Die Stadt opfert mehrere ihrer Kiss & Ride-Parkplätze am S-Bahnhof.
Kornwestheim - Schnell anhalten, ein Küsschen zum Abschied oder zur Begrüßung – und schon setzt der Autofahrer seine Tour fort. Das ist die Idee der Kiss & Ride-Parkplätze, von denen es auch eine Reihe auf der Westseite der Eastleighstraße gibt. Deren Zahl wird nun auf drei verringert. Der Grund: Am Busbahnhof muss Platz geschaffen werden für die zusätzlichen Busse, die in Kornwestheim ab dem Jahresbeginn verkehren. Nicht nur der Takt wird verdichtet, es kommt auch eine Buslinie hinzu – der 415er, der zwischen dem Kornwestheimer Bahnhof und W & W pendelt.
Er soll künftig auf der Ostseite des Busterminals halten, wo bisher nur die 412 (Richtung Stammheim) und die 413 (Richtung Südstadt) ihre Haltestelle haben. Nun wird ein weiterer Halteplatz für die Linienbusse eingerichtet. Zudem werden im Bereich des Busbahnhofs an diversen Stellen noch Ecken abgerundet, damit die großen Fahrzeuge besser wenden können.
Doch damit nicht genug der Änderungen: Damit die Busse aneinander vorbeifahren können, müssen die Taxen, die im Schatten des Bahnhofsgebäudes stehen, ihren Platz räumen. Sie wechseln auf die andere Seite der Eastleighstraße – dorthin, wo Autofahrer bisher auf S-Bahn-Reisende gewartet oder ihre Mitfahrer abgesetzt haben. Auf die Taxistände kann und will die Stadt nicht verzichten. „Taxis dienen der Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Aus diesem Grund sind sie in der Verkehrsplanung auch zu berücksichtigen“, heißt es in einem Papier für den Gemeinderat. Die Stadträte indes waren von den Plänen in ihrer Sitzung am Donnerstagabend nur mäßig begeistert.
Klaus-Dieter Holzscheiter (Freie Wähler) kritisierte, dass Behinderte das Busterminal nicht ohne Probleme und Hilfe – es müssen Bordsteine überwunden werden – erreichen können. Silvia Stier wusste zu berichten, dass immer wieder Autofahrer ihr Fahrzeug für längere Zeit an der Westseite platzieren. Das werde, wenn nur noch drei Kiss & Ride-Parkplätze vorhanden seien, zum Problem. Ihr Fraktionskollege Martin Ergenzinger vertrat die Ansicht, dass drei Plätze viel zu wenig seien. Claus Langbein (Grüne) kritisierte die kurze Zeit, die Autofahrern beim Warten auf S-Bahn-Fahrgäste zur Verfügung stünde. Lediglich fünf Minuten darf man dort stehen. „Das ist fast nichts“, so Langbein und erinnerte daran, dass kaum eine S-Bahn pünktlich in Kornwestheim eintreffe. Robert Müller (SPD) bat darum, Kontakt mit der Bahn aufzunehmen, damit sie das Areal zur Verfügung stellt, an dem früher der Autoreisezug hielt.
Baubürgermeister Daniel Güthler sieht die Situation nicht ganz so problematisch. Schließlich stünden den Autofahrern auch Stellplätze im Bereich des Hirschgartens und auf der Westseite des Bahnhofs für kurze Halte zur Verfügung. Er kündigte für das übernächste Jahr einen größeren Umbau des Busbahnhofs an. Das Gesetz schreibt vor, dass solche Einrichtungen ab 2022 barrierefrei gestaltet sein müssen. Ein Planungsbüro hat die Stadt bereits beauftragt, in den Doppelhaushalt, der in der kommenden Woche verabschiedet werden soll, sind bereits Gelder für die Neugestaltung eingestellt. Wie der neue Busbahnhof ausschauen soll, wird in der ersten Jahreshälfte 2020 von den Stadträten diskutiert.