Die Gerlinger Punkrockband Sokae hat eine etwas außergewöhnliche Solidaritätsaktion gestartet. Außerdem spielt das Trio im Sommer seinen wohl bislang größten Gig.
Was macht denn ein Astronaut im Proberaum einer Punkrockband? Klar, Gitarre spielen, was denn sonst. Und eigentlich war es auch kein klassischer Astronaut, der in der Übungsstätte der Gerlinger Combo Sokae vorbeigeschaut hat – es war der „Protestonaut“, der sich extra aus Berlin auf den Weg gemacht hat.
Es tut sich derzeit so einiges beim Trio aus der Strohgäustadt, das im Sommer als Opener beim riesigen Kessel-Festival auf dem Cannstatter Wasen auftreten darf. Und dann gibt’s auch noch das eigene, etwas kleinere Festival am 10. Oktober im Stuttgarter Club Zentral – das „Sokfest“. Und jetzt auch noch irgendwas im Weltall? Also ganz langsam und der Reihe nach.
„Protestonaut“: Kunstprojekt eines Berliner Ehepaars
Der „Protestonaut“ ist ein Kunstprojekt des Berliner Ehepaars Sophia und Alexander Hauk, das mit Liveauftritten, Fotos und kurzen Texten Aufmerksamkeit auf wichtige Punkte und Herausforderungen lenken will. Sophia Hauk ist Fotografin, der Diplom-Politologe Alexander Hauk arbeitet international als Pressesprecher, Journalist und Berater. Ihre Schlagworte sind: Fotografie, Journalismus, Kunst – und auch Humor. Und das bei vielen unterschiedlichen Themen.
So stand der „Protestonaut“ etwa Mitte 2024 bei einer Demo gegen Rechtsextremismus vor dem Brandenburger Tor. In der Hand ein Schild: „Nazis auf den Mond schießen!“ Darauf wiederum wurden die Sokae-Musiker aufmerksam, die in ihrem Repertoire den Song „Nazis auf den Mond“ haben. „Es war quasi ein ‚Match made in Heaven’“, wie der Gitarrist und Sänger Deniz Karagöz lachend berichtet.
Nicht gesucht und doch gefunden also. Was daraus entstand? Als erstes eine Kontaktaufnahme über die Initiative „Kein Bock auf Nazis“, für die sich die Band seit jeher über sämtliche Kanäle und auch bei ihren Konzerten stark macht. Es folgte die Kommunikation mit dem „Protestonauten“-Duo per E-Mail und Telefon. Schließlich vereinbarte man einen Drehtag im Mai 2025 in Gerlingen, zu dem Sophia und Alexander Hauk aus der Landeshauptstadt anreisten.
„Die Idee, dass wir ein Soli-T-Shirt machen wollen, war da schon lange klar“, erzählt Karagöz. Den Look des Shirts habe man von einem Designer erarbeiten lassen. Es zeigt den „Protestonauten“ nebst Band- und Projekt-Schriftzug – und die fast schon ikonische Pose des Protagonisten mit seinem Schild.
Was fehlte, waren noch die entsprechenden Bewegtbilder für die Werbung. Und dafür wurde dann im Mai im Proberaum vor dem inzwischen fast schon legendären Sokae-Greenscreen gedreht, der in der Vergangenheit schon für unzählige mal mehr, mal weniger quatschige Bandfilmchen herhalten musste. Der „Protestonaut“ hängte sich bei den Aufnahmen sogar Deniz Karagöz’ pinkfarbene Gitarre um.
Inzwischen ist die Aktion beendet, Sokae ließen immerhin 20 Shirts herstellen und konnten so 300 Euro an „Kein Bock auf Nazis“ überweisen. Spaß habe es allen Beteiligten zudem gemacht – wie auch Sophia und Alexander Hauk betonen.
Und das Kessel-Festival? 2025 gewannen Sokae dort den Newcomer-Wettbewerb auf einer Nebenbühne – und dürfen dafür am Freitag, 26. Juni, um 14 Uhr auf der gigantischen Mainstage ran. Also genau dort, wo im weiteren Verlauf des Festivals unter anderem Stars wie Juli, $oho Bani, SDP oder Nina Chuba auftreten. „Wir haben die geilste Community auf der Welt“, kommentierte die Band damals ihren Erfolg auf Instagram, „ihr zaubert uns immer wieder Gänsehaut und Pipi in den Augen, wir küssen so viele Herzen.“
Eigenes Sokae-Festival: Im Oktober ist es im Club Zentral in Stuttgart soweit
Das eigene Festival fällt zwar ein bisschen kleiner aus, dürfte im heimeligen Club Zentral (Hohe Straße 9, Stuttgart) aber nicht weniger intensiv werden. Los geht’s am Samstag, 10. Oktober, um 18 Uhr. Wer außer Sokae noch spielt, wird bis dahin rechtzeitig bekannt gegeben. Tickets – Early Bird 10 Euro, regulär 15 Euro – gibt es online auf www.eventim-light.com.
Gedrucktes und Digitales
Kalender
Im Rahmen des „Protestonaut“-Projekts erscheint seit 2014 jährlich ein Fotokalender. „Er ist ein Impulsreferat in gedruckter Form“, wie die Macher Sophia und Alexander Hauk sagen. Die Ausgabe für das Jahr 2026 (ISBN: 978-3-947423-70-5) befasst sich mit dem Thema „Dunkelziffern“. Der Kalender ist für 25 Euro (zuzüglich 5,10 Euro Versandkosten) erhältlich.
Online
Bestellen kann man den Kalender auf der Webseite https://protestonaut.de. Dort gibt es auch weitere Informationen zum Projekt in Hülle und Fülle. Mehr zur Band Sokae – und auch die Filmchen mit dem „Protestonauten“ – gibt’s unter anderem auf ihrer Instagram-Seite.