Wird für die Erschließung der neuen Wohngebiete nicht angetastet: die Lindenallee an der Ludwigsburger Straße (alte B 27). Foto: Mateja fotografie

Die Ökopartei will die Bebauung auf nicht erschlossenen Flächen im Norden der Stadt zurückstellen.

Kornwestheim - Mehr als 20 Jahre hat die Stadt Kornwestheim freie Flächen am Rande der Stadt für die Wohnbebauung nicht angetastet. „Innen- vor Außenentwicklung“ lautete das Credo. Nun soll – so steht’s im Flächennutzungsplan, so hat’s die Stadtverwaltung kommuniziert und so schien es auch die Kommunalpolitik zu sehen – Kornwestheim Richtung Norden wachsen. Für fünf Millionen Euro hat die Stadt bereits Grundstücke nördlich der Zügelstraße erworben. Sie hält damit rund Dreiviertel des zwei Hektar großen Areals im Besitz. Das hat der Gemeinderat festgelegt: Erst wenn die Stadt alle Grundstücke besitzt, darf sie Bauträger mit ins Boot holen. Sie soll die Hoheit über das Gebiet haben und festlegen können, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein Wohnungsbauunternehmen ein Grundstück erwerben darf.

 

Doch die Fraktion Grüne/Linke zügelt nun in Sachen Zügelstraße und tritt auf die Bremse. Sie beantragt, „die Bebauung im Außenbereich auf noch nicht erschlossenen Flächen zurückzustellen, bis ein moderates Wachstum in den Innenbereichen der Stadt nicht mehr darstellbar ist“. Die Stadträte werden demnächst über diesen Antrag beraten. Was er davon hält, deutete der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä bereits in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am Dienstagabend an: sehr wenig. Die Stadt habe schließlich bereits Grundstückskäufe getätigt. Schon bei Ost IV südlich der Theodor-Heuss-Straße habe man für mehr als zehn Millionen Euro Flächen erworben, die man, weil das für Wohnbebauung vorgesehene Areal im Flächennutzungsplan 2030 verkleinert worden sei, nun gar nicht mehr benötige.

34000 Einwohner schon erreicht

Der Antrag der Grünen fußt auf Antworten, die sie von der Stadt auf eine Reihe von Anfragen zur Einwohnerentwicklung und zu geplanten Wohnbauprojekten erhalten haben. So haben die Grünen wissen wollen:• Wie viele Wohnbauprojekte wurden begonnen? Elf Vorhaben mit mehr als drei Wohnungen listet die Stadt auf, die derzeit gebaut werden oder bei denen in Kürze mit dem Bau begonnen wird. Insgesamt entstehen 265 Wohnungen, 61 mussten dafür allerdings auch aufgegeben werden, weil die Häuser abgerissen wurden. • Wie viele Wohnbauprojekte sind in Planung? Fünf sind’s laut Auskunft der Stadt Kornwestheim. 151 Wohnungen entstehen, 23 fallen weg. Die 65 Wohnungen, die die Firma Pflugfelder auf dem Rothackerhof-Areal errichten will, sind noch nicht mit eingerechnet, weil bisher kein Baugesuch eingereicht worden ist.• Wie viele Baulücken gibt es? 35 mit einer Größe von insgesamt 14 000 Quadratmetern. Allein 8000 Quadratmeter davon liegen in den Wohngebieten „Im Kirchle“ und „In den Obstgärten“. Die Stadt schreibt in ihrer Antwort auf die Anfrage der Grünen: „Verfolgt man das Marktgeschehen in Kornwestheim, so kann festgestellt werden, dass zwar das Potenzial an größeren zusammenhängenden Flächen erschöpft ist, innerhalb des Stadtgebiets aber regelmäßig eine Vielzahl größerer und kleinerer Bauprojekte entstehen, die so nicht vorausgesehen werden können.“• Gibt es Leerstand? Schwer zu sagen, lautet Antwort der Stadt Kornwestheim. Letztlich lasse sich die Zahl gar nicht exakt ermitteln, weil die Stadt nicht von Haus zu Haus gehen und einen Blick in die Wohnungen werfen könne, so die Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Begründet auf den Zensus 2011 geht die Stadt rechnerisch von rund 500 leer stehenden Wohnungen aus – bei einem Bestand von über 16 000 Wohnungen. • Wie entwickelt sich die Einwohnerzahl? Mitte des Jahres zählte Kornwestheim 33 800 Einwohner. Durch die in Bau befindlichen oder geplanten Projekte kämen vermutlich rund 830 Menschen hinzu. Durchschnittlich verzeichnet die Stadt zudem jährlich 2750 Wegzüge und gut 2900 Personen, die nach Kornwestheim ziehen.

Insbesondere diese Zahlen haben die Grünen bewogen, ihren Antrag zu stellen. Als Zielgröße sei zuletzt immer eine Einwohnerzahl von 34 000 genannt worden. Mit den in die Wege geleiteten Bauvorhaben wachse man sogar moderat über diese Zahl hinaus. Und das werde sich in den nächsten Jahren fortsetzen, wenn weitere Vorhaben, die in nichtöffentlichen Sitzungen des Gemeinderats angesprochen worden seien, umgesetzt würden. Zudem zeige die aktuelle Entwicklung, dass das vermehrte Nutzen von Homeoffice dazu führen werde, dass es die Menschen nicht mehr so in den Ballungsraum dränge.

Lindenallee ist ein Naturdenkmal

In einer anderen Frage gibt es mittlerweile Klarheit: Sollten Wohnhäuser am nördlichen Stadtrand entstehen, so werden sie nicht über neue, von der Ludwigsburger Straße abzweigende Straßen angefahren werden können. Das Landratsamt, so informiert die Stadt nun auf einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion, sieht in den Wohngebieten keinen ausreichenden Grund, in die als Naturdenkmal ausgewiesene Lindenallee einzugreifen. Laut Verkehrsgutachten könnten die Quartiere über das bestehende Straßennetz erreicht werden.