Vier Bürger im Einsatz (von links): Dieter Nickel, Heidi Gröger, Manfred Leichnitz und Walter Schwarz. Foto: Gottfried Stoppel

Konstruktive Gespräche statt erhobene Zeigefinger sind seit Jahren das Erfolgsrezept der Korber Nachtwanderer. Die Gruppe sucht derzeit weitere „Mitläufer“, damit das Projekt nicht einschläft.

Korb - „Wir sind keine Kampftruppe“, sagt Walter Schwarz. Wir – damit meint der 72-Jährige die Korber Nachtwanderer, eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die in wechselnder Besetzung seit fast acht Jahren freitagabends im Ort unterwegs ist. Walter Schwarz ist ein Mann der ersten Stunde und weiß noch genau, wann er zum ersten Mal mit seiner knallroten Dienstjacke durch Korb gestreift ist: „Am 16. September 2013.“

Streife gehen, das wäre der falsche Begriff für das, was die Nachtwanderer tun, selbst wenn ihre Tour stets an Plätze führt, an denen es manchmal zu Problemen kommt. Zum Beispiel, weil sich dort nächtens Jugendliche treffen, was manche Anwohner nervt, wenn laute Musik ertönt oder Müll und Scherbenhaufen zurückbleiben.

Nachtwanderer werden freudig begrüßt

An solchen Orten spazieren die Nachtwanderer regelmäßig irgendwann zwischen 22 und 1 Uhr vorbei, suchen das Gespräch und bitten darum, die Musik doch etwas leiser zu drehen und keinen Abfall zu hinterlassen. Das Mittel der Wahl der Anti-Kampftruppe ist entwaffnende Freundlichkeit. Das zahle sich aus, berichtet Manfred Leichnitz: „Anfangs waren die Leute erstaunt, dass wir sie nicht wegschicken. Inzwischen werden wir oft freudig begrüßt.“ Wie Walter Schwarz ist der 58-jährige Manfred Leichnitz gleich zu Beginn zum Projekt gestoßen und seither all die Jahre dabeigeblieben. Denn er ist überzeugt: „Wenn das Nachtwanderer-Projekt einschläft, dann wird es nicht mehr zurück ins Leben kommen.“

So weit ist es zum Glück nie gekommen, auch wenn die Nachtwanderer über ein bisschen Verstärkung froh wären. „Dann könnten wir statt einmal monatlich wieder 14-tägig oder sogar jede Woche unterwegs sein“, sagt Dieter Nickel, der etwas gegen Vandalismus tun möchte und vom positiven Einfluss der Nachtwanderer überzeugt ist: „Zwölf Leute wären ideal.“ Derzeit sind außer den bereits Genannten noch Moritz Metzger und Heidi Gröger unterwegs. Letztere würde sich insbesondere über weibliche Verstärkung freuen, denn eigentlich, sagt sie, sei es ja so gedacht, dass die Teams aus beiden Geschlechtern bestehen.

Pflichtspaziergang hilft dem Ort

Heidi Gröger ist vor rund drei Jahren zu den Nachtwanderern gestoßen und dabei geblieben, obwohl die 87-Jährige noch nicht einmal in Korb wohnt, sondern in Waiblingen-Beinstein. Warum sie dennoch mitmacht? „So kann ich meinen Pflichtspaziergang machen, gleichzeitig etwas tun, was für das Dorf wichtig ist, und mit neuen Menschen zusammenkommen“, sagt Heidi Gröger.

Jochen Müller, der Korber Bürgermeister, nennt noch weitere Pluspunkte, die das Ehrenamt mit sich bringe, nämlich eine professionelle Schulung, bevor die frischgebackenen Nachtwanderer auf die Piste gehen. „Es gibt vorab ein Deeskalationstraining vom Profi“, sagt Jochen Müller, der betont: „Nachtwanderer haben keine Wächterfunktion, sie sind Ansprechpartner und sie suchen das Gespräch. In schwierigen Situationen ziehen sie sich zurück.“

Ehrenamtliche ersetzen Sicherheitsdienst

Der Auslöser für das Nachtwanderer-Projekt waren Beschwerden über nächtliche Ruhestörungen und Vandalismus in der Ortsmitte, insbesondere rund um den Seeplatz, gewesen. Im Jahr 2009 hatte die Kommune deshalb einen privaten Sicherheitsdienst damit beauftragt, in der Ortsmitte nach dem Rechten zu sehen, was aber nicht die gewünschte Wirkung zeigte. So stimmte der Gemeinderat 2012 unisono dafür, Nachtwanderer einzuführen. Das Konzept hatten Studenten der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg nach einer Befragung der Anwohner ins Spiel gebracht.

Für die Korber Nachtwanderer ist jede Flasche, die heil bleibt und nicht gegen eine Wand fliegt, ein Erfolg. Insofern hofft nicht nur Dieter Nickel auf mehr Mitstreiter: „Wenn man noch öfter unterwegs sein könnte, wäre es effektiver.“

Eine Idee aus Skandinavien

Geschichte:
Das Konzept der Nachtwanderer stammt aus Skandinavien. Nachtwanderer wollen durch regelmäßige Anwesenheit eine Form der sozialen Kontrolle schaffen, Aggressionen bekämpfen und Vandalismus eindämmen. Nachtwanderer gibt es zum Beispiel auch in Öhringen im Hohenlohekreis oder in Filderstadt (Kreis Esslingen).

Mitmachen:
Für Menschen ab 18 Jahren, die sich für das Projekt interessieren, ist Adalina Agejew von der Gemeinde Korb Ansprechpartnerin. Sie ist zu erreichen per Telefon 0 71 51/93 34 11 oder via E-Mail an die Adresse agejew@korb.de. Am 4. April gibt es eine Schulung für Nachtwanderer in der VHS Unteres Remstal in Waiblingen.

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