Eingerüstet: die Hajek-Skulptur vorm Rathaus. Foto:  

Das Kunstwerk von Otto Hajek auf dem Jakob-Sigle-Platz wird neu gestrichen, natürlich in den Originalfarben. Das klingt simpler als es ist.

Kunstwerke werden für gewöhnlich unter besonderen Bedingungen aufbewahrt. Beim „Multiplen Element“ von Otto Herbert Hajek ist das nicht möglich. Die Skulptur steht auf dem Jakob-Sigle-Platz unter freiem Himmel und ist dort Wind und Wetter ausgesetzt. Deshalb müssen ab und zu die Maler anrücken und dem Kunstwerk zu neuem Glanz verhelfen. Dieser Tage ist es wieder soweit.

 

Die Skulptur ist eingerüstet worden. Aber einfach mit dem Pinsel neue Farbe auftragen – so einfach ist’s dann doch nicht. Schon allein die Auswahl der Farbe ist eine Wissenschaft für sich. Es müssen die Originalfarben verwendet werden, die auch Otto Hajek eingesetzt hat. Der Künstler hat genau hinterlegt, mit welchen Farben er die Skulptur gestaltet hat. Dazu gibt es ein RAL-Normierungssystem, das vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung verwaltet wird.

Vergolderin im Einsatz

In einem „Abwasch“ lässt die Stadt auch die Vergoldung oben an dem Kunstwerk erneuern. Dafür ist eigens eine Vergolderin beauftragt worden, die einen genauen Blick auf die Arbeiten wirft.

Seit 1979 steht die Hajek-Plastik vor dem Kornwestheimer Rathaus. Das Kunstwerk stand zunächst auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Dort konnte das „Multiple Element“, wie Hajek seine Arbeit genannt hat, aber nicht bleiben. Es kam zurück zu Hajek und lag im Garten des Künstlers an der Hasenbergsteige. Und so holte sich Kornwestheim das gute Stück auf Betreiben des damaligen Kulturamtsleiters Peter Keim in die Stadt – zunächst als Dauerleihgabe. Mit einem Kran wurde die 28 Tonnen schwere Plastik auf ihren neuen Standort vor dem Rathaus gehievt. Dort sollte sie, wie der im Jahr 2005 verstorbene Künstler erläuterte, als Kontrast zum eher strengen Rathausbau von Paul Bonatz wirken. 1985 ging die Plastik endgültig in den Besitz der Stadt Kornwestheim über. Die letzte, umfassende Restaurierung fand im Jahr 2006 statt.

Zwischendurch muss aber auch immer wieder mal nachgebessert werden, weil die Plastik von Kunstbanausen beschmiert wird.

Arbeiten von Otto Herbert Hajek finden sich an vielen Orten in Deutschland. So ist das Mineralbad Leuze in Stuttgart 1983 als Gesamtkunstwerk des Architekturbüros Geier und Geier in Zusammenarbeit mit Hajek erbaut worden. Hajek, 1927 in Kaltenbach (Tschechoslowakei) geboren, stellte auch zweimal auf der Documenta in Kassel aus und war von 1972 bis 1979 Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes. 1980 wurde er zum Leiter der Bildhauerklasse an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ernannt. Bis zu seinem Tod lebte Hajek in Stuttgart.