Christof Schmidt hat seine Musiker bei der Probe im Möhringer Bürgerhaus fest im Griff. Am Samstag im Alten Schloss darf beim „Starken Blech“ nichts schiefgehen. Foto: Alessa Becker

Wenn das „Starke Blech“ alle zwei Jahre vor dem Alten Schloss stattfindet, kommen meist mehr als 300 Gäste. Der Dirigent Christof Schmidt verspricht ein „Erlebnis mit Gänsehautgarantie“.

Möhringen/S-Mitte - Wenn Christof Schmidt den Taktstock hebt, führen 280 Blechbläser ihre Instrumente an den Mund. „Bei so einer Riesenprobe braucht man als Dirigent eine klare Vorstellung davon, was man von den Musikern möchte und was möglich ist“, sagt Schmidt bei einer Probe am vergangenen Wochenende im Möhringer Bürgerhaus. Schließlich gibt es nur diese eine Gesamtprobe vor dem großen Auftritt am kommenden Freitag. Um 20 Uhr werden dann etwa 300 Zuschauer im Hof des Alten Schlosses sitzen, um das „Starke Blech“ zu hören.

„Diese Konzertreihe gibt es seit 1999 alle zwei Jahre“, sagt der 43-jährige Schmidt. Die Posaunenchöre aus Stuttgart-Mitte, Bad Cannstatt und Degerloch sowie das Ensemble Hohenlohe Brass und der Jugendposaunenchor Stuttgart musizieren gemeinsam von den Arkaden des Schlosshofs hinab. Außerdem spielen Musiker aus Kemnat, Musberg und dem Remstal mit. „Wir haben sogar einzelne Anmeldungen von Blechbläsern aus Heilbronn und Rottweil bekommen“, sagt Schmidt. Auch Tamburin, Pauken und Becken werden am Freitag erklingen.

Von Barockmusik bis „Smoke On The Water“

Die Moderation am Konzertabend übernimmt der Stadtdekan Søren Schwesig. Christof Schmidt, Bläserreferent im Kirchenkreis Stuttgart, dirigiert das Großorchester in diesem Jahr zum ersten Mal allein. Nachdem sein Vorgänger Hans Holzwarth 2015 in den Ruhestand gegangen ist, hat Schmidt dessen Stelle übernommen. „Zum ersten Mal fand das Konzert vor 18 Jahren anlässlich des Kirchentags statt, und weil das ‚Starke Blech’ den Zuschauern so gut gefiel, wurde daraus eine Tradition“, erzählt Schmidt.

Zwischen acht bis 82 Jahren ist unter den Bläsern jede Altersklasse vertreten. Schmidt nennt sein Orchester generationenübergreifend; das sei etwas, was man heute noch selten zu hören bekomme. Für die unterschiedlichen Musiker hat er einige Stücke umgeschrieben oder eigens für sie schreiben lassen, wie das Stück „Hymn To Freedom“ von dem Kölner Komponisten Ingo Luis. „Dieses Stück wird am Freitag uraufgeführt“, sagt Schmidt. Außerdem werde das Konzert sehr geschichtsträchtig. Auf „prächtig barocke Festmusik“ dürfen sich die Zuschauer freuen. Zum Beispiel auf ein Stück vom Komponisten Michael Altenburg, das er zum ersten Reformationsjubiläum 1617 geschrieben hat und das lange als verschollen galt. „Das Stück ist tänzerisch, freudig, aber auch gewaltig“, so Schmidt. Man könne die Freude über die Reformation hören, die darin zum Ausdruck kommt. „Wir spielen auch ganz bekannte Stücke wie ‚Halleluja’ von Leonard Cohen oder ‚Smoke On The Water’ von Deep Purple“, sagt Schmidt. Da würden die Musiker von oben mitsummen. Und auch die Stimmen der Gäste sind gefragt, die bei zwei Stücken mitsingen sollen. Wenn die Sonne untergeht, möchte Christof Schmidt gemeinsam mit ihnen einen Riesenchor bilden und „Der Mond ist aufgegangen“ singen. Er verspricht ein „Erlebnis mit Gänsehautgarantie“. Der Eintritt dafür ist frei, das „Starke Blech“ wird auf Spendenbasis finanziert. „Der Schlosshof wird den ganzen Abend über für jeden offenstehen“, erläutert Schmidt. Allerdings sei der Hof nur zum Teil bestuhlt; wer einen Platz ergattern möchte, muss früh kommen.

Der Dirigent bändigt sein Orchester mit Humor

Für die Stuttgarter Posaunenchöre, die die Stücke einzeln geprobt haben, ist die große Zusammenkunft nach den Worten von Schmidt ein absoluter Höhepunkt. „Viele kennen sich schon von den vergangenen Konzerten, freuen sich auf das Wiedersehen und wissen genau, wo ihr Platz in der Großgruppe ist.“ Durch diese Erfahrung der Musiker und durch eine gute Informationsverbreitung sei es für ihn möglich, reibungslos mit dem großen Posaunenchor zusammenzuarbeiten.

Bei der Probe im Möhringer Bürgerhaus erzählt Schmidt zu jedem der Stücke seine Entstehungsgeschichte und versucht mit Humor die Großgruppe im Zaum zu halten. Er selbst war zehn Jahre lang freischaffender Posaunist und hört genau, wenn ein Musiker falsch liegt. „Das Konzert am Freitag ist für mich selbst ein spannendes Erlebnis.“

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