Die Kinderwelt. Foto: Archiv/Mann

Im März kommen neue Attraktionen ins Wette-Center. Vor allem ein Kletterparcours soll Kinder begeistern.

Kornwestheim - Mitte März rücken Arbeiter in die Ravensburger Kinderwelt ein. Sie bauen eine neue Attraktion in den Spiel- und Lernpark im Wette-Center. Ein engmaschiger, großer Herzschrittmacher ist es, der die Kinderwelt beleben, ihr neue Kundenströme bringen soll: eine große Kletterlandschaft. „Das verrückte Labyrinth“ heißt die Spezialanfertigung, wie das Legespiel mit den Gespenstern, den Drachen und Fledermäusen.

 

Stolze 17 Meter ist die Kletterlandschaft breit, elf Meter tief, mit rund 20 Spielstationen versehen – einer Röhren-Rutsche beispielsweise und einem Trampolin. „Bis zu 90 Kinder können sich dort gleichzeitig beschäftigen“, sagt Dietmar Allgaier, der Erste Bürgermeister der Stadt Kornwestheim. Spielen könnten sie, hangeln, klettern, toben. Eine Woche soll der Umbau dauern, bis zum 23. März – pünktlich zu den Osterferien soll die runderneuerte Kinderwelt fertig sein. Sie schließt während des einwöchigen Umbaus nicht, doch der Betrieb ist eingeschränkt wegen der Arbeiten. Wer in dieser Zeit die Einrichtung besucht, bekommt deswegen noch ein Gratisticket für einen späteren Besuch in die Hand. Wiederholungsbesuche also.

Es soll nicht mehr bei einzelnen Visiten bleiben, die Kinderwelt benötigt Dauer-Fans. Eine Marktforschung des Stuttgarter Instituts Compagnon hatte im vergangenen Jahr ergeben: Vielen Leuten ist die Ravensburger Kinderwelt ein Begriff, aber viele kommen auch kein zweites Mal wieder, denn es fehlt ihnen an Möglichkeiten zum Toben, sich auszupowern. Kurz: an Action und Spaß. Und noch dazu sei das Angebot für jüngere Kinder – die Verkehrsschule beispielsweise geht erst ab sechs Jahren – zu gering. An diesen Punkten setzen die Stadt und Ravensburger nun an.

Die Kletterlandschaft dient dazu, den Bewegungsdrang zu befriedigen. Jüngere könnten sich ebenso darauf schwingen wie ältere Kinder, sagt Allgaier. Hinzu kommt ein weiteres Spielgerät, ein Plitsch-Platsch-Pinguin-Karussel, das sich an Zwei- bis Vierjährige richtet. Ein runderneuertes Angebot an gesunden regionalen Speisen, flexiblere Workshops und an Hochphasen angepasste Öffnungszeiten runden das künftige Kinderwelt-Konzept ab. Letztere sind schon eingeführt: Die Öffnungszeiten werden bereits stärker auf Wochenenden, Ferien und Feiertage konzentriert. Das habe sich bereits im Januar bewährt, sagt Allgaier, da habe die Kinderwelt eine „schwarze Null“ geschrieben.

180 000 Euro hat die Stadt für das Upgrade der Kinderwelt in den Haushalt eingestellt. Der Gemeinderat gab die Geldmittel im Herbst frei. Es ist eine große Investition, die Ergebnisse bringen soll und muss. Das Gremium einigte sich darauf, schon 2019 wieder einen kritischen Blick auf die Kinderwelt zu werfen und im Zweifel erneut über ihre Zukunft zu beraten.

Unterdessen wächst der Druck aus der Bevölkerung. Die Kinderwelt ist ein Eigenbetrieb der Stadt. Auch wenn Ravensburger konzeptionell intensiv mit im Boot ist und die Kinderwelt betreibt – den Abmangel trägt Kornwestheim. Zuletzt betrug er 700 000 bis 800 000 Euro pro Jahr. Angetreten war man eigentlich mit der Vorgabe, nur 500 000 Euro zuzuschießen – und da will der Stadtrat auch weiter hin –, wobei die Hälfte Miete ist, die andere Hälfte abgeschrieben werden kann. „Die Kritik der Bürger können wir nachvollziehen“, sagt Allgaier. Aber auch: „Wir stehen zu der Einrichtung, sie ist ein Magnet in der Innenstadt.“ Er erinnert daran, dass mit der Ansiedlung der Kinderwelt eine riesige Spielhalle verhindert werden konnte.

Die Stadträte beobachten die Entwicklung unterdessen mit Argusaugen. „Das ist die letzte Chance“, sagt der CDU/FDP-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä. „Wenn das nicht greift, müssen wir einen Schlussstrich ziehen.“ Der Grünen/Linkenchef Ralph Rohfleisch: „Wir hoffen, dass sich mit der Investition das Defizit reduziert.“ Er ergänzt, dass er den Bildungsansatz der Kinderwelt gut finde, das Angebot wertvoll. Gabi Walker, Fraktionchefin der Freien Wähler, spricht von „wertvollem Geld der Kommune“, dass man verpulvere. Die Freien Wähler sprachen sich zuletzt am deutlichsten für die Abwicklung der Kinderwelt aus. SPD-Fraktionschef Hans-Michael Gritz hofft, dass der Kompromiss zwischen Wissensvermittlung und Toben funktioniert. „Wir schauen jetzt, wohin wir damit kommen.“ Dietmar Allgaier zeigt sich jedenfalls optimistisch: „Kosten und Nutzen müssen in ein besseres Verhältnis kommen. Dann findet die Kinderwelt mehr Akzeptanz.“