Kooperation von Gerlingen und der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung Junge Lösungen für ein altes Problem

Von Franziska Kleiner 

Die Präsentation der Studierenden  der Hochschule für Komunikation und Gestaltung   ist benotet worden.  In Wort und Farbe  – auch auf diese Weise   lässt sich werben. Foto: factum/Granville
Die Präsentation der Studierenden der Hochschule für Komunikation und Gestaltung ist benotet worden. In Wort und Farbe – auch auf diese Weise lässt sich werben. Foto: factum/Granville

Angehende Kommunikationsdesigner präsentieren ihre Konzepte für Einrichtungen der Seniorenarbeit, um Ehrenamtliche zu gewinnen. Das Ergebnis verblüfft selbst Profis.

Gerlingen - Werner Matthes ist fasziniert. Die Veranstaltung am Donnerstagmorgen hat eigentlich erst begonnen, er hat noch nicht einmal die Hälfte aller geplanten Präsentationen der Studenten der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung gesehen. Doch der Mann, der als Werbefachmann seinen Lebensunterhalt verdiente, zudem zwei Jahrzehnte lang dem örtlichen Bürgertreff vorstand, sagt: „Sie treffen den Punkt.“

Die Kernfrage lautete: Wie gewinnen Einrichtungen der SeniorenarbeitEhrenamtliche? Die Drittsemester haben Antworten auf die Frage in Schrift, Bild und Ton, in herkömmlichen und neuen Medien gegeben. Es entstanden Plakate, eine App, ein Kinderbuch, eine Fotoausstellung – sie soll im Februar in Gerlingen zu sehen sein – und untern anderem eine Eisbrecherhütte: Anna Nill und Anne Steinke hatten sich für eine Guerilla-Aktion entschieden. Sie ließen sich von Schülern der Steinbeis-Schule Stuttgart eine Holzhütte zimmern. Darin, so der Plan, wollten sie zwei Menschen unterschiedlicher Generation zusammenbringen und das Gespräch zwischen ihnen etwa bei einer Tasse Kaffee mittels einer kleinen Eingangsfrage in Gang bringen. Die Generationen sollten ihre Ängste und Vorurteile abbauen, das war das Ziel.

Eine Hütte, um das Eis zu brechen

Die Studentinnen hatten die Hütte bereits für einen Tag in Gerlingen aufgebaut und das Konzept getestet. „Die Generationen müssen sich öffnen“, formulierten Anna Nill und Anne Steinke nun in ihrer Präsentation die Anforderung. Sie selbst habe das Ergebnis erfüllt, berichten sie: „Wir waren angetan von den Begegnungen.“

Die Idee zu dem Kooperationsprojekt entstand in der Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Seniorenarbeit, einem Zusammenschluss Gerlinger Einrichtungen. Loredana Wachter, in der Stadtverwaltung zuständig für die Seniorenarbeit, hatte vier Hochschulen angeschrieben. Die Hochschule für Kommunikation und Gestaltung habe sich schnell zurückgemeldet. Diese Kooperationen seien ein Geben und Nehmen, sagt die Professorin Michaela Köhler. Mit ihrer Professorenkollegin Christiane Nowottny verantwortete sie die Kooperation. Die Hauptaufgabe sei gewesen, die Studierenden „in die kreative Phase zuführen“. „Überrascht“ sei sie über die Vielfalt der Ergebnisse, die aus unterschiedlichen Rechercheansätzen entstanden. Die einen suchten das Gespräch mit der Bevölkerung auf offener Straße, die anderen in den Einrichtungen.

Konzepte überall anwendbar

Die Konzepte sind allerdings so gehalten, dass sie grundsätzlich von jeder Senioreneinrichtung realisiert werden kann. Ob man letztlich all dies umsetzen könne, müssen die Einrichtungen für sich prüfen. Das sei ja auch nicht die Aufgabe der Studierenden gewesen, meint Werner Matthes. „Die Anstöße sind wertvoll“, sagt er deshalb. „Sie bringen die Gedanken in Schwung.“

Inspirieren ließ sich im Gerlinger Rathaus auch Janine Bliestle, die Fachberaterin im Gemeindenetzwerks Bürgerschaftliches Engagement. Das Netzwerk war im Jahr 2001 vom Gemeindetag Baden-Württemberg gegründet worden. Sie vertritt landesweit 186 Kommunen. Bliestle ließ sich von den „unterschiedlichen Sichtweisen auf Engagement“ inspirieren. Die Ergebnisse seien „auf unterschiedliche Zielgruppen anwendbar“. Und die unterschiedlichen Zugänge seien ebenso richtig wie notwendig – nicht zuletzt, weil „jede Bürgerschaft anders“ sei.

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