Der Anschluss von Müllerheim an die B 10 soll verlegt werden. Foto: factum/Granville

Das Regierungspräsidium drängt im Rahmen des Ausbaus der B 10 auf einen Konsens mit der Stadt. Leicht zu finden ist der nicht.

Korntal-Münchingen - Der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf steckt in einem Dilemma. Dessen Ausgang ist ungewiss. Welches Ende das Dilemma aber keinesfalls nehmen darf, ist für den Rathauschef klar: Dass der Anschluss von Müllerheim an die Bundesstraße 10 wegfällt. Dann rollt der gesamte Verkehr, den das Gewerbe mit sich bringt, durch Münchingen. „Das wäre katastrophal. Zudem haben wir die Westumfahrung Münchingen nicht umsonst gebaut“, sagt Wolf. Einer Schließung des Anschlusses ist die Kommune zurzeit jedoch näher, als ihr lieb ist. Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart wartet weiter auf eine Lösung, ohne die der Anschluss dicht gemacht wird.

Das RP will im Rahmen des Ausbaus der B 10 den Anschluss von Müllerheim um einige Hundert Meter verschieben. Die Anschlussstellen zur Autobahn und die Zufahrten von und nach Münchingen und Müllerheim liegen zu nah beieinander. Eine Richtlinie für den B-10-Ausbau sieht vor, „dass aus Gründen der Sicherheit und Leistungsfähigkeit zwischen zwei Anschlussstellen ein Mindestabstand von zwei Kilometern eingehalten werden muss“, heißt es aus dem RP. Demnach „müsste die Anschlussstelle Müllerheim ersatzlos entfallen, die erste Anschlussstelle nach der Anschlussstelle Zuffenhausen wäre die Anschlussstelle Münchingen an der Landesstraße“. Es sei denn, Korntal-Münchingen stimmt einem der fünf Vorschläge des RP für die Verlegung zu.

Auf Bestandsschutz können die Kommunalpolitiker indes nicht hoffen. „Es gibt keinen Bestandsschutz für eine Anschlussstelle“, erklärt das RP auf Nachfrage.

Gärtnereien spielen nicht mit

Bürgermeister Wolf bevorzugt Variante 3a: Die Anschlussstelle Müllerheim wird nach Westen verlegt und direkt mit der Tampoprint-Kreuzung verbunden, die laut Wolf unbedingt umgebaut werden muss, damit der Verkehr besser fließt. Variante 3a braucht am wenigsten Fläche, kostet am wenigsten und schickt am wenigsten Lärm in das nächstgelegene Wohngebiet.

In seiner jüngsten Sitzung lehnte der Gemeinderat die Pläne der Stadtverwaltung aber einstimmig ab. Die für Variante 3a nötigen Flächen gehören Gärtnereien. Diese müssten weichen, weigern sich aber zu verkaufen. Aus den Fraktionen blies Wolf ein harscher Gegenwind ins Gesicht. Mit einer „Ablehnung ohne Alternative“ hatte er nicht gerechnet.

„Bittere“ Erfahrung

„Diese Ablehnung wurde mir in der durchaus diskussionsreichen Vorberatung nicht signalisiert“, sagt Wolf, der die Erfahrung als „bitter“ bezeichnet. Auch bei den Gesprächen mit den betroffenen Betrieben habe er immer den Eindruck gehabt, dass nichts unmöglich sei.

Ein vorhandener und funktionierender B-10-Anschluss ist auch wichtig für die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Kornwestheimer Straße. „Wir brauchen zusätzliche Gewerbegebiete“, sagt Wolf: Die angesiedelten Unternehmen wachsen und drohen mit Rückzug, sollten sie nicht mehr Fläche erhalten. Zugleich ist Korntal-Münchingen auf neue Unternehmen angewiesen. Diese spülen Gewerbesteuer in die Stadtkasse.

Der Bürgermeister will nun in einem Gespräch mit dem RP „die Rahmenbedingungen klären“. Dann setzt er sich wieder mit den betroffenen Betrieben zusammen. Bei einer alternativen Lösung verlaufen die neuen Straßen mutmaßlich vor der Haustür der Gärtnereien. Wirklich gedient sei den Betrieben damit auch nicht, sagt Wolf. Bis ein neuer Vorschlag vorliegt, lautet die Devise der Gärtnereien: abwarten.

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