Die Zimmerei und Schreinerei feiert großes Jubiläum.
Kornwestheim - Eberhard Muny freut sich: Heute feiert der von seinem Großvater gegründete Zimmereibetrieb das 100-jährige Bestehen. Die Geschichte des Unternehmens erfüllt ihn mit Stolz. Und nicht minder froh ist er darüber, dass die Firma auch eine Zukunft hat: Im kommenden Jahr zieht sich der 66-Jährige weiter aus der Geschäftsführung zurück. Alleiniger Betriebsinhaber wird dann Zimmerermeister Patrick Pressel, 42 Jahre alt und seit 14 Jahren bei Muny an Bord. „Es ist sehr beruhigend zu wissen, was für einen tollen Nachfolger wir haben“, sagt der Seniorchef, der ab 2022 nur noch Mitgeschäftsführer sein wird.
Anfang im Süden Ludwigsburgs
In Ludwigsburg hat alles seinen Anfang genommen – in der Erich-Schmid-Straße im Süden der Stadt, wo der aus Lörrach stammende Otto Muny 1921 auf der Walz hängengeblieben war und das „Zimmergeschäft und Treppenbau Muny“ gründete. Das Glück war ihm zunächst nicht hold. 1929 zerstörte ein Großfeuer den Betrieb. Aber Otto Muny startete ein zweites Mal – einen Steinwurf entfernt am GDF-Knoten, dieses Mal auf Kornwestheimer Gemarkung.
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Von seinem Großvater weiß Eberhard Muny zu berichten, dass er sich an mehreren Tagen in der Woche vormittags auf den Weg zum Markt nach Ludwigsburg machte. Dort ging’s zum Stammtisch in die Alte Sonne. „Oft hat er einen Auftrag mit nach Hause gebracht“, berichtet Eberhard Muny. Kundenakquise aus längst vergangenen Zeiten.
Der Stadt Kornwestheim hat der Handwerksbetrieb die Treue gehalten, auch wenn er Mitte der 1970er-Jahre den Standort wechseln musste. Der große Nachbar Wüstenrot, der in diesem Jahr übrigens auch 100 Jahre alt wird, wollte sich über die Ludwigsburger Straße hinweg ausdehnen und hatte ein Auge auf das Muny-Gelände geworfen. Walter Muny, der den Betrieb mittlerweile in zweiter Generation führte, errichtete an der Enzstraße im Gewerbegebiet Ost ein neues Verwaltungs- und Wohngebäude samt Produktionshalle. Dort hat Holzbau Muny auch heute noch seinen Sitz. Eberhard Muny erinnert sich, dass seine Eltern die Wahl hatten zwischen einem Grundstück im Gewerbegebiet Nord und im Osten Kornwestheims. Letztlich habe die Mutter entschieden: Von der Enzstraße aus sei’s deutlich kürzer zum Lebensmittelgeschäft gewesen. . .
Architekturstudium abgebrochen
Eberhard Muny stieg Mitte der 1980er-Jahre in den Familienbetrieb ein. Das Architekturstudium hatte er abgebrochen, 1983 seinen Meister gemacht und fortan im „schönsten Beruf der Welt“ gearbeitet. Warum der schönste Beruf? Weil man, antwortet Eberhard Muny, abends das Ergebnis seines Tuns sieht und weil Holz einfach ein ganz toller Baustoff ist. Wenn man ihn richtig behandele, halte er Jahrhunderte.
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Weil das aber in der Vergangenheit häufig nicht geschehen ist, macht einen guten Teil des Geschäfts die Restaurierung und Sanierung von alten Gebäuden aus. Sowohl Eberhard Muny als auch Patrick Pressel haben sich zu Restauratoren im Zimmererhandwerk fortgebildet und werden immer wieder für Begutachtungen, Schadensdokumentationen und ausführende Arbeiten angefragt. Derzeit restauriert das MunyTeam beispielsweise das alte Pfarrhaus in Benningen.
Digitale Technik hat Einzug erhalten
Auch wenn Firmengründer Otto Muny seinen Betrieb vermutlich nicht wiedererkennen würde, weil zum einen Mitte der 1980er-Jahre die Möbelschreinerei hinzukam und zum anderen die digitale Technik Einzug gehalten hat, so müssen die Nachwuchskräfte auch das reine Handwerk beherrschen. „Das Wissen um die Eigenschaften des Holzes ist weiterhin erforderlich“, sagt Patrick Pressel. Aber dem Geschäftsführer, der auch Gebäudeenergieberater und Sachkundiger für den Holzschutz ist, ist es wichtig, dass mit moderner Technik gearbeitet wird. Immer wieder wird in neue Gerätschaften investiert, zum Beispiel in einen 3-D-Laser-Scanner, der Gebäude erfassen kann. Das mache, sagt Patrick Pressel, nicht nur das Arbeiten effizienter, sondern den Beruf auch attraktiv. Und es signalisiere der Belegschaft, dass die Firma auch nach 100 Jahren noch Zukunft habe.
An Holz mangelt es übrigens nicht. Nachrichten, dass die Baubranche – und damit auch die Zimmereibetriebe – unter einem Ausbleiben von Material leidet, betreffen Muny nicht. „Da geht’s um industriell gefertigte Teile“, sagt Eberhard Muny. Sein Holz bezieht das Unternehmen aus dem Welzheimer Wald, aus dem Schönbuch, dem Spessart und dem Schwarzwald. Vor Ort an der Enzstraße wird das technisch getrocknete Holz dann weiter verarbeitet.
Großes Fest zum Jubiläum
An diesem Samstag feiert Muny mit den Mitarbeitern, Geschäftskunden, Freunden und Wegbegleitern. Es gibt selbst gebackenes Brot aus dem Backhaus in Heimerdingen, selbst gebackene Pizza, Wein von einem Winzer aus Feuerbach, Bier aus Leonberg und Eis aus Stuttgart. „Alles von Menschen gemacht“, sagt Patrick Pressel, „die Spaß an ihrer Arbeit haben. So wie wir auch.“