Beim Fangerles sind die Vorschulkinder kaum zu bremsen. Foto: Lg/ Iannone

In den Stuttgarter Kitas soll die Bewegungsförderung mehr Raum erhalten. Erstmals hat die AOK Stuttgart-Böblingen in puncto Gesundheitsprävention einen Vertrag mit einer Kommune geschlossen: Stuttgart erhält 50 000 Euro und beschäftigt damit eine Sportfachkraft. Die Kitakinder in der Neckarvorstadt sind begeistert.

Stuttgart - Ballwerfen und -fangen ist für die Vorschulkinder in der städtischen Kita Duisburger Straße in Bad Cannstatt in der Neckarvorstadt kein Problem mehr. Unter Anleitung der Sportwissenschaftlerin Sophia Zimpfer vom Sportamt strengen sie sich mächtig an – schließlich geht es darum, Aufkleber für den Bewegungspass zu sammeln. Auch beim Fangerlesspiel mit Abklatschen geben die Kleinen alles. „Montag ist Horrortag“, sagt die Kitaleiterin Ursula Schneider – da hätten die Kinder nach einem langen Fernsehwochenende immer einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Neuerdings erhält der noch mehr Schub: Die AOK Stuttgart-Böblingen hat erstmals einen Kooperationsvertrag mit einer Kommune geschlossen und sponsert die Gesundheitsprävention an Stuttgarter Kitas mit 50 000 Euro.

Anlass ist das Präventionsgesetz, das die Krankenkassen zur Gesundheitsprävention verpflichtet. Die Stadt finanziert mit dem Geld im Rahmen des Programms Kitafit eine Sportfachkraft, um somit noch mehr Kinder zu erreichen, erklärte Sportbürgermeister Martin Schairer (CDU) und sprach von einer Premiere. Zu dem Angebot der Kasse gehören auch Symbolkärtchen mit Anregungen für Bewegungsspiele, die auch Erzieherinnen ohne Sportausbildung leicht umsetzen können. „Das Präventionsgesetz ist ein Beschleuniger“, meint Andi Mündörfer vom Sportamt. Den könnten die Kinder aus der Neckarvorstadt gut brauchen, wo viele Eltern alleinziehend sind, viele Kinder ohne Frühstück in die Kita kommen und viele Mütter noch nie ein Schwimmbad besucht haben, wie Schneider berichtet: „Für uns werden dadurch Türen geöffnet – Bewegung macht schlau.“

Zur Gesundheitsprävention gehören auch ein gesundes Frühstück und Wassergewöhnung

Der Vorteil sei, dass man Angebote bündeln könne, so Mündörfer. So seien die Vorschulkinder aus der Duisburger Straße seit kurzem einmal in der Woche im Schwimmbad zur Wassergewöhnung. Im Rahmen von „Future for Kids“ richtet die Kita den Kindern täglich ein gesundes Frühstück und Vesper, damit sie nicht mit den mitgebrachten kalten Pommes mit Majo vorlieb nehmen müssen oder ganz ohne Essen sind. Auch die Infobriefe an 130 Familien über allgemeine Sportangebote und den Bewegungspass zeitigten Wirkung, so Mündörfer. So machten jetzt insgesamt 150 Kinder beim Bewegungspass mit, und viele Eltern kämen zu Sport im Park und in die Sportvereine. Viele Familien zu erreichen sei ganz im Sinne der AOK, meint deren Vertreter Andreas Sikler.

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