In der Stuttgarter Straße 44 bis 48 soll sich Einzelhandel ansiedeln – ein Entwurf plant die Holsterei an der Ecke ein. Die drei Entwürfe finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: factum/Granville

Welcher Einzelhändler kommt nach Münchingen? Inzwischen planen alle drei Bewerber mit einem Vollsortimenter, doch die größten Pläne für den Stadtteil hat nach wie vor ein Leonberger Architekt. Die Stadt hofft, eingreifen zu können.

Korntal-Münchingen - Selten war eine Einwohnerversammlung mit rund 250 Personen so gut besucht wie die am Mittwochabend im Münchinger Widdumhof. Kein Wunder, auf der Tagesordnung stand die geplante Ansiedlung eines Einzelhändlers an der Ecke Stuttgarter/Kronenstraße. Das Thema treibt die Bürger um, zumal sie seit Jahren auf einen Vollsortimenter warten, den Korntal und Kallenberg mit Edeka längst haben. Die Einwohnerversammlung sollte die Bürger auf den aktuellen Stand bringen – und in der Tat hatte die Verwaltung Neues zu berichten. Vor allem über den Bewerber, der mit seinem Entwurf schon im Sommer überraschte.

dm oder Müller?

Inzwischen hat das Duo IGC Projektentwicklung und Architekt Hansjörg Ludmann das 1200 Quadratmeter große Eckgrundstück gekauft. Jenes, auf dem die Holsterei ist und das eigentlich die Stadt erstehen wollte, um Einzelhändlern mehr Fläche zu bieten. Bis zuletzt weigerte sich der Eigentümer jedoch, die Ecke an die Stadt zu verkaufen. Dafür berichtete Ludmann im Juli, dass ihm das Grundstück zugesichert sei. Laut dem Leonberger Architekten habe er von den Geschäftsbeziehungen zum Sohn des Eigentümers profitiert. Er hat in Stuttgart eine Immobilienfirma und realisierte mit Ludmann bereits Bauprojekte. „In Leonberg sind wir ihm entgegengekommen, nun hat man uns bei dem Eckgrundstück begünstigt. Der Stadt liegt der Kaufvertrag vor“, sagt der Architekt unserer Zeitung. Damit können er und die IGC ein größeres Areal gestalten als die zwei anderen Bewerber – und nach eigenen Angaben einen Vollsortimenter plus eine Drogerie nach Münchingen holen. Rewe als Ankermieter sei sicher, dagegen sei offen, ob der Drogist dm oder Müller sein wird. „Die Entscheidung hängt auch von Rewe ab“, meint Ludmann. Zudem hätten mehrere Ärzte Interesse an einer Praxis in der ersten Etage bekundet. Und man habe die Zahl der Geschosse um eines auf vier reduziert, nachdem die Stadt im Juli die Höhe kritisiert hatte.

Stadt macht Duo vielleicht Strich durch die Rechnung

Auch die Mitbewerber haben ihre Entwürfe überarbeitet. Wilhelm Geiger hat etwa statt Netto jetzt Edeka als potenziellen Mieter. Bei der Gartenstadt Weimar steht laut Geschäftsführer Hans-Hermann Kirschner weiter Tegut als Hauptmieter und Betreiber bereit. Der Vollsortimenter hat unter anderem eine Filiale im Einkaufszentrum Marstall in Ludwigsburg.

Geht es nach der Stadt, sollen alle Bewerber die gleichen Bedingungen haben – und damit Zugriff auf das Eckgrundstück. Deshalb will sie nun prüfen, ob sie ein Vorkaufsrecht ausüben kann: Sollten die Voraussetzungen vorliegen und der Gemeinderat zustimmen, steige die Stadt als Käuferin in den geschlossenen Kaufvertrag ein. Sie kann sich dann quasi beim Kauf vordrängeln. Sollte der Vertrag annulliert werden, könnte das zu einer „schwierigen Situation“ führen, befürchtet Hansjörg Ludmann. „Das wäre für uns keine gute Basis für eine Zusammenarbeit mit der Stadt.“

„Im Idealfall“ Vollsortimenter und Drogerie – aber

Zugleich widersprach der Bürgermeister einigen kritischen Stimmen, ein Vollsortimenter sei wichtig. „Die Menschen fahren raus aus Münchingen, weil sie hier nicht alles bekommen – auch Lidl hat ein begrenztes Sortiment“, sagt Joachim Wolf (parteilos). Ein Vollsortimenter in zentraler Lage bringe die Bürger bestenfalls dazu, vom klassischen Großeinkauf am Wochenende abzusehen und öfter unter der Woche – spontan, ohne Auto – Dinge zu besorgen. „Wir wollen den Ortskern stärken.“

Aus Sicht der Agendagruppe „Lebenswertes Münchingen“ kommen „im Idealfall“ Vollsortimenter sowie Drogerie nach Münchingen. Vor der Schließung des Cap-Marktes hätten die Bürger laut einer kleinen Umfrage zu einer Drogerie tendiert, sagt die Sprecherin Ursula Schill, mittlerweile ginge die Tendenz Richtung Supermarkt. „Der Entwurf von IGC und Ludmann ist uns aber zu massiv“, so Schill, man favorisiere die Geiger-Variante – die vielleicht auch eine Drogerie vorsieht, je nachdem, was aus dem Vorkaufsrecht werde.

Im Dezember soll sich der Gemeinderat für einen Bewerber entscheiden, dessen Pläne konkretisiert werden sollen.

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