VGKN) schlägt er dabei die Brücke zur heutigen grenzüberschreitenden Erinnerungsarbeit.

Weitere Informationen zum Vortrag: https://www.landesarchiv-bw.de/de/aktuelles/termine/78967

Der Vortrag am 12.03 2026 um 19:00 Uhr gehört zu dem Rahmenprogramm der Doppelausstellung zum KZ-Komplex Natzweiler, die noch bis zum 13. April 2026
im Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim (Stammheimer Straße 10) gezeigt wird.

Weitere Informationen zur Ausstellung unter: https://www.landesarchiv-bw.de/de/aktuelles/ausstellungen/78920

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