Konzertreihe in Stuttgart-Vaihingen Jazz mit Barbara Dennerlein und eine Rarität

Von Sabine Schwieder 

Jazzmusikerin Barbara Dennerlein fand es verlockend, die  frisch renovierte Vaihinger Orgel zu einem Auftritt zu nutzen. Foto: z/Dennerlein
Jazzmusikerin Barbara Dennerlein fand es verlockend, die frisch renovierte Vaihinger Orgel zu einem Auftritt zu nutzen. Foto: z/Dennerlein

Die Renovierung der Stadtkirchenorgel in Stuttgart-Vaihingen wird mit einer Konzertreihe gefeiert.

Vaihingen - In diesen Tagen wird letzte Hand an die Orgel der Vaihinger Stadtkirche gelegt. Nach den langwierigen Renovierungsarbeiten muss nur noch gebürstet und nachgestimmt werden, bevor sich Musikliebhaber, die vielfach finanziell zur Renovierung beigetragen haben, in einer dreiteiligen Konzertreihe vom neuen Klang überzeugen können. Den Kirchenmusikdirektoren Gabriele Timm-Bohm und Rainer Bohm ist es mit Hilfe von Gemeindemitgliedern gelungen, dazu auch die renommierte Jazz-Organistin Barbara Dennerlein zu gewinnen.

Drei Generationen ungarndeutscher Musiker

Die Reihe beginnt am Sonntag, 9. September, um 20 Uhr mit einem Konzert, das drei Generationen ungarndeutscher Musiker vorstellt. Den Würzburger Organisten Daniel Gárdonyi verbindet mit Vaihingen ein Praktikum, das er während seines Kirchenmusikstudiums in Stuttgart an der Vaihinger Stadtkirche absolvierte. Er bringt seinen Vater, den Musikwissenschaftler und Komponisten Zsolt Gárdonyi aus Würzburg, zu einem Gesprächskonzert mit. Im Gepäck haben die beiden zudem Kompositionen von Zoltán Gárdonyi (1906 bis 1986), einem Schüler von Zoltán Kodály und Paul Hindemith.

Der 1982 geborene Organist Daniel Gárdonyi wird neben Kompositionen von Bach und Louis Vierne Bearbeitungen des Chorals „Eine feste Burg“ sowohl seines Vaters Zsolt als auch seines Großvaters Zoltán präsentieren. Während der Ältere der klassischen Moderne seiner Lehrer verpflichtet war, streut der Jüngere gelegentlich Jazzelemente ein.

Improvisieren an der Orgel

Für die Vorbereitung ihres Konzertes am Sonntag, 16. September, um 19 Uhr nimmt sich die Münchner Jazzorganistin Barbara Dennerlein viel Zeit. „Um einen eigenen Klang zu erreichen, sitzt ein Musiker manchmal drei Tage am Instrument, um aus den Registern die richtigen auszuwählen“, erläutert Veranstalterin Gabriele Timm-Bohm. Im Übrigen aber kann an einer Orgel improvisiert werden wie an einem Klavier auch.

Barbara Dennerlein, Jahrgang 1964, gilt in der Jazzszene als Wegbereiterin für die Renaissance der Hammondorgel. Swing, Bebop, Blues, Soul, Latin und Funk: Dennerlein ist bekannt dafür, in allen Genres die Möglichkeiten ihres Instruments voll auszuschöpfen, sie hat einen ganz unverwechselbaren eigenen Klang entwickelt. Seit einigen Jahren nutzt sie neben der digital erweiterten Hammondorgel auch Konzert- und Kirchenorgeln für ihre Auftritte.

Neue Mechanik

Die Vaihinger Stadtkirchenorgel verfügt über eine neue Mechanik, die künftig sehr viel mehr Möglichkeiten bietet. Um den Zuhörern einen Einblick in die Spielweise Dennerleins zu geben, wird das Konzert am 16. September mit Hilfe einer Kamera auf eine große Leinwand übertragen, die von der Empore hängt. So sind die atemberaubend flinken Finger der Organistin von den meisten Plätzen aus zu beobachten. Interessant sind auch die Basslinien, die sie ein- oder beidfüßig auf dem Pedal spielt. Eine Technik, die Dennerlein beispielsweise von ihrem Vorbild Jimmy Smith unterscheidet, der den Bass mit der linken Hand spielte.

Zu einem neuen Orgelkonzert zusammengefügt

Mit zwei Konzerten für Orgel und Orchester am Sonntag, 23. September, um 19 Uhr hat sich Rainer Bohm einen langjährigen Traum erfüllt. Der Kirchenmusikdirektor hat aus mehreren Kirchensonaten und einem der frühen Salzburger Klavierkonzert-Sätze von Wolfgang Amadeus Mozart ein Orgelkonzert in C-Dur neu zusammengestellt und instrumentiert. Diese Rarität wird mit dem romantischen Konzert in F-Dur für Streicher und drei Waldhörner von Joseph Gabriel Rheinberger kombiniert. Der in Liechtenstein geborene Musiker wirkte im späten 19. Jahrhundert als Komponist und Musikpädagoge in München und ist vor allem bekannt durch sein Abendlied „Herr, bleibe bei uns“. Als Solist wurde der Kantor und Organist der Böblinger Stadtkirche, Eckhart Böhm, engagiert, der die Konzerte am 11. November an der Winterhalter Orgel der Stadtkirche in Böblingen wiederholen wird. Das Orchester besteht aus Laien aus der Region, die in den vergangenen Wochen unter Anleitung von Mitgliedern des Vaihinger Hay-Quartetts geprobt haben.

Der Eintritt zum Meister-Orgelkonzert mit Daniel Gárdonyi am Sonntag, 9. September, um 20 Uhr in der Stadtkirche an der Pfarrhausstraße ist frei. Für die Konzerte am 16. September (Barbara Dennerlein, 19 Uhr) und 23. September (Konzerte für Orgel und Orchester, 19 Uhr) gibt es Karten im Gemeindebüro, Mößnerstraße 7. Das Gemeindebüro ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet, dienstags und donnerstags auch von 14 bis 17 Uhr. Telefonische Anfragen sind unter 0711/13 35 70 möglich.

Redaktion Vaihingen

Ansprechpartner
Rüdiger Ott und Alexandra Kratz
vaihingen@stz.zgs.de

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